Allein unter Frauen: Das ist Andreas Gericke, wenn er die Übungsabende der Gymnastikgruppe des VfL Kalbe leitet. Eine Aufgabe, die er sich in 14-täglichem Rhythmus mit Annegret Richter teilt - und die dem 48-Jährigen, aber auch den Sportlerinnen, die er trainiert, sichtlich Spaß macht.

Kalbe. Alles hört auf sein Kommando. Und Andreas Gericke, den in Kalbe alle nur Ben nennen, kann sehr gut damit umgehen. Mit zackigem Unterton leitet er die Gymnastikfrauen des VfL bei ihren Übungsabenden an. Eine Aufgabe, die er im Wechsel mit Physiotherapeutin Annegret Richter wahrnimmt, seit die langjährige Trainerin Heike Roscher vor einigen Wochen die Turnschuhe endgültig an den Nagel gehängt hat.

In den 90er Jahren hatte die studierte Sportlehrerin das Training der Gymnastinnen übernommen, hatte sie jeden Dienstagabend zum Schwitzen gebracht. Mittlerweile ist Andreas Gericke dafür zuständig. Und auch ihm selbst rinnt der Schweiß über die Stirn. Denn es ist nicht ganz unanstrengend, rund 40 Frauen unterschiedlichen Alters anzuleiten.

Doch die Damen folgen den Anweisungen des 48-Jährigen, der sich zum Übungsleiter qualifiziert hat. Erfahrungen im Umgang mit Freizeitsportlern hat er allerdings auch während seiner beruflichen Tätigkeit schon zuhauf gesammelt. Denn der Kalbenser ist Schwimmmeister in der Altmarkoase Stendal und dort unter anderem für das Aquatraining zuständig. Aber auch aus jener Zeit, in der er noch im städtischen Freibad arbeitete, ist vielen Kalbensern seine Stimme bekannt. Die muss auch mal lauter sein, wenn in einer Sportstätte Ordnung herrschen soll. Das wissen auch die Frauen, die sich wöchentlich in der Turnhalle zur Gymnastik treffen. Sie sind froh, dass sich mit Andreas Gericke und Annegret Richter zwei neue Übungsleiter gefunden haben. "Sonst hätte es ein echtes Problem gegeben", so die VfL-Vorsitzende Christine Staschat, die selbst in der Gymnastikgruppe aktiv ist. Den Kontakt zu Andreas Gericke, den hat jedoch ein anderes Vorstandsmitglied des Vereins geknüpft: Diana Jung, die in unmittelbarer Nachbarschaft wohnt. "Sie hat ihn einfach gefragt, und Ben hat Ja gesagt", berichtet Christine Staschat lächelnd.

Für sie und ihre Mitstreiterinnen ist die wöchentliche Sportstunde mehr als eine Trainingseinheit. Sie ist ein Hort des Zusammenhalts und der Kommunikation. Auch wenn die Übungsleiter darauf achten, dass während der Gymnastik nicht zu viel geredet wird. Es gibt sogar den Moment der völligen Ruhe. Dann nämlich, wenn zum Schluss die CD mit der Entspannungsmusik eingelegt wird und der Übungsleiter mit leisen Worten zur Meditation anregt.

Hinterher wird es dafür umso lauter. Dann darf es sogar mal ein bisschen Sekt sein. So wie in dieser Woche, als der Frauentag gefeiert wurde. Für Andreas Gericke gab es allerdings eine Flasche Bier.

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