Eine Traumkulisse mit Eis, Schnee und Sonnenschein wurde Teilnehmern und Gästen beim 28. Ferchländer Eisbaden beschert. Und trotz klirrender Kälte wurde es ein rundum gelungene Veranstaltung. Nun wird schon auf das nächste Jubiläum, das "30." Winterschwimmertreffen hier am Feuerlöschteich, zugesteuert.

Ferchland l "Die Karten habe ich dieses Jahr total vergeigt", übte Henry Stielau scherzhaft Selbstkritik. Denn auf den Erinnerungskarten für die Teilnehmer, die jedes Jahr neu und möglichst witzig gestaltet werden, steht diesmal ein Eisbär vor Palmen. Wäre das Wetter so geblieben wie in den ersten Wochen des Jahres, hätte es ja fast gepasst. Jetzt aber waren es sogar am Tage gute zehn Grad Frost - harte Bedingungen vor allem für die Zuschauer ...

Das hieß aber auch, dass das am Vortag freigehackte Eisloch Sonnabend früh schon wieder zugefroren war. Die Taucher der DLRG-Gruppe Tangermünde, die jedes Jahr hier eine Übung absolvieren, mussten das Loch also erstmal wieder frei machen. Und bis zum Nachmittag hatte sich schon wieder eine Eisschicht gebildet.

Dann aber hatte der Frost keine Chance mehr: Pünktlich ab 14 Uhr war das Wasser so in Bewegung, dass nichts mehr zufrieren konnte. Die Eisbader lachten mit der Sonne um die Wette und steckten das Publikum an - die Stimmung war einfach super. Keine Frage, dass Moderator Gerhard Fabian mit flotten Sprüchen erneut viel dazu beigetragen hat. Gleich zu Anfang stellte er eines klar: Er werde dieses Jahr nicht mit ins Wasser gehen! 2013 hatte es sich mal überreden lassen.

Unter den 170 Teilnehmern aus 24 Gruppen waren viele, die Jahr für Jahr mit nach Ferchland kommen, einige mit Anfahrtswegen bis zu etwa 300 Kilometern. Mit zu den ältesten und "ganz harten" Teilnehmern gehört die inzwischen 75-jährige Dr. Ingrid Lohrs aus Ludwigsfelde, nach wie vor "Einzelkämpferin". Älteste Teilnehmerin war diesmal die sogar schon 82 Jahre alte Ursel Moskau von den "Plauener Eisspitzen".

Diesmal war auch der Nachwuchs gut vertreten: Drei Kinder zwischen neun und elf Jahren gingen mit ins Wasser. Die jüngste war Thurid Stielau von den Gastgebern, den "Ferchländer Schwänen". Sie war auch vorher schon des öfteren im kalten Wasser, nur nicht bei den großen Veranstaltungen. Diesmal aber hatte sie ein klares Ziel: Sie wollte mit zur Abendveranstaltung der Winterschwimmer. "Da darf nur hin, wer auch mit ins Wasser geht", hatten ihre Eltern Berit und Henry Stielau das bisher abgeblockt. Diesmal hatten sie sich verrechnet ...

Zum allerersten Mal beim Winterbaden dabei war der elfjährige Moritz Tischer aus Kader Schleuse. Am meisten freute sich darüber sein Nachbar Hartmut Nothe, der "Verrückteste" unter den "Frosty Koalas" , und er nahm Moritz beim Baden unter seine Fittiche und machte ihm Mut - mit dem Ergebnis, dass der Nachwuchs-"Koala" am Ende der einzige von 170 Winterbadern an diesem Tag war, der komplett untertauchte!

Die "Ferchländer Schwäne" hatten diesmal zwei Gäste in ihrer Gruppe: Marko Friedrich aus Parey war bereits zum dritten Mal hier mit dabei. Kathrin Jessing aus Rathenow geht zwar schon länger im Winter baden, war aber zum ersten Mal hier in Ferchland.

Zwischen den vielen fantasievollen Kostümen der absolute Hingucker schon beim Umzug waren noch mehr als in den Vorjahren die "Bielefelder Eisvögel", insbesondere Marco und Sylvia in ihren prächtigen Schwanenkostümen. Mit dem riesigen Schwanenschmuck ging Marco diesmal aber nicht ganz ins Wasser, während Sylvia ihr Kostüm nicht schonte. Grund für Marco sei aber weder Angst vorm eisigen Wasser noch Angst ums Kostüm gewesen, betont Sylvia, sondern nur die Tatsache, dass der prächtige "Schwan" schon im trockenen Zustand zwölf Kilo wog! Voll Wasser gesaugt, wäre die Last für Marco nicht mehr zu stemmen gewesen.

Schon seit einigen Jahren kommen die Bielefelder mit wunderschönen Kostümen. Vieles davon war selbst gemacht - der große Schwan diesmal nicht ganz. "Es gibt in Bielefeld eine Samba-Schule, die auch bei Faschingsumzügen mitmacht", erzählt Sylvia. "Da haben wir das Schwanenkostüm gesehen und ausgeborgt." Allerdings ist noch einiges ergänzt worden, und das zweite Kostüm ist komplett selbstgefertigt. Wer denn so gut nähen kann? "Das macht Marco!" betont seine Partnerin. Er sei von Beruf zwar Elektriker, habe aber von seiner Mutter nähen gelernt. "Wir haben einen tollen Stoffladen in Bielefeld, da gibt es richtig schöne Sachen."

Marco und Sylvia sind jetzt seit vier Jahren ein Paar. Sie kennen sich schon länger, und bei einem Winterbadertreffen auf Hiddensee hat es dann gefunkt. Sie ist schließlich von Stralsund zu ihm nach Bielefeld gezogen.

Hiddensee, ja, diese Treffen seien etwas ganz Besonderes. "Es sind bestimmt schon zehn Paare, die auf Hiddensee zusammen gekommen seien, schätzt Sylvia. "Mindestens!" ergänzen andere Eisbader und schauen sich um im Saal des Elbehauses, wo sich viele der Teilnehmer nach dem Baden wie immer zum Kaffeetrinken getroffen haben. Und wie viele Paare hier im Saal überhaupt durchs Eisbaden zusammenkamen? "Oh, sehr viele!" Wer braucht da noch eine Kontakt-Agentur, wenn es Eisbadertreffen gibt?

Durch die guten Kontakte von Gruppe zu Gruppe passiert es dann auch, dass mancher sich einer Gruppe anschließt, die weit weg von seinem Heimatort ansässig ist - einfach, weil man sich gut versteht und gern auch zusammen feiert. Die "Bielefelder Eisvögel" sind auch dafür ein Beispiel. "Wir haben 13 Mitglieder, aber nur vier sind aus Bielefeld, darunter zwei ehemalige Neubrandenburger." Heiner, der mit in Ferchland war, kommt aus der Nähe von Bielefeld, weitere Mitglieder aus Berlin und Riesa. "Wir sind fast alles junge Leute", erklärt sie. Bei manchen Gruppen ist das Durchschnittsalter deutlich höher.

Fürs nächste Jahr haben die Bielefelder auch schon eine Kostüm-Idee, sagt Sylvia, "...wird aber noch nicht verraten! Dann kommen auch ein paar mehr mit."

Bleibt noch zu betonen, dass auch die Organisation "drumherum" wieder vorzüglich geklappt hat. Wenn sich auch Otto Schmidt, Vorsitzender des Ferchländer Angelvereins, wie immer im Hintergrund hielt, so hatten er und seine Mitstreiter doch wieder alles im Griff. Viele Ferchländer halfen beim Einlass, als Einweiser, als Kuchenbäcker für die Eisbader (18 Bleche wurden gebacken!). Kameraden der Feuerwehr waren dabei und Mitglieder anderer Vereine. Der Heimatverein hatte an seinem Stand viel zu tun. Erbsensuppe aus der Gulaschkanone, Glühwein, Grillwurst und frischen Waffeln waren unter anderem im Angebot, und auch etliche weitere verpflegungsstände hatten guten Zulauf.

Sehr lange hielten es freilich die meisten Gäste nicht aus - irgendwann half auch kein Glühwein mehr gegen die Kälte, wenn man lange stillstand.

Übrigens: Der Termin fürs 29. Ferchländer Eisbaden steht bereits fest, teilte Henry Stielau mit: Es ist der 31. Januar 2015.

   

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