Der morgendliche Blick aus dem Fenster zeigt "grau in grau" - kein Wetter, das nach draußen lockt. Wer würde da überhaupt kommen zur Wanderung nach Güsen? Und dann standen da etwa 100 gut gelaunte Leute an der Jagdhütte, die sich fröhlich schwatzend auf die Runde durch Wald und Wiesen machten.

Güsen l "Es regnet doch nicht! Wir hatten schon schlechteres Wetter", lauteten einige Kommentare auf die Frage, was die Leute denn bewegt habe, das Haus überhaupt zu verlassen. Wanderfreunde kennen eben kein schlechtes Wetter. Denn geeignete Kleidung haben sie sowieso.

Erfreut über die Resonanz waren natürlich die Organisatoren vom Verein der Natur- und Waldfreunde Güsen. Vorsitzender Hans-Werner Tusch und sein Stellvertreter Günter Helling übernahmen die Führung auf der Strecke, die zunächst Richtung "Bude 100" führte und dort über die Bahnlinie Berlin-Magdeburg, weiter durch den Wald zum Grenzgraben, dann ein Stück an diesem entlang und schließlich im Bogen zum Güsener Bahnhof.

Auf ähnlichen Wegen führte die Tour freilich auch schon in den Vorjahren entlang, trotzdem ist es immer wieder schön hier, und immer wieder gibt es auch Neues zu entdecken und zu erfahren. Auf großen Flächen Landeswald sind erst vor kurzem Neupflanzungen erfolgt, an anderen Stellen ist dagegen zu sehen, dass Bäume krank sind und absterben. Viele große Eichen sind so schon verschwunden, aber ganz problematisch steht es auch um die Eschen hier, zeigte Hans-Werner Tusch den Wanderfreunden unterwegs.

Ein Rastplatz war an der Grenzgrabenbrücke eingerichtet worden, wo sich die Wanderer am Lagerfeuer und von innen mit Glühwein aufwärmen konnten. Familie Hämmerling war mit dem Verpfegungsstand vom Gasthof "Zur Eisenbahn" hierher gekommen. Viele Teilnehmer blieben dann später noch dort zum Mittagessen.

Bevor es weiter ging, nahm Hans-Werner Tusch sein Megafon zur Hand, um noch einiges über die Region zu berichten. "Wir befinden uns hier am Grenzgraben, der die Gemarkungen Güsen und Hohenseeden abgrenzt", erläuterte er. Es sei ein relativ wichtiger Graben, da er eine große Fläche entwässere. Er komme als "Mittelgraben" aus der Gemarkung Rietzel-Stresow, heiße dann "Lehmkuhlengraben" und münde schließlich in den Parchener Bach, der dann in den Elbe-Havel-Kanal fließt. Etwa 18 Kilometer lang sei der Graben, entspringe bei 45,7 Meter über NN, habe hier am Rastplatz etwa 36 Meter und münde bei 32,1 Meter über NN. Die Fließgeschwindigkeit sei mit 10 bis 20 Zentimeter pro Sekunde deshalb recht groß.

Die Niederung, in der sich die Wanderer hier befanden, habe etwa die gleiche Höhe wieder Fiener, sagte Tusch. Insgesamt seien die Höhenunterschiede im ganzen Gebiet gering, was natürlich bei einem Deichbruch Auswirkungen hätte. "Es würde ab sehr lange dauern, bis hier Wasser ansteht", erklärte er. Entstanden sei diese Landschaft vor über 20 000 Jahren in der Weichsel-Eiszeit.

Probleme gebe es hier auch mit Bibern: Wenn diese den Graben anstauen, führe das recht schnell zum Verdruss bei den Landwirten, weil die Flächen vernässen. Das sei auch passiert, als Anfang der 90er Jahre Sohlgleiten in den Graben eingebaut wurden, deshalb ist ein Teil der Steine wieder herausgenommen worden. Obwohl dadurch das Aufsteigen der Fische behindert werde, sei der Graben relativ fischreich.

Osterfest und Waldfest

Die nächste Veranstaltung der Güsener Waldfreunde wird das Osterfest an der Jagdhütte sein. Es findet am Donnerstag, 17. April, ab 17.30 Uhr statt. Wegen des deutlich späteren Termins als im Vorjahr rechnen die Waldfreunde diesmal mit milderem Wetter. Denn voriges Jahr war das Fest wegen des anhaltenden Winters abgesagt worden.

Dieses Jahr wird es auch wieder ein Waldfest rund um die Jagdhütte geben. Das findet alle zwei Jahre Anfang September statt. Termin ist Sonnabend, 6. September, ab 10 Uhr.

 

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