Fast sommerlich war der Sonntag schon, wunderbar warm und sonnig. Wer aber zeitig genug auf den Beinen war, erlebte einen um die fünf Grad kalten, nebligen Morgen - zu kalt für Kröten und Frösche, um wandern zu können. So gab es auch diesmal bei der Exkursion am Krötenzaun nicht viel zu sehen.

Jerichow/Klietznick l Wie benennt man eine Steigerung von null auf fünf? 500 Prozent? Mathematisch korrekt ist das nicht, aber gut für einen Scherz, der die Stimmung auflockerte. Immerhin wurden fünf Braunfrösche in den Fangeimern am Krötenschutzzaun neben der Straße zwischen Jerichow und Klietznick gefunden - im Gegensatz zu gar keinem Tier im vergangenen Jahr. Diese wenigen Tiere hatten es trotz der Kälte geschafft, ihre "steifen Glieder" soweit zu bewegen, um bis hierher zu gelangen. Der Trieb, zum Laichgewässer zu gelangen, war stark.

Begeisterte Rufe der zahlreichen Kinder, die eifrig vorneweg preschten, gefolgt von einer interessierten Schar, die sich um den kleinen Frosch versammelte und ihn fasziniert betrachtete wie einen wertvollen Schatz, kennzeichneten diese Exkursion. Zur Entschädigung für den Mangel an Anschauungsobjekten gab`s noch ein bisschen Theorie von Sven Königsmark, Vorsitzender des Nabu-Kreisverbands Jerichower Land, und Gunter Braun, der sich von Anfang an um diesen Krötenschutzzaun kümmert und jedes Wochenende das Einsammeln und registrieren der Tiere übernimmt.

Gunter Braun bot den Naturfreunden an, sich am kommenden Sonntag erneut hier mit ihm am Beobachtungsturm am Rande der Bucher Brack zu treffen, um dann hoffentlich mehr Chancen zu haben, Tiere zu sehen. Um 8.30 Uhr beginnen er und seine Frau dann ihre Tour am Zaun.

Optimal für die Wanderung der Kröten und Frösche seien Nachttemperaturen ab acht Grad Celsius und Regen, erklärte er. Wenn auch das Einsammeln dann "echte Arbeit" ist - mit manchmal sogar um die hundert Tieren pro Fangeimer - aber es mache auch richtig Freude.

Immerhin haben die Zaunbetreuer dieses Jahr - bis zum Wochenende - schon 2500 Tiere über die Straße gebracht, berichtete Sven Königsmark. "Wir hatten den Zaun ja recht früh aufgestellt. In der ersten Woche war auch ein bisschen was los, dann ging es erstmal wieder zurück."

Ein besonderer Fund sei in der vergangenen Woche eine Rotbauchunke gewesen. "In den 60-er Jahren gab es die hier in Massen, dann lange Zeit gar nicht mehr. Jetzt kommen sie offenbar wieder." So etwas gebe es aber in der Natur, dass Populationen starken Schwankungen unterliegen.

Auch zu einigen anderen Arten gab er kurz Erläuterungen: Den größten Anteil nehmen Braunfrösche ein, die nicht weiter nach genauen Arten sortiert werden. Denn die Bestimmung sei nicht ganz einfach: Man müsste ein Hinterbein über den Kopf ziehen - die Länge sei maßgeblich für die Artbestimmung. "Das wollen wir den Tieren nicht antun, außerdem wäre es nicht zu schaffen an Tagen, an denen wir mehrere Hundert Tiere haben."

Auch Grünfrösche werden nicht weiter bestimmt. Eindeutig zu bestimmen ist die häufige Erdkröte, auch die nicht ganz so häufige Knoblauchkröte. "Sie pumpt sich auf, wenn man sie in die Hand nimmt." Kreuzkröten gebe es hier kaum. "Das ist nicht ihr optimaler Lebensraum. Sie sind Neubesiedler, die in Pfützen in Kiesgruben laichen und eine sehr kurze Kaulquappenzeit haben." Die jungen Kröten seien dann winzig, "...wie Stubenfliegen."

Teichmolche wurden dieses Jahr auch schon gefunden. Der Kammolch sei relativ selten. Zauneidechsen "verirren" sich auch ab und zu in die Eimer. Sie wandern an warmen Tagen und suchen nicht das Wasser, sondern den Sand hier im Brandschutzstreifen, in den sie ihre Eier ablegen. Diese Tiere werden dann nicht über die Straße getragen, sondern einfach nur "befreit".

Waldeidechsen seien nur ab und zu mal am Zaun zu finden, denn für sie gebe es nur eine Stelle im benachbarten Wald, der für sie optimal ist: In einem tiefer gelegenen Bereich mit ein paar Wassertümpeln. "Sie lieben es moorig."

Weitere Helfer zur Zaunbetreuung werden immer wieder gesucht.

Wer also Interesse und in den frühen Morgenstunden ein bisschen Zeit hat, um die Fang-eimer zu kontrollieren und die Tiere einzusammeln, zu registrieren und über die Straße zu bringen, wird gebeten, sich zu melden bei Sven Königsmark, Telefon 039349/503 80 (E-Mail: sven.koenigsmark@web.de).

   

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