Das AWO Seniorenzentrum "Otto Baer Haus" hatte der Vorstand des Kreisseniorenrats Jerichower Land für seine jüngste Zusammenkunft ausgewählt. Eine Besichtigung des Hauses ging der Beratung voraus.

Jerichow l "Wir sind kein Heim, sondern nennen uns Seniorenzentrum", schickte Angelika Jentsch, Leiterin der Einrichtung, ihrer kurzen Vorstellung des Hauses gleich voraus. Denn Pflegeeinrichtungen heute seien anders als früher, modern und schön, die einen größer, die anderen kleiner. "Wir sind eine kleine Einrichtung mit 47 Plätzen in 36 Einzelzimmern und sechs Doppelzimmern."

Im zweiten Jahr nach der Eröffnung ist das Otto-Baer-Haus nun mit 39 Bewohnern belegt. Die Doppelzimmer lassen sich nur schwer vergeben, berichtet Angelika Jentsch aus Erfahrung.

Beschäftigt sind im Haus derzeit neun examinierte Kräfte, sieben Pflegeassistenten, ein Ergotherapeut, eine Betreuungskraft für Demenzkranke und eine Hauswirtschaftsmitarbeiterin. "Wir haben mehr examinierte Mitarbeiter als die vorgeschriebenen 50 Prozent, weil wir als kleine Einrichtung auch drei Schichten absichern müssen."

Die Bewohner leben in kleinen Wohngruppen mit maximal zwölf Betten. Das Konzept heißt "Leben in der Großfamilie". Beim Essen sitzen alle an einem Tisch. "In der Gesellschaft schmeckt es besser", weiß Angelika Jentsch. Das habe sich bewährt. Vieles laufe auch in der Gruppe, nur hier und da kümmere sich eine "Hausmutti" um einiges.

Die Essenversorgung erfolgt über die Küche des benachbarten AWO-Fachkrankenhauses. Dort könne auch die Cafeteria mit genutzt werden, die im Moment noch über den Umweg an der Straße entlang zu erreichen ist. "Wir bekommen aber noch dieses Jahr einen direkten Fußweg dorthin!"

Von den derzeitigen Bewohnern haben 20 eine diagnostizierte Demenz, die zum Teil auch in eigenen Wohngruppen zusammenleben - der Sicherheit wegen im oberen Geschoss. Denn unten haben die Zimmer einen direkten Zugang zum Garten und somit nach draußen, so dass das Personal es auch nicht im Blick habe, wenn jemand geht.

"Eingesperrt" sei aber niemand. "Wir sind kein geschlossenes Haus!"

Die Einrichtung befinde sich immer noch im Aufbau, betonte Angelika Jentsch. "Zur Zeit verhandeln wir mit der Grundschule. Wir wollen mit der Schule und mit dem Kindergarten eine Patenschaft abschließen."

Gute Kontakte gebe es auch zur Volkssolidarität, unterstrich sie. "Für mich ist das keine Konkurrenz!" Sie selbst sei Mitglied und wurde auch von der Jerichower Ortsgruppe der Volkssolidarität angesprochen, ob diese hier ehrenamtlich tätig werden können. "Das finde ich ganz toll!"

Ähnlich unproblematisch sieht auch Britta Möbes die Beziehungen untereinander - sie ist Leiterin des Seniorenzentrums "Haus Georg Stilke" Genthin, dessen Träger die Volkssolidarität ist, und war mit dem Vorstand des Kreisseniorenrats hier zu Gast.

Gerne beantwortete Angelika Jentsch den Gästen noch Fragen zum Haus und zum Alltag der Bewohner. Probleme gebe es eigentlich nicht, sagt sie. "Die Bewohner dürfen bei uns alles, außer im Haus rauchen!" Wenn jemand etwas auf dem Herzen habe, dann komme er sofort damit zu ihr. "Wir haben unten einen Kummerkasten, wo man Beschwerdezettel hineinstecken kann. Da war noch nie etwas drin!"

Die derzeitigen Bewohner des Otto-Baer-Hauses kommen aus Jerichow umliegenden Orten, wie Mangelsdorf, Schönhausen, Genthin, Güsen, Derben... Es gibt einen sehr guten Heimbeirat, wobei die Vorsitzende eine Angehörige ist, die nicht im Heim lebt. Weiterhin gehören zwei Heimbewohner dazu.