Heute vor 100 Jahren ist der "Kaninchenzuchtverein für Jerichow und Umgebung" gegründet worden. Eine wechselvolle Geschichte hat der Verein, der heute "Rassekaninchenzuchtverein G 142 Jerichow" heißt, überstanden. Mit nur noch elf Mitgliedern sieht die Zukunft allerdings gar nicht rosig aus.

Jerichow l Es ist nicht der erste Tiefpunkt in der langen Vereinsgeschichte, und so hat Reinhard Meyer, der seit fast zwei Jahrzehnten Vorsitzender ist und überdies einige Jahrzehnte Zuchtrichter war, noch ein bisschen Hoffnung, dass das 100-jährige Bestehen nicht auch das Ende sein muss. Gefeiert werden soll auf jeden Fall, allerdings erst einen Monat später - am Sonnabend, 22. März. Dann wird es um 10 Uhr einen Empfang geben in der Gaststätte Lucke. Unter anderem sind dazu Vertreter von Kleintierzuchtvereinen aus der Umgebung eingeladen, insbesondere aus dem Altkreis Genthin.

Die Gründungsveranstaltung vor 100 Jahren hat im damaligen "Beholzschen Lokal", heute Pension am Kloster, stattgefunden, steht in der Chronik. Waldemar Mattmann ist damals zum Vorsitzenden gewählt worden.

Schon kurz nach der Gründung wurde es bereits wieder ruhig um den Verein. Grund war der 1. Weltkrieg. Erst danach kam das Vereinsleben richtig in Schwung. Über die Aktivitäten und Erfolge der Jerichower Züchter ist etliches überliefert. In jener Zeit gab es hier 20 bis 30 aktive Züchter, die zehn bis 15 Rassen hielten und auch selbst Ausstellungen organisierten. Darüber hinaus wurden Kinderfeste, Kegelturniere, Tanzveranstaltungen, Maskenbälle und Ausflüge organisiert.

Zwischen sieben und 350 Vereinsmitgliedern

Einen weiteren Tiefstand gab es 1937 mit nur noch sieben Mitgliedern. Nach dem 2. Weltkrieg ging es dann sprunghaft aufwärts: Der Höchststand waren 350 Mitglieder! Dass hierfür weniger die Freude an der Zucht von Rassetieren, sondern wirtschaftliche Beweggründe die Ursache waren, ist naheliegend. Kaninchen wurden vor allem dazu gehalten, um in den mageren Nachkriegsjahren etwas zu essen zu haben.

Damals war Fritz Uschkereit Vereinsvorsitzender, und ab 1950 stand für drei Jahrzehnte Hans Arnold an der Spitze des Kaninchenzuchtvereins. Das Vereinsleben hatte damals ein hohes Niveau. Mehrere sehr aktive und über die Kreisgrenzen hinaus bekannte Züchter gehörten dem Verein damals an.

Eine neue Züchtergeneration trat in den 1960er Jahren dem Verein bei, wozu auch die heute noch aktiven Züchter gehören. Damals begann Reinhard Meyer auch seine Zuchtrichterlaufbahn - als erster aus dem Jerichower Verein. 1995 übernahm Reinhard Meyer von Heinz Lucke auch den Vereinsvorsitz.

Wiederum konnte der Verein großartige Zuchterfolge auf Orts-, Kreis-, Bezirks- und Landesschauen verbuchen. Erstmals auf einer Bundesschau haben Heinz Meindl und Reinhard Meyer ihre besten Tiere gezeigt. Das war in Bremen. Fast alle Züchter, die in den vergangenen Jahrzehnten dem Verein angehörten, haben schon hohe Auszeichnungen erhalten.

Und auch jetzt gab es wieder ein reges Vereinsleben. Bei Feiern und Ausflügen waren stets die Partner dabei.

Inzwischen ist es ruhig geworden in den Ställen der meisten verbliebenen Mitglieder. Viele mussten aus gesundheitlichen Gründen ihre Tiere abschaffen oder reduzieren. Sehr aktiv ist immer noch Heinz Meindl, und auch Werner Meyer kann ohne seine Tiere nicht leben. Jetzt im Winter freilich hat er nur seinen Zuchtstamm in den Ställen, neun Tiere und inzwischen auch wieder Jungtiere sind es. Er züchtet die Rasse "Hermelin Blauauge".

Dazu hat sich kürzlich eine tragende Häsin der Rasse "Farbenzwerge russenfarbig" gesellt. "Das war das allerletzte Tier, das ich auf einer Ausstellung bewertet habe", erzählt Reinhard Meyer. Ein bisschen sentimental mag das anmuten, aber dennoch hätte er die Häsin sicher nicht gekauft, wenn er sich nicht "auf den ersten Blick" in das bildhübsche Tier "verliebt" hätte, das auch auf anderen Schauen schon erfolgreich war.