Der Hochwasserschutz in der Region Parey, die Belange der Landwirtschaft und Konflikte mit dem Kiesabbau standen im Mittelpunkt eines Ortstermins mit Dr. Hermann Onko Aeikens, Minister für Landwirtschaft und Umwelt in Sachsen-Anhalt. Die Erfahrungen bei der Flut 2013 spielten dabei eine große Rolle.

Parey l Die Pareyer Landwirte hatten einiges auf dem Herzen, was sie dem Minister mitteilen wollten, denn "es brennt" im Moment, symbolisch gesprochen. Erste Station war deshalb auch der Verbindungsweg, der direkt hinter der Ortslage Parey zum Deich führt. Ein Teil davon ist mit neuen Betonspurbahnen bestens ausgebaut, was aber nicht daran hindert, dass ein Stück davon bald verschwunden sein soll - zeitweise zumindest. Die Kiesabbaufläche soll über diesen Weg hinaus ausgedehnt werden. Auf der nordöstlichen Seite ist der "See" schon bis nahe an den Weg vorgeschoben worden, nur getrennt durch eine Abraumhalde.

Was fehlt, seien nur noch Unterschriften, sagt Landwirt Joachim Hohenstein. "Aber wir sind mit den Bedingungen nicht einverstanden!"

Forderung des LHW: Dieser Weg muss erhalten bleiben

Das machten er und seine Kollegen dem Minister auch deutlich. Zum einen sei der Hektarpreis, der gezahlt werden soll, viel zu niedrig - dafür bekomme man auf dem Markt keine Flächen. Zum anderen sei dieser Weg unverzichtbar für die Deichverteidigung. "Wenn dieser Weg zugemacht wird, haben wir auf etwa zwei Kilometern keine Möglichkeit mehr, zum Deich zu kommen."

Dies unterstrich auch Flussbereichsleiter Reinhard Kürschner: "Vor zwei Jahren gab es hier in der Gemeinde eine Abstimmung dazu. Von uns kam ganz klar die Forderung, dass der Weg erhalten bleibt."

Vom Kiesunternehmen geplant sei ein Durchstich, um mit dem Schwimmbagger auf die neuen Flächen zu kommen. Nach Ende des Abbaus in diesem Bereich solle der Weg zwar wieder hergestellt werden, aber das wird Jahre dauern - eine lange Zeit, während der womöglich wieder so ein Hochwasser kommt wie 2013.

Onko Aeikens sicherte zu, dass sich das Ministerium um das Problem kümmern werde. Die Planfeststellungsunterlagen müssten noch einmal genau angeschaut werden, und es müsse ein Gespräch mit Kiesunternehmen und Gemeinde geben. Um einen solchen Termin will sich der CDU-Landtagsabgeordnete Detlef Radke bemühen. "Es ist ganz klar, dass der Deich erreichbar bleiben muss", betonte Aeikens.

Nächste Station war der Deich hinter dem Kieswerk. Dazwischen liegt noch ein Stück Acker. Diese Flächen sind häufig vernässt. Sickerwasser dringt im Untergrund durch, bei Hochwasser ist dieser Bereich praktisch nur noch auf der Deichkrone zu erreichen. Die einheimischen Landwirte sind der Ansicht, dass diese Vernässungen in den vergangenen Jahren immer stärker geworden sind, und machen sich deshalb große Sorgen.

Reinhard Kürschner räumte ein: "Gegen die Vernässung durch Drängewasser können wir nichts tun!" Am Deich in diesem Abschnitt habe der LHW (Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft) nach dem Hochwasser 2002 das Notwendigste gemacht. DIN-gerecht sei er aber noch nicht. "Die Deiche bekommen alle noch eine Berme mit einem Deichverteidigungsweg." Hier in diesem Abschnitt werde das in den nächsten zwei, drei Jahren aber nicht erfolgen, weil es andere Schwerpunkte gebe, sagte er ganz deutlich.

Aeikens unterstrich das: "Erstens haben wir Deiche, die gebrochen sind, Zweitens haben wir Deiche, die stark beschädigt sind, drittens haben wir Deiche, wo das Wasser übergeschwappt ist. Wir werden uns auch diesem Deich hier widmen, aber wir haben Deiche im Land, wo die Not größer ist!"

Ein Problem der Deichpflege sprach Ewald Janßen an: "Was mir nicht gefällt, ist das ewige Mähen und Mulchen. Die Hinterachse rutscht runter und beschädigt die Grasnarbe. Und durch das Mulchen wird die Grasnarbe locker."

Grasmulch schadet dem Deich, Janßen plädiert für Schafe

Das Problem mit dem Grasmulch beschrieb auch Andreas Schmidt von der Hohenstein-Friedrich GbR aus eigener Erfahrung während des Hochwassers, als er mit der Feuerwehr an den Deichen im Einsatz war. Man habe wegen der Mulchschicht mitunter gar nicht sehen können, was los war. Erst danach sei das Ausmaß der Schäden deutlich geworden. Die Erde unter der lockeren, abgestorbenen Grasnarbe sei teilweise ein ganzes Stück abgerutscht.

Ewald Janssen fragte: "Warum wird das nicht so wie in Ostfriesland gemacht, dass der Deich vernünftig eingefriedet wird, in Segmente unterteilt und dann mit Schafen bewirtschaftet wird?" Den Einwand, dass es bereits Schafhutung auf dem Deich gab und wegen der vielen Proteste der Vertrag gekündigt wurde, ließ er nicht gelten. "So, wie es damals gelaufen ist, war es noch schlimmer! Die Tiere waren auf engstem Raum eingesperrt und haben den Deich dermaßen kaputtgetrampelt!"

Onko Aeikens betonte, dass im Land die Kilometerzahl der Deiche, die von Schafen beweidet werden, in den letzten Jahren verdoppelt wurde. Es gebe hervorragende Beispiele, wo die Schäfer es vernünftig machen. Ich bin für jeden Landwirt dankbar, der sagt: Ich fange jetzt auch mit Schafen an und bin bereit, die Deiche zu beweiden." Er schlug vor, zu diesem Thema noch einen Folgetermin mit Landwirten zu vereinbaren.