Sie waren angetreten, den Winter auszutreiben. So machen sie das in all den Jahren. Auch dieses Mal hatten die Männer des Männergesangsvereines Lindstedt und ihre Gäste dabei viel Spaß. Indes: Die Bärenleite war zumindest in diesem Punkt nicht erfolgreich: Am Abend begann es zu schneien.

Lindstedt. Kaltes Winterwetter und Sonnenschein – da muss man sich warm anziehen. Burk-hard Lucas hatte gleich drei Thermohemden unter seinem Anzug an. Lucas war schlau: Kein Wunder, stellte er doch mit Zigarre im Mund und Melone auf dem Kopf den Ganoven Egon Olsen dar.

Der hatte zwar seine beiden Kumpel nicht dabei, doch dafür tummelten sich am Sonnabend in Lindstedterhorst, Lotsche, Seethen, Algenstedt und Lind-stedt jede Menge merkwürdiger Gestalten auf der Straße. Überall dort wohnen Sänger des Chores, und dort hatten die Familien traditionsgemäß für die kunterbunte und lustige Sängertruppe Essen und Getränke bereitgestellt. Nur noch 16 Mitglieder hat der Männergesangsverein, doch zur Bärenleite gesellen sich gern weitere Teilnehmer hinzu, sodass der Umzug, angeführt von den Bismarker Blasmusikanten, etwa 40 Personen stark war.

Es geht um Spaß, auch ums Singen, und es geht ums Trinken, denn das gehört dazu. Unerfahrene, die allzu hastig beginnen, erleben oft das Ende der stundenlangen Veranstaltung nicht mehr. Nicht nur deshalb mahnte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Dieterich zum Beginn, nicht über die Strenge zu schlagen und vorbeifahrende Autos, deren Fahrer gern um eine kleine Spende gebeten werden, nur zu stoppen, wenn die es auch wollen.

"Heut‘ ist ein wunderschöner Tag", intonierten die Sänger unter Leitung von Wolfgang Preiß auf dem ersten Hof, dem von Erhard Wiese. Und weil dessen Frau Brigitte am Tag zuvor Geburtstag hatte, durfte sie sich auch noch ein Lied wünschen. Dass Preiß an diesem Tag Abstriche bei der Qualität hinnehmen musste, war ihm auch klar: "Hört doch mal auf zu quatschen", mahnte er seine Sänger vor Beginn des ersten Liedes.

<6>Stabführer Arno Otte, mit 78 Jahren der älteste Teilnehmer, sorgte mit Minitröte dafür, dass die Sänger nicht zu lange bei Essen und Trinken verweilten – es lagen ja noch weitere Stationen vor ihnen. Auch Willi Bade, der wieder seine Teufelsgeige dabei hatte, ist 78 – aber einige Tage jünger. Jüngstes Mitglied im Verein ist Stephan Mertens mit 31. Er trug den Korb, in dem die Sänger Eier und Speck sammelten.<7><8><9><10><11><12><13><14><15><16><17>