In Vahrholz und Bühne regt sich Widerstand. Die Bürger wollen nicht hinnehmen, dass der Brückenneubau über die Untermilde nur langsam voranschreitet, dass es keine Behelfsüberführung gibt, dass die offizielle Umleitung von und nach Kalbe so lang ist - und die Polizei diejenigen bestraft, die sie an der inoffiziellen Abkürzung erwischt. Die ist, wie sich herausgestellt hat, sogar unberechtigterweise neu beschildert worden.

Vahrholz l Sie sind aufgebracht. Und sie wollen, dass ihre Meinung bei den zuständigen Stellen gehört wird. Viele Vahrholzer, aber auch Bühner sind frustriert, weil sie seit dem 9. März eine weite Umleitung über Güssefeld, Vietzen und Kahrstedt fahren sollen, wenn sie nach Kalbe zur Arbeit, zum Arzt, zur Kita und zu sonstigen Besorgungen wollen. Denn seit diesem Tag ist die Brücke über die Untermilde, die bislang die Orte Vahrholz, Bühne und Kalbe miteinander verband, nicht mehr benutzbar. Sie wird im Auftrag des Altmarkkreises Salzwedel komplett neu gebaut.

Das heißt: Eigentlich passiert dort zurzeit relativ wenig. Jedenfalls nichts, was für die Bürger als ein wirklicher Baufortschritt erkennbar wäre. Auch am gestrigen Dienstag waren dort kaum Aktivitäten zu beobachten.

"Ich bezweifele, dass die neue Brücke in fünf Monaten fertig ist."

Peter Benecke, Vahrholz

"Ich bezweifele inzwischen, dass die neue Brücke wie geplant in fünf Monaten fertig ist", sagt zum Beispiel Peter Benecke aus Vahrholz und erinnert an die Baugrunduntersuchungen, die pikanterweise erst nach dem eigentlichen Start der Bauarbeiten erfolgt sind (Volksstimme berichtete).

Was die Vahrholzer und Bühner aber besonders ärgert, ist die Tatsache, dass sie nicht über den ländlichen Weg nach Altmersleben und von dort nach Kalbe und umgekehrt fahren dürfen. Er würde die Umleitung deutlich verkürzen. "Seit rund 14 Tagen steht da dieses Schild", sagt Dieter Lemme aus Vahrholz und deutet auf jenes Verkehrszeichen, das erst nachträglich an besagtem Weg installiert worden ist.

"Das Verkehrszeichen 250 ist nicht angeordnet worden."

Heidi Wüstenhagen, Sachgebietssleiterin im Kreis-Ordnungsamt

Und zwar unberechtigt, wie jetzt eine Nachfrage beim Straßenverkehrsamt ergeben hat. "Das Verkehrszeichen 250 ist nicht angeordnet worden. Die Stadt hat mittlerweile auch von uns den Hinweis erhalten, es wieder zu entfernen", erklärt Sachgebietsleiterin Heidi Wüstenhagen. Allerdings: Die Stadt war es nach Auskunft von Bürgermeister Karsten Ruth gar nicht, die dort tätig geworden ist. Vielmehr sei die temporäre Neubeschilderung durch den Baubetrieb vorgenommen worden. Und der sei ja bekanntlich im Auftrag des Kreises aktiv, habe aber nach seiner Kenntnis, so Ruth, inzwischen die Maßgabe erhalten, die Beschilderung wieder zu entfernen.

Sie beschreibt ein Fahrverbot für alle Fahrzeuge, also auch für Fahrräder, und weist mit Zusatzschildern lediglich Ausnahmen für den Land- und Forstwirtschaftsverkehr sowie für Linienbusse aus. Für diese gibt es eine Sonderregelung, "um die Einhaltung der Fahrzeiten zu ermöglichen", informiert die amtierende Leiterin des kreislichen Bauamtes, Cornelia Steinecke, auf Anfrage.

"Für unsere Fahrzeiten und für die Mehrkosten, die uns durch die lange Umleitung entstehen, interessiert sich aber keiner", schimpft Elke Gomell aus Bühne. Und gerade Busse, so merkt der Vahrholzer Gerhard Gansewig an, seien doch sehr schwer und würden dem Weg mehr schaden als Pkw. "Die großen Fahrzeuge wie Traktoren dürfen den Weg nutzen und auch unsere Dorfstraße kaputtfahren, aber wir können hier nicht lang", sagt auch Elfi Franz aus Vahrholz kopfschüttelnd.

Richtig wütend macht es sie und die anderen Dorfbewohner zudem, dass seit einiger Zeit auch die Polizei gehäuft am Wegrand steht und die, laut Beschilderung widerrechtliche, Nutzung des ländlichen Weges ahndet. "Bei den großen Kiesfahrzeugen, die hier schon langgefahren sind, ist das ja nachvollziehbar. Aber doch nicht bei Pkw", findet Dieter Lemme. Der Vahrholzer erinnert bei der Gelegenheit auch nur zu gern daran, dass der Weg, der auf Vahrholzer Seite nach wie vor unbefestigt ist, ja auf der, wesentlich längeren, Altmerslebener Seite mithilfe von Steuergeldern ausgebaut worden ist. 90 Prozent Fördermittel aus dem Flurneuordnungsprogramm flossen einst in die Maßnahme ein. Die restlichen zehn Prozent übernahm die aus Altmerslebener Flächen- eigentümern bestehende Teilnehmergemeinschaft, kurz TG.

"Gerade erst ist die Gewährleistungsfrist für den Weg abgelaufen."

Hans-Joachim Lüdecke, Vorsitzender der TG Altmersleben

Und deren Vorsitzender Hans-Joachim Lüdecke erklärt nun zu der Problematik: "Ich fühle mich in der Pflicht, dazu etwas zu sagen. Gerade erst ist nämlich die Gewährleistungsfrist für den Weg abgelaufen", der vor viereinhalb Jahren mit Betonspurbahnen befestigt worden sei. Das Amt für Landwirtschaft und Flurneuordnung (ALFF) habe von Anfang an deutlich gemacht, "dass es bei widriger Benutzung des Weges berechtigt ist, die gezahlten Fördermittel zurückzufordern. Das gilt für zwölf Jahre ab Baubeginn. Wir sind nun von dem ganzen Sachverhalt wider Willen betroffen", so Lüdecke. Er kann und will es nicht gut heißen, dass die Ränder des Weges langsam, aber sicher wegbrechen. "Alle fahren stur drauf los", statt die Ausweichtaschen zu nutzen. Und Lkw, besonders die voll beladenen Kieslaster, die dort schon gesichtet worden seien, hätten auf dem Weg erst recht nichts zu suchen. Insofern sei es richtig, wenn die Polizei dort stehe. Und schließlich habe schon vor Neubeschilderung ein Durchfahrtsverbot für motorisierte Fahrzeuge gegolten.

Die Polizei sei übrigens, sagt Sebastian Heutig, kommissarischer Leiter des Reviers Salzwedel, von niemandem, auch nicht von der Stadt Kalbe, der der Weg gehört, in die Spur geschickt worden. Wenn sie in besagtem Bereich präsent sei, "erfolgt dies im Rahmen der allgemeinen Verkehrskontrolle. Und die Schilder, die dort stehen", so Heutig, "haben ja nun einmal eine Bedeutung."

Sylke Blei, die täglich mit dem Rad von und zur Arbeit in Kalbe unterwegs ist, kann dennoch nicht nachvollziehen, warum nicht einmal Anwohner den ländlichen Weg nutzen dürfen. Für diese hätte es eine andere Lösung geben müssen, meint sie. "Es waren ja schließlich unsere Vorfahren, die einst diesen Weg geschaffen haben", betont auch Gerhard Gansewig.

"Behelfsbrücke hätte rund 200000 Euro Mehrkosten verursacht."

Cornelia Steinecke, amtierende Leiterin des Kreis-Bauamtes

Inzwischen dient der Weg allerdings "lediglich der Erschließung der angrenzenden Ackerflächen", wie Cornelia Steinecke unterstreicht. Als amtierende Bauamtsleiterin des Kreises weist sie auch darauf hin, dass sich "der Bau einer Behelfsbrücke in Anbetracht der örtlichen Gegebenheiten schwierig gestaltet und Mehrkosten in Höhe von rund 200000 Euro verursacht hätte."

Viele Vahrholzer und Bühner indes sagen unisono: "Wir fühlen uns hier wirklich bestraft", zumal es in einem ähnlich gelagerten Fall ganz in der Nähe ja schon einmal eine offizielle Umleitung über einen Weg gegeben hat, der auch mit Mitteln aus der Flurneuordnung hergerichtet worden ist. Als nämlich die Straße zwischen Butterhorst und Altmersleben erneuert wurde, da galt jener Betonpfad, der von Butterhorst auf die Chaussee zwischen Kalbe und Altmersleben führt, als offizielle Umleitungsstrecke. Nur war in diesem Fall eben nicht der Kreis der Träger der Baumaßnahme, sondern die TG Altmersleben selbst. Und deren Vorsitzender macht dazu klar, dass in Butterhort ja auch weniger Menschen und somit Fahrzeugführer wohnen würden als in Vahrholz und Bühne - und dass es dort keine Betriebe mit schwerem Gefährt gäbe.

Die unberechtigte Neubeschilderung am Weg zwischen Vahrholz und Altmersleben indes, sie war bis gestern Abend noch immer nicht verschwunden.