Sogar das Drehbuch hatten sie selbst geschrieben, die Songs allein zusammengestellt: Der Musikkurs der Zehntklässler führte im Gardeleger Gymnasium gestern Romeo und Julia auf. Mit ganz viel Mut, noch mehr musikalischem Talent und einer Begeisterung, die alle Besucher ansteckte. So schön kann Klassik sein.

Gardelegen. Eine Frau liegt in den Wehen. Zu sehen ist nichts, nur ihr Stöhnen ist zu hören. Schließlich schreit ein Baby. "Es ist ein Romeo", sagt eine Stimme hinter dem Bühnenvorhang.

Doch als der sich zum ersten Mal öffnet, ist Romeo schon ein strammer 16-Jähriger, auch wenn Thorben Kraus, er spielt die Hauptrolle im Stück, symbolisch in einem Weidenkörbchen liegt. "Oh happy Day" singen die Schüler, Camilla Metelka übernimmt gekonnt den Solopart in dem Gospelsong. Einfach toll klingt das.

Und genau so musikalisch demonstrieren die jungen Leute weiter, wie Romeo heranwächst. In der nächsten Szene kann er - begleitet vom Song "Lollipopp" - einen solchen schon halten. Kurz darauf kommt er sogar schon zur Schule.

Doch ganz so brav ist der Schüler Romeo dort nicht. Er ist eben ein Teenager. Und so trifft er seine große Liebe - "Sie heißt Julia Emanuela" - logischerweise auch in einem Konzert. In diesem Fall eines von Tokio Hotel. Paul Smorodinzeff singt "Durch den Monsun" und bekommt prompt Szenenapplaus vom schwer begeisterten Publikum in der Aula.

Die ersten zarten Bande zwischen Romeo und Julia Emanuela (Mergime Hoti) begeistern Romeos Kumpels indes weniger. "Lass die Finger von Emanuela", raten sie ihm. Eine Meinung, der sich auch Romeos Eltern (Simon Theusner und Maxi Helmecke) anschließen. Doch Romeo will nicht hören. So schicken sie seiner ungeliebten Freundin einen fingierten Brief. Und damit beginnt das Drama, das bei den Schülern des Musikkurses gestern allerdings nicht in einem doppelten Selbstmord, sondern "nur" in einem Komabesäufnis endet, nach dem Romeo im Krankenhaus aufwacht und dort schließlich doch noch von seiner Julia in den Arm genommen wird.

Bevor allerdings zum großen Finale mit "We are the world" der letzte Song erklingt, erleben die Jungs und Mädchen der neunten Klassen, die gestern als Zuschauer dabei sein dürfen, noch viele weitere - vom HipHop bis zur Pop-Ballade, vom sanften Xavier-Naidoo-Hit "Wenn ein Lied deine Lippen verlässt", den Sophia von Baehr singt, über ein wunderschönes Quartett, das Charlotte Grabert, Miriam Heckert, Camilla Metelka und Eljesa Haxhiu gemeinsam einstudiert haben, bis hin zum provozierenden Kassierer-Song "Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist", mit dem Felix Nahrstedt, Clemens Paul Berlin und Manuel Weiß, von Paul Smorodinzeff an der Gitarre begleitet, den verzweifelten Romeo trösten wollen.

Am Ende dann gibt es für die Zehntklässler auf der Bühne ganz viel Applaus und von Musiklehrerin Andrea Jürges ein dickes Kompliment hinter dem Bühnenvorhang: "Ihr seid der musikalischste Musikkurs, den ich seit Jahren hatte", sagt sie. Und sieht dabei mindestens so stolz aus wie ihre Schüler.

Bilder