Breitenfeld. Da standen dem Mann mit der harten Schale die Tränen der Rührung in den Augen, als er von altgedienten Kameraden und langjährigen Weggefährten, wie Eckhard Brühl, Manfred Schramm oder Toni Wünsch, die Glückwünsche zu seinem runden Geburtstag entgegennahm: Ingo Kaufhold, zahlreichen Menschen bekannt als Vorsitzender des Gardeleger Kreisfeuerwehrverbandes, feierte am Mittwoch seinen 60. Geburtstag. Beim abendlichen Empfang in seinem Heimatdorf Breitenfeld nahm die Schlange der Kameraden, die ihrem Verbandschef gratulieren wollten, kein Ende. Gut 80 Feuerwehrleute aus dem Verbandsgebiet waren gekommen, um Ingo Kaufhold die besten Wünsche zu übermitteln. Dazu Kollegen, Freunde, Bekannte und natürlich seine Familie.

Die Breitenfelder Feuerwehr ließ einer alten Tradition gemäß eine Löschwasserfontäne auf Kaufholds Wohnhaus niederregnen. Und als der Miester Feuerwehrmusikzug "Zum Geburtstag viel Glück" intonierte, wischte sich Kaufhold erneut verstohlen die Tränen aus dem Gesicht. Ein gestandener Mann, den die meisten ganz anders kennen: als harten, aber immer sachlichen Kämpfer für die Sache, für die Kameraden, als unerbittlichen Fachmann in Sachen Brandschutz und als einen Redner mit stets feurigen Redebeiträgen bei offiziellen Anlässen. "Heute halte ich aber keine Rede", sagte Kaufhold am Mittwochabend.

Geboren wurde Ingo Kaufhold am 23. März 1951 in Klietz. Dort verbrachte er seine Kindheit und Jugend, besuchte die Schule, die er mit der zehnten Klasse abschloss. Es folgte eine Ausbildung zum Landmaschinen- und Traktorenschlosser im LIW-Gardelegen. In dieser Zeit, genauer gesagt im Jahre 1968, lernte Ingo Kaufhold auch seine spätere Ehefrau Irene kennen. Sie absolvierte im LIW eine Lehrausbildung mit Abitur. "Sie hat mir gegenüber gewohnt", erzählte Kaufhold. Die Liebe führte das Paar schließlich am 29. November 1969 zum Traualter. Zur Familie gehören heute zwei Töchter und zwei Enkelkinder sowie der Labrador Carlo.

Nach der Berufsausbildung ging Kaufhold für drei Jahre zur Armee. Zurück in Gardelegen arbeitete er zunächst in seinem Beruf als Schlosser beim ACZ. 1977 wechselte er über das Volkspolizeikreisamt zur Berufsfeuerwehr. Und wieder drückte Kaufhold die Schulbank, absolvierte eine Feuerwehrgrundausbildung in Hoyerswerda und danach ein dreijähriges Direktstudium in Heyrothsberge, das er 1981 abschloss. Danach war er als Instrukteur für die mehr als 50 Feuerwehren im Altkreis Gardelegen zuständig. 1984 wechselte Kaufhold in den Rat des Kreises als Abteilungsleiter Feuerwehr und wurde zugleich Leiter der Gardeleger Wehr. Dieses Amt übte Kaufhold bis zur Wende aus. Nach der politischen Wende wurde er in die Kreisverwaltung übernommen. Sein Aufgabengebiet: der Aufbau des Hauptsachgebietes Brand- und Katastrophenschutz und Rettungswesen. "Das war eine richtig schöne, aufregende und aktive Zeit gewesen. Wir haben einen komplett neuen Zweig aufgebaut. Und wir waren ein tolles Team", erinnerte sich Kaufhold an die Nachwendejahre, die so ganz anders waren, als zu DDR-Zeiten. "Wir konnten unseren Ideen freien Lauf lassen, mussten nicht über alles Rechenschaft ablegen und in erster Linie den Parteifaden durchsetzen. Das war eine aufregende Zeit", erzählte Kaufhold. Nach der Gebietsreform 1994 wechselte Kaufhold nach Salzwedel. Am 1. Januar 1999 übernahm er die Leitung des kreislichen Asylbewerberwohnheimes in Gardelegen, dann in Salzwedel. Dort ist er noch heute tätig.

Den Kameraden im Landkreis Gardelegen ist Ingo Kaufhold aber mehr als Kreisbrandmeister und einer der Köpfe des Gardeleger Kreisfeuerwehrverbandes bekannt. Er gehörte im Juni 1990 zu den Mitbegründern des Verbandes, war stellvertretender Verbandsvorsitzender, und seit dem Tod des langjähriges Vorsitzenden Klaus Albrecht leitet er den Verband. Neben Beruf und Familie war es vor allem die Feuerwehr, die sein Leben prägte. "Mich begeistern Menschen, die nicht nur beruflich mitten im Leben stehen, sondern die sich auch noch ehrenamtlich engagieren. Wobei die Feuerwehr kein Hobby ist und kein Spaß", betonte Kaufhold. Feuerwehrleute seien Menschen, die im Ernstfall für andere Menschen Leib und Leben riskierten.

Beruflich beginnt am 1. April für Kaufhold die Altersteilzeit. 2013 wird er in Rente gehen.

Zu seinen Hobbys gehört die tägliche Radtour mit Labrador Carlo und die Arbeit in Haus, Hof und Garten. Was ärgert einen Mann wie Ingo Kaufhold? "Wenn die Menschen nicht miteinander, sondern überein-ander reden." Freude dagegen empfindet Kaufhold, wenn Wünsche in Erfüllung gehen, wenn die Sonne nicht nur von oben wärmt, sondern wenn auch die Menschen innere Wärme ausstrahlen.

Geburtstagswünsche hatte Kaufhold keine. "Ich wünsche mir nur Gesundheit, damit ich noch lange mit meiner Familie, Freunden und Bekannten was unternehmen kann", sagte Kaufhold. Allerdings bekam er auch ohne Wünsche am Mittwoch viele Präsente. Seine Töchter beispielsweise schenkten eine Reise nach Hamburg mit Wellness und Besuch des Musicals Sister Act.

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