Der Medienkonsum von Grundschülern stand im Mittelpunkt eines Aktionstages im Rahmen des SchmaZ-Projekts. AOK-Vertreter Wilko Petermann und Pädagogin Stefanie Kakoschke spürten der Lust der Kinder am Lesen, Fernsehen und Computerspielen nach.

Genthin l "Wer liest ein bis drei, bis sechs oder mehr als sechs Stunden in der Woche oder gar nicht?" Mit dieser Frage konfrontierte am Mittwoch Medienpädagogin Stefanie Kakoschke vom Magdeburger Medientreff "Zone" die 15 Kinder der Klasse 4b an der Ludwig-Uhland-Grundschule.

Dann stellten sich die Mädchen und Jungen zu vorbereiteten Plakaten mit den Zeitangaben an die Klassenzimmerwand und erklärten ihre Gründe für die Auswahl. "Ich lese Comics und Monster-High-Bücher", erläuterten Vielleserinnen Celina und Cheyenne. Auch Pferdebücher kamen bei der Mädchengruppe an. Die Jungs gehörten eher zu den wenig und gar nicht-Lesern. "Schaut ihr nicht einmal in eure Schulbücher?", fragte Kakoschke ungläubig. Da wechselten einige der Schüler doch noch mal die Seiten.

Denn auch das Lesen von Zeitschriften und Tageszeitungen zählte. Mehr Zeit verwendeten die Zehn- und Elfjährigen für den Fernsehkonsum. Die meisten schätzten, dass sie am Tag bis zu drei Stunden vor dem TV-Gerät sitzen, am Wochenende seien es bei einigen sogar bis zu sechs Stunden am Tag. Über die Inhalte des Programms waren sich die Schüler uneins. Bei den Mädchen kamen Pseudodokumentarische Formate wie "Familien im Brennpunkt" an, "Schwachsinn", nannten das Andere. Das es sich hier um gespielte Inhalte handelt, erkannten aber alle.

Der Fernsehkonsum beschränkt sich bei einigen nicht nur auf das Tagesprogramm. Auch nach 20 Uhr läuft die Flimmerkiste. "Ich gucke Dokumentationen, gestern lief etwas über Tsunamis", sagte ein Junge. Auch aufgezeichnete Spielfilme vom Festplattenrecorder der Eltern oder Sendungen im Nachtprogramm haben die Kinder schon gesehen. Das es dabei auch Inhalte gibt, die für sie nicht geeignet sind, wissen die Grundschüler ganz genau. "Manche Filme sind gewaltverherrlichend" oder "man kann Alpträume bekommen" erklärten sie.

Mit dem Computer können die Viertklässler umgehen. Sie nutzen ihn on- und offline zum Lernen oder auch zum Spielen. Wobei dort die gängigen Konsolen höher im Kurs stehen. Auch damit verbringen die Kinder mehrere Stunden am Tag. Die Lieblingsspiele von Jungen und Mädchen unterscheiden sich jedoch gravierend. Während die Mädchen eher das Karaokespiel "Singstar", das Hüpfspiel "Mario Party" oder "Barbie Wonderland" bevorzugen, geht es bei den Jungs mehr zur Sache.

Der Ego-Shooter "Call of Duty" oder das Action-Rennspiel "Grand Theft Auto" gehören zu deren Favoriten. Beide Spiele sind freigegeben ab 18 Jahren. Den konsolengewöhnten Zehnjährigen von heute ist durchaus bewusst, dass die Spiele eigentlich noch nichts für sie sind. Aber trotzdem oder vielleicht gerade deshalb finden sie Gefallen an den Titeln.

Auch in puncto Umgang mit dem Handy ist diese Generation geübt. Mit sieben oder acht Jahren haben sie ihr erstes Mobiltelefon bekommen. "Damit mich meine Eltern erreichen können, wenn ich bei Freunden bin", erzählte Oliver. Viele nutzen bereits ein Smartphone und manche auch soziale Netzwerke wie "Whatsapp". Facebook ist in dieser Altersklasse noch kein Thema, da die Anmeldung ohnehin erst ab 13 Jahren offiziell erlaubt ist.

Für Medienpädagogin Stefanie Kakoschke, die die beiden 4. Klassen der Grundschule gemeinsam mit ihrer Kollegin Ariane Kleibrink betreute, sind die Ergebnisse nicht erstaunlich. "Dass die Kinder für sie ungeeignete Medieninhalte nutzen oder sehr viel mehr Fernsehen als Lesen, habe ich erwartet", sagte sie. Dennoch solle ein solcher Vormittag auch dazu dienen, über den Umgang mit Medien nachzudenken.

"Es soll auch über alternative Aktivitäten nachgedacht werden", fügte Wilko Petermann von der Pressestelle der AOK Magdeburg hinzu. Die Krankenkasse initiiert im Rahmen des Zeitungsprojektes "SchmaZ" der Volksstimme als Aktionspartner regelmäßig besondere Unterrichtsstunden zu den Themen Medien und Ernährung.

 

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