Du bis Spitze! Acht Kandidaten bewerben sich um den Titel Lokalmatador 2010. Den Sieger ermitteln einzig und allein die Volksstimme-Leser mit dem Abstimmungs-Coupon. In den vergangenen Wochen haben wir sieben Kandidaten in ganz persönlichen Geschichten vorgestellt. Heute der letzte, der achte Kandidat, der zur Wahl steht: Steve Flügge.

Zerben/Genthin. Donnerstagabend, 18 Uhr: Während die meisten Zerbener ihren wohlverdienten Feierabend genießen, ist davon am Feuerwehrhaus noch längst keine Rede. Unten fachsimpeln bereits die ersten Kameraden der Einsatzgruppe, ein Stockwerk darüber bereitet Steve Flügge seine Unterrichtseinheit vor. "Donnerstag steht Aus- und Fortbildung auf dem Programm", erzählt der Leiter der Zerbener Ortsfeuerwehr. "17 aktive Kameraden zählt unsere Einsatzgruppe momentan." Das ist beachtlich für ein kleines Dorf wie Zerben. "Wichtiger ist für mich, dass ich mich auf meine Leute verlassen kann. Papierleichen bringen eine Feuerwehr nicht weiter", sagt der 33-Jährige.

Die Mitglieder der Einsatzgruppe müssen jährlich 40 Stunden Ausbildung am Standort nachweisen, dazu kommen Lehrgänge und Fortbildungen. Steve Flügge ist es ein bisschen unangenehm, dass ausgerechnet er Kandidat zum Lokalmatador des Jahres geworden ist: "Jedes Mitglied opfert hier viel Freizeit, alle hätten diesen Titel verdient." Seine Stellvertreterin Sandy Kuhn sieht das anders: "Wenn Steve Freizeit hat, ist das für ihn Feuerwehrzeit. Das geht absolut in Ordnung, wenn er Lokalmatador des Jahres wird. Ohne ihn würde die Zerbener Feuerwehr nicht so gut funktionieren."

Brandschutz ist kein Hobby wie Fußball oder Handball. Bei Einsätzen geht es oft um Existenzen, manchmal sogar um Leben und Tod. "Darum ist es wichtig, dass jeder bestmöglich ausgebildet wird", sagt Steve Flügge. Er ist für die wöchentlichen Unterrichtseinheiten verantwortlich.

Um ausbilden zu dürfen, muss man sich natürlich qualifizieren. Zahlreiche Lehrgänge und Prüfungen hat der Zerbener bereits absolviert. "Ehrenamtlich und immer mit Begeisterung", erzählt Frank Wäscher. Er ist Jugendwart der Zerbener Wehr. Seine Meinung: "Bei Einsätzen ist es wichtig, dass die Mannschaft perfekt aufeinander einge-spielt ist. Steve hat das toll im Griff."

"Ein Einsatz bedeutet nicht Wasser marsch und drauf los gelöscht", erklärt Steve Flügge. Brände können auch mit Pulver oder Schaum gelöscht werden. In den Übungsstunden erklärt er unter anderem die neusten Erkenntnisse über Brandschutz sowie Vor- und Nachteile einzelner Löschmethoden.

Wichtig ist ihm auch die Zusammenarbeit mit anderen Wehren. Neben seinem Beruf als Straßenwärter leitet er die Zerbener Ortsfeuerwehr und ist stellvertretender Vorsitzender der Gemeindewehr Elbe-Parey. "Über den Tellerrand hinaus blicken und sehen wie andere Truppen arbeiten, ist für unsere Arbeit unverzichtbar." Diese Zusammenarbeit sowie die praktischen Übungen wollen organisiert werden. Auch das fällt in den Aufgabenbereich des Wehrleiters.

Allmählich trudelt der Rest der Truppe im Feuerwehrhaus ein. Sandy Kuhn kocht Kaffee, die Küche ist gleich neben der großen Halle, in der Auto und Boot untergebracht sind. "Das neue Feuerwehrauto haben wir seit Ende 2009 – das ist das Herz der Feuerwehr", erzählt Steve Flügge. "Das Boot ist durch die Nähe zum Wasser unverzichtbar." Sandy Kuhn ergänzt: "Den Bootsführerlehrgang hat Steve nebenbei auch noch gemacht."

Mit Kaffee und Wasser versorgt geht es die Treppen hoch in den großen Aufenthaltsraum. Viele Pokale kann man hier bestaunen. "Bis 2004 war die Zerbener Wehr bei Wettkämpfen sehr erfolgreich", sagt Steve Flügge. "Das machen wir jetzt aber nur noch nebenbei. Wir investieren die Zeit lieber in Aus- und Fortbildung. Wichtiger als sportlicher Erfolg ist uns Brandbekämpfung."

Es ist bereits später Abend, als Steve Flügge zu dem Schluss kommt, dass seine Kameraden nun genug dazu gelernt haben. Gut gelaunt verlässt die Gruppe das Feuerwehrhaus, das übrigens 2000 in Eigenregie renoviert wurde. Für Steve Flügge geht es am heimischen Computer weiter. Von hier aus erarbeitet er seine Unterrichtsstunden, organisiert Praxisübungen und kümmert sich um die Verwaltung.

"Ohne meine Familie könnte ich das alles so nicht machen", sagt er. Neben der Feuerwehr gehört sein Herz Freundin Christiane Schwarz und der kleinen Tochter Lara-Marie. "Das nächste große Privatprojekt wird hoffentlich unsere Hochzeit", erzählt Steve Flügge. "Aber gut Ding will Weile haben, es soll halt etwas Besonderes sein." Auch privat bleibt der Wehrleiter seinem Motto treu: "Wenn ich was mache, dann richtig!"