Im Sommer könnte das Kapitel Kohlendioxid-Verpressung in das altmärkische Erdgasfeld enden - ohne Praxistest. Und zeitgleich mit dem Ende des Forschungsverbundes, der extra dafür vor drei Jahren gegründet und mit 15,6 Millionen Euro vom Bundesforschungsministerium ausgestattet wurde. Das war am Montag am Rande der dritten CCS-Konferenz in Berlin zu erfahren.

Von Holger Thiel

Berlin/Salzwedel. "Es ist nicht vorgesehen, die Forschung fortzusetzen. Auch das Ministerium sieht dafür derzeit kein Interesse", erklärte Dr. Michael Kühn vom GeoForschungsZentrum Potsdam und Projektkoordinator am Montag in Berlin. Auch deshalb spielte wohl das altmärkische Pilotprojekt, neben Ketzin in Brandenburg bundesweit das zweite, keine Rolle während des CCS-Kongresses. Seit Anfang 2009 ist die Verpressungsanlage zwischen Mahlsdorf und Maxdorf betriebsbereit. Doch bislang fehlt dafür die Genehmigung vom Land. Sachsen-Anhalt wartet dafür auf ein entsprechendes Bundesgesetz.

Bis zu 100 000 Tonnen Kohlendioxid aus einem Pilot-Braunkohlekraftwerk in der Lausitz sollten in das Erdgasfeld bei Mahlsdorf über 3000 Meter tief in den Untergrund gedrückt werden. Der Betreiber des altmärkischen Erdgasfeldes, GDF Suez, wollte testen, ob mit CO2 die Erdgasausbeute erhöht werden kann. Projektpartner Vattenfall wiederum wollte erstmalig in Deutschland die gesamte CCS-Kette (Kohlendioxid aus Rauchgas abscheiden, transportieren und unterirdisch verpressen - carbon capture and storage) abbilden.

Proteste vor dem Café Moskau

Eine Technologie, die für die einen eine Brücke in die Zukunft erneuerbarer Energien darstellt, für andere hingegen das Festhalten an überholter Energietechnik ist. CCS ist derzeit in Deutschland ausgebremst. Das wurde während des Kongresses, der erstmalig die Akzeptanzfrage von CCS in den Mittelpunkt stellte, deutlich. Vor dem Veranstaltungsort Café Moskau protestierten Bürgerinitiativen aus dem Oderbruch gemeinsam mit Greenpeace und der Umweltschutzorganisation BUND gegen die Pläne von Vattenfall, CO2 in den brandenburgischen Boden zu versenken. Drinnen stellte unter anderem Klaus von Trotha, Vorstandsvorsitzender des Kongressveranstalters, das Informationszentrum für CO2-Technologien, fest, dass der Entwurf eines CCS-Demonstrationsanlagen-Gesetzes noch immer "im Räderwerk der Bundesregierung leerläuft". Günther Oettinger, EU-Kommissar für Energie, wurde da am Montag noch deutlicher: Sollte die Bundesregierung die EU-Richtlinie zu CCS nicht bis zum 25. Juni 2011 in nationales Recht umsetzen, drohe ein EU-Strafverfahren. Noch dazu würde dann die Bundesregierung EU-Fördermittel in dreistelliger Millionenhöhe für ein CCS-Demonstrationskraftwerk von Vattenfall bei Jänschwalde gefährden. "Brandenburg hat es verdient, dass CCS als Modell erprobt wird", erklärte der Christdemokrat. Jochen Ho- mann, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, konnte keine schlüssige Antwort geben, wann das Gesetz vorliegt. Am Text werde noch immer gefeilt. Schleswig-Holstein ist das Problem. Es fordert, dass die Bundesländer selber entschieden, ob bei ihnen CCS zur Anwendung kommt. Das würde das Aushebeln des Bundesgesetzes bedeuten.

Ohne Zuspruch der Bevölkerung kein CCS

Ein politischer Streit innerhalb der CDU, den die Energieversorger aufmerksam beobachten. Vattenfall bremst bereits. Die geologischen Erkundungsarbeiten bei Beeskow und Neutrebbin haben trotz Genehmigung noch nicht begonnen. Die Bestellungen für die Technik des rund 1,5 Milliarden Euro teuren Kraftwerkes, das bereits 2015/2016 ans Netz gehen soll, werden nicht ausgelöst. "Die finale Kraftwerksentscheidung steht noch aus", betonte Hubertus Altmann, Vorstandsmitglied von Vattenfall. Er machte aber auch deutlich, dass es ohne Akzeptanz in der Bevölkerung kein CCS geben werde. "Die Akzeptanz ist die Achillesferse."

Da hat der Energieversorger ein dickes Brett zu bohren. Wie der Beeskower Bürgermeister Frank Steffen am Montag deutlich machte, gibt es im Oderbruch einen breiten Widerstand der bürgerlichen Mitte gegen CCS. Das erinnert an die Altmark. Nicht nur der Kreistag, sondern auch die Stadträte von Salzwedel, Arendsee und Kalbe/Milde sowie fast 90 Prozent aller altmärkischen Ärzte haben sich gegen das hiesige Pilotprojekt ausgesprochen.

Völlig vom Tisch ist es indes nicht. Im neuen Landesentwicklungplan ist festgeschrieben, das Erdgasfeld als potenziellen Speicher zu bewahren. Doch was soll in dem Erdgasfeld, das sich auf rund 1000 Quadratkilometern erstreckt, unterirdisch gespeichert werden? Eine schlüssige Antwort auf diese Frage, die die Bürgerinitiative "Kein CO2-Endlager Altmark" immer wieder stellte, gab es bislang nicht.