In Dannefeld waren gestern der Vorsitzende des Kreisseniorenrates, Günter Haase, und der CDU-Landtagsabgeordnete Uwe Harms zu Gast. Nachdem aus der SPD-Stadtratsfraktion der Vorschlag für einen Lift im Feuerwehrhaus als Alternative zum Umbau des Dorfgemeinschaftshauses gekommen war, wollen Harms und Haase den Treppenlift im Gardeleger Rathaus testen und sich darüber informieren, wie er sich bewährt habe.

Dannefeld. Der Streit um das Dannefelder Dorfgemeinschaftshaus geht in eine neue Runde, und der Kampfgeist der Dannefelder für ihr Dorfgemeinschaftshaus, das ein Zentrum des dörflichen Lebens werden soll, scheint ungebrochen. Gestern kamen der Vorsitzende des Seniorenrates des Altmarkkreises Salzwedel, Günter Haase, ebenso wie der wiedergewählte Landtagsabgeordnete Uwe Harms (CDU) nach Dannefeld. Und vor allem von Günter Haase erhielten die Dannefelder zustimmende Worte für all ihre Argumente, die für den Ausbau des Dorfgemeinschaftshauses sprechen, und gegen den Versammlungsraum der Feuerwehr, in dem zirka 40 bis 50 Personen Platz haben.

"Wir können ja mal den Kauf des ACZ-Geländes prüfen lassen"

Das Mitglied des Ortschaftsrates, Andreas Finger, auch Mitglied im Stadtrat, schimpfte erneut über die Berichterstattung der Volksstimme. "Ich habe den Eindruck, dass die Stadtverordneten durch die Berichterstattung beeinflusst werden sollen", sagte er. Auch Ortsbürgermeister Wilfried Kuhrs war verärgert - über falsche Zahlen aus dem Dannefelder Haushalt, die Kämmerer Maik Machalz herausgegeben habe. Verständnis habe Kuhrs dafür nicht. Aber er ist sich sicher: "Das ist doch ganz bewusst so gelaufen." Der Dannefelder Haushalt von 2010 sei gedeckt, betonte Kuhrs, das Defizit im Verwaltungshaus sei auch ohne das Geld aus dem Aktienverkauf - 110 000 Euro für den Umbau des Dorfgemeinschaftshauses - ausgeglichen worden.

Von einem Soll-Fehl-Betrag könne nur gesprochen werden, wenn der Haushalt nicht ausgeglichen werden könne, pflichtete Andreas Finger dem Ortsbürgermeister bei. Und: "Die Stadt musste den Verwaltungshaushalt im vergangenen Jahr auch ausgleichen. Mit über einer Million Euro aus dem Vermögenshaushalt", zog Finger den Vergleich. Und Finger ging noch weiter: Wenn die Stadt Beschlüsse aus Dannefeld aufheben wolle, könne der neue Stadtrat mit Beschlüssen des alten Stadtrates ja ebenso verfahren. "Wir können ja mal den Kauf des ACZ-Geländes prüfen lassen. Ob da alles seine Richtigkeit hatte...", ließ Finger den Satz unbeendet, bevor er die Argumente für einen ebenerdigen Raum in Dannefeld schilderte. Ein solcher Raum soll mit dem Umbau, den Gardelegens Bürgermeister Konrad Fuchs (SPD) aber vorerst gestoppt hatte, erzielt werden.

Finger ist der festen Überzeugung, wenn ein Mittelpunkt für die Dannefelder Dorfgemeinschaft geschaffen werde, "dann geht das nur ebenerdig". Denn Rentner und Mütter mit Kinderwagen könnten nicht ohne Weiteres die Treppe zum Versammlungsraum im Feuerwehrhaus bewältigen. Die Dannefelder Vereine hätten keine eigenen Räumlichkeiten, "und in Dannefeld ist wirklich immer was los", bekräftigte Finger. Hunnebrössel, Sportler, Weihnachtsmarkt und Drömlingsfest, Seniorennachmittage und Christenlehrestunden führte er als Beispiele an. Auch der Dannefelder Kindergarten könne das Dorfgemeinschaftshaus nutzen. Die Frauen des Dorfes wollten eine Gymnastikgruppe gründen, um sich fit zu halten, "dafür brauchen sie aber den Raum", sagte Finger. Nach Beerdigungen würden sich Trauergemeinschaften noch im Dorfgemeinschaftshaus zusammenfinden. Den älteren Leuten könne nicht zugemutet werden, erst die Treppen zum Feuerwehrsaal hinaufzusteigen.

"Wir fordern, dass sich die Stadt an die hanseatischen Grundsätze hält"

Uwe Harms schaltete sich schließlich in die Ausführungen Fingers ein. "Wollen wir nicht draußen in der Sonne weiterreden?", fragte er, da sei es wärmer, und vielleicht würden sich die aufgebrachten Dannefelder dann auch ein wenig beruhigen. Aber Finger fand die frischen Temperaturen im begonnenen Umbau gerade recht für die abgekühlte Stimmung, die inzwischen zwischen Dannefeld und der Stadt herrsche.

Erregt fuhr Finger fort, dass es im Feuerwehrhaus ja nicht einmal einen Fluchtweg gebe. "Wenn da mal was passiert - so schnell können die alten Leutchen doch gar nicht herunterkommen mit einem Treppenlift, auf dem vielleicht ein oder zwei Leute Platz haben", sagte er. Katastrophen seien da vorprogrammiert. Für größere Veranstaltungen würden außerdem die Luftverhältnisse im Versammlungsraum der Feuerwehr nicht gut genug sein. Der kleine Saal sei als Versammlungsraum ausgelegt, und dafür sei er gut: "Aber nicht als Dorfmittelpunkt. Das geht nicht."

"Unfassbar" findet Finger, dass Beschlüsse des Dannefelder Gemeinderates, die über zwei bis drei Jahre geplant worden seien - "abgesegnet durch die Verwaltungsgemeinschaft und die Aufsichtsbehörde" - aufgehoben werden sollen. Konrad Fuchs verstehe sich doch als Bürgermeister der Hansestadt Gardelegen, so Finger. "Und die Hanse, die Hanse bedeutet, Verträge sind einzuhalten", erklärte Finger aufgebracht. Und weiter: "Wir fordern, dass sich die Stadt an die hanseatischen Grundsätze hält." Gardeleger Baufirmen hätten Aufträge bekommen. Sie würden darauf warten, die Arbeiten fortzusetzen.

Annedore Grahn - Mitglied des Dannefelder Ortschaftsrates, des Gemeindekirchenrates und im Vorstand des Kindergartenvereines - stimmte Finger zu: "Es kann doch nicht alles auf der Strecke bleiben, nur weil der Kaiser wechselt." Dazu Finger: "Und den, den Bürgermeister, den haben wir leider nicht wählen dürfen. Er wurde uns vorgesetzt."

Grahn sagte, das Landleben müsse auch für junge Leute attraktiv bleiben. "Und es gibt sie ja, die jungen Leute, die sich in Dannefeld niederlassen und Familien gründen", sagte sie weiter. Außerdem würden die Dannefelder doch auch Steuern zahlen.

Dann meldete sich Wilfried Kuhrs wieder zu Wort. Die Kosten für die Unterhaltung des Dorfgemeinschaftshauses hätten in den vergangenen Jahren durchschnittlich zirka 1700 Euro betragen. Mit den höheren Grundsteuern, die seit der Eingemeindung für Dannefeld gelten, "obwohl es keinen Arzt, kein Geschäft, keine Busverbindung nach Gardelegen gibt", habe die Stadt durchschnittlich 50 Euro mehr je Gehöft eingenommen. "Das reicht, um die Folgekosten zu finanzieren", befand Kuhrs.

"Wenn man uns das nimmt, sägt man uns die Beine unterm Hintern ab"

Wolfgang Hensel, Mitglied im Kreisseniorenrat, schlug gar vor, die Folgekosten zu finanzieren, indem Fuchs auf seine vierstellige Gehaltserhöhung verzichte, die er mit der Gebietsreform bekommen habe. Wenn das Beamtengesetz das nicht zuließe, könne er es ja spenden. Dazu Harms: "Wer das Geld nimmt, der muss auch die Pflichten erfüllen."

Ein Rentner aus Dannefeld, Wolfgang Hartung, wertete, "das hat es schon im Mittelalter gegeben, dass Dörfer ausgehungert wurden". Er ist überzeugt: "Wenn man uns das nimmt, dann sägt man uns die Beine unter dem Hintern weg, und dagegen wehren wir uns." Der vorgeschlagene Treppenlift "ist ein Witz", kritisierte Hartung.

Von Uwe Harms und Günter Haase kam der Vorschlag, sich einmal im Gardeleger Rathaus zu treffen, wo es bereits einen Treppenlift gibt. Der könne dann ausprobiert werden. Und vor Ort könnten sich die beiden dann darüber informieren, wie sich dieser bewährt habe.

Die Tragik bestehe darin, dass sich alles in den Städten konzentriere, sagte Haase. Manche Ortschaft werde es in 20 Jahren nicht mehr geben, malte er ein düsteres Zukunftsbild. Deshalb sei es wichtig, vor Ort Institutionen zu haben, vor allem auch "für Oma und Opa, die in Familien immer mit einspringen müssen". Da habe man "eine hohe moralische Verpflichtung, sich intensiv mit der Thematik zu beschäftigen". Haases Ansicht nach gehört der Ausbau des Dorfgemeinschaftshauses "zur Daseinsfürsorge".

"Prüfstein für die Zusasmmenarbeit der Stadt mit den Dörfern"

Harms befürwortete die öffentliche Diskussion, die um das Dannefelder Dorfgemeinschaftshaus geführt werde: "Man kann sie als Prüfstein für die Zusammenarbeit der Stadt mit den Dörfern nehmen.".

Die Kommunalaufsicht haben die Dannefelder bereits eingeschaltet. Und Andreas Finger kündigte gestern an, dass sich die Dannefelder auch an den Petitionsausschuss des Landes Sachsen-Anhalt wenden werden.

Und wenn es auch dort keine Erfolge gebe, werden die Dannefelder das Thema bundesweit bekanntmachen, kündigte Ortsbürgermeister Kuhrs an.

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