Die Kalbenser Kreuztannen sind ein Hort der Erholung. Noch. Denn die Stadt kümmert sich nicht mehr um die Bewirtschaftung der Anlage, seit diese der Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH, kurz BVVG, zugeordnet worden ist. Doch es regt sich Widerstand gegen diese Entscheidung. Zumal die Kreuztannen einst mit öffentlichen Geldern aufwändig hergerichtet worden sind.

Kalbe. Der Frühling lässt die Knospen knallen. Überall grünt und blüht es. Auch in den Kalbenser Kreuztannen. Allerdings sorgt die üppige Vegetation dort für ein eher unordentlichens Bild. Denn der Parkanlage ist deutlich anzusehen, dass sich zurzeit niemand so recht um sie kümmert.

Im vergangenen Jahr hatte der Stadtrat entschieden, die Kreuztannen aus dem kommunalen Grünpflegeprogramm herauszunehmen. Der Grund: Die Anlage war zuvor der BVVG zugeordnet worden. Und diese hatte dann auch Forstmitarbeiter nach Kalbe geschickt, die dort eine umfangreiche Baumfällaktion gestartet hatten. Bis heute liegen die Überreste dieser Maßnahme in der Anlage verstreut. Mittlerweile sind auch nicht mehr alle Wege in den Kreuztannen passierbar. Der jüngste Sturm hat einen Baum umgepustet. Der versperrt den Spaziergängern seit rund zwei Wochen den Weg.

Dies und der zunehmende Verfall der Anlage veranlasste eine Kalbenserin während der Einwohnerfragestunde der jüngsten Stadtratssitzung, einen eindringlichen Appell an die Stadtratsmitglieder zu richten. Sie bat darum, über einen Nutzungsvertrag für die Kreuztannen nachzudenken, zumal dieser von der BVVG auch angeboten worden sei. Darüber hatte Bürgermeister Karsten Ruth bereits im vergangenen Jahr informiert. Damals hatte sich der Stadtrat jedoch entschieden, auf einen solchen Vertrag zu verzichten. Die Kreuztannen befänden sich im Außenbereich. Zudem sei die Kommune schon jetzt personell und finanziell mit ihren Grünanlagen überfordert. So war die Ablehnung des Nutzungsvertrages damals begründet worden.

Die Bürgerin erinnerte die Stadträte nun allerdings daran, dass der Kreuztannenpark in den 1990er Jahren im Zuge von groß angelegten Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen mit hunderttausenden D-Mark an Steuergeldern hergerichtet worden sei und dass die Anlage nun nicht einfach einem privaten Käufer überlassen werden dürfe. Denn die BVVG, so die Kalbenserin, habe nun einmal den gesetzlichen Auftrag, die ihr zugeordneten, ehemals volkseigenen Flächen gewinnbringend zu vermarkten. Es stehe zu befürchten, dass der Park vielleicht irgendwann nicht mehr frei zugänglich sei, weil ein neuer Besitzer ihn berechtigterweise gesperrt habe. Dabei seien die Kreuztannen für den Tourismus im staatlich anerkannten Erhoholungsort Kalbe von enormer Bedeutung. Nach wie vor werde die Grünanlage täglich von Spaziergängern, Nordic Walkern oder Joggern genutzt, so die Kalbenserin, die als Anwohnerin weiß, wovon sie da spricht.

Sie forderte den Stadtrat auf, sich im Zuge eines Ortstermines ein Bild von den Kreuztannen zu machen. Denn das Gros der Stadträte stamme nicht aus Kalbe, sondern aus umliegenden Dörfern und wisse daher wahrscheinlich auch nicht, um welche Anlage es sich genau handele und vor allem, wie sie derzeit aussehe.

Der Stadtratsvorsitzende Gerhard Gansewig nahm den Vorschlag auf und sicherte zu, dass das Thema im Auge behalten werde.

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