Frühlingserwachen bei den Gärtnern, die eine Parzelle der zehn Kleingartenvereine bewirtschaften, die unter dem Dach des Stadtverbandes Genthin vereint sind. Den Vorständen stehen trotz der Frühlingssonne Sorgenfalten auf der Stirn: Von den insgesamt 610 Gärten liegen 119 brach.

Genthin l Reimar Porrini, er hat seit knapp einem Jahr zunächst kommissarisch und nun gewählt den Vorsitz des Stadtverbandes der Genthiner Kleingärtner inne, hat schnell Licht und Schatten in seinem Amt ausmachen müssen. Immerhin zehn Prozent der Bevölkerung der Region Genthin, sagt er stolz, leben ihr Hobby in einem Kleingarten aus, das sind ungefähr 1500 Menschen, die Erholung im Grünen finden. Andererseits mache der zunehmende Leerstand, wie überall im Land, in den Kleingartenanlagen den Vereinen und dem Stadtverband das Leben schwer. Dazu komme eine rasante Überalterung der liebenswürdigen "Laubenpieper". Der größte Teil von ihnen ist älter als 60 Jahre.

Sorgenkinder der Vereine und des Stadtverbandes sind die Vergabe und die Teilung von imposanten, langgestreckten Gärten in einer Größe um 1200 Quadratmeter, wie es sie beispielsweise in der Birkheide gibt. Sie in kleinere Parzellen aufzuteilen, sei mitunter schwierig, weil Übereinkünfte bezüglich Lauben, Strom- und Wasseranschlüsse zu treffen seien. "Der eine erhält alles, der andere gar nichts", bringt Porrini das Problem auf den Punkt. In der Gunst der Hobbygärtner liegen nach wie vor die kleinen Gärten in einer Größe von 300 Quadratmetern vorn.

Dabei, erklärt der Chef des Stadtverbandes, gebe es unter den zehn Vereinen jedoch ein sehr differenziertes Bild. Dort seien Gartenanlagen immer noch voll belegt, wo großen Wohnblöcke in Sichtweite stünden, so in der Altenplathower Hasenholz und in Parey.

Wo inzwischen der Leerstand um sich greift, versucht der Genthiner Stadtverband jetzt neue Wege zu gehen. Er macht Gebrauch von einem Programm "Genthin vernetzt", das der Förderverein für Regionale Entwicklung in Potsdam anbietet. Reimar Porrini rechnet damit, dass bereits im Juli die Internetseite des Genthiner Stadtverbandes freigeschaltet wird und potentielle Interessenten auf die Parzellen in Genthin aufmerksam werden.

Eine interessante Entwicklung des Stadtverbandschefs nährt diese Erwartung. In der Birkheide, berichtet er, haben ausgerechnet Kleingärtner aus Leipzig, Berlin und München ihr grünes Reich entdeckt. Eine Stunde Bahnfahrt zwischen Berlin Zoo und Bahnhof Genthin - vielleicht sind die Genthiner Gärten für Hauptstädter attraktiv, weil sie in ihrer Heimatstadt unerschwinglich geworden sind, mutmaßt Porrini. Vielleicht sollte man es doch mal mit Anzeigen in Berliner Zeitungen versuchen, geht es ihm durch den Kopf.

Rückbau, um einer schwächeren Nachfrage nach Kleingärten entgegenzukommen, hält Porrini hingegen für kein wirkungsvolles Instrument. Durch die Aufgabe innerhalb von Komplexen entstünden zumeist Flächenteppiche. Da sei niemand bereit, Gärten zu tauschen, weiß Porrini aus Erfahrung. Trotzdem täte sich jetzt beispielsweise eine Möglichkeit in der Gartenanlage "Am Mühlenfeld" auf, wo eine Straßenseite begradigt werden könnte. Eine Möglichkeit, um aus der Falle "Leerstand" zu schlüpfen, hat sich in der Gartenanlage "Birkheide" mit der Bewirtschaftung von fünf Tafelgärten durch die Diakonie ergeben. Das große Problem Leerstand, sagt Reimar Porrini aber auch, können diese Tafelgärten aber auch nicht lösen.

Glücklicherweise, sagt Reimar Porrini, fiele dem Genthiner Stadtverband die leerstehenden Parzellen nicht finanziell auf die Füße. So verzichte die Stadt auf die Pacht für die leerstehenden Gärten, was durchaus nicht selbstverständlich sei. In Parey sei das nicht der Fall, hier seien jedoch alle Gärten vergeben.

Für die Genthiner Hobbygärtner gestalte sich auch der Beitrag in Höhe von 6,50 Euro pro Garten und Jahr für die Mitgliedschaft im Stadtverband als Dach und Bindeglied zum Landesverband sehr vorteilhaft. In Burg liege dieser Beitrag bei elf Euro, in Magdeburg sogar bei 16 Euro.