Am ersten Schultag nach Pfingsten setzen die Parchener Dürer-Schüler auf Bewegung, statt die Schulbank zu drücken. Verkehrszeichen, Vorfahrtsregeln und sicheres Fahrrad stehen am Verkehrstag auf dem Schulhof und in den Klassenzimmern auf dem Tagesplan.

Parchen l So ein Projekttag nach dem langen Pfingstwochenende lässt die Dürer-Schüler entspannt in die verkürzte Woche starten. "Da haben sich die Schüler drauf gefreut. Es ist mal was anderes und eine schöne Abwechslung am ersten Tag nach den Ferien", findet Iris Runge, pädagogische Mitarbeiterin an der Parchener Schule.

Den ganzen Tag lernen die Schüler der "Albrecht Dürer"-Förderschule, was im Straßenverkehr zu beachten ist. Verkehrserziehung und -aufklärung heißen die Fächer. Geübt werden auf dem Schulhof vor allem Vorfahrtsregeln, Geschicklichkeit und das Bremsen. Vorab stehen Verkehrszeichen und Regeln im Klassenraum auf dem Plan.

Die Deutsche Verkehrswacht bezieht auf dem Schulgelände Quartier. Warnkegel, Haupt- und Vorfahrtsschilder und eine große aufgezeichnete Acht empfangen die ersten Testfahrer aus Klasse eins bis drei. Nach ein paar Runden klappt Arm raushalten, das Gucken vorm Abbiegen und Anhalten am Stoppschild schon ganz gut.

"Ich habe einen Helm, setze ihn aber nicht immer auf."

Justine Pielnoik, 12 Jahre

Dass der Fahrradhelm lebensrettend sein kann, ist den Schülern klar. Die 12-jährige Justine Pielnoik kann sich jedoch nicht so recht damit anfreunden. "Ich habe zu Hause auch einen, aber ich setze ihn nicht immer auf", gibt sie zu und grinst. In ihrer Freizeit ist Justine mit einem Mountainbike unterwegs. Sie findet die verschiedenen Übungen des Parcours auf dem Schulhof gut, um die Verkehrsregeln noch besser zu lernen. "Viele der Schilder kenne ich schon." So dreht sie weiter radelnd ihre Runden, bis es zur nächsten Verkehrslektion geht.

Gerhard Borg von der Deutschen Verkehrswacht ist einer der Verkehrshelfer an diesem Vormittag. "Einige der Schüler finden sich schon gut im Straßenverkehr zurecht, andere müssen noch mehr üben", schätzt er die bisher gesehenen "Fahrschüler" ein.

Auch im Schulgebäude sind die Zweiräder beliebt. Im Raum gleich neben dem Lehrerzimmer warten Fahrrad- und Motorradsimulator, dass die Parchener Schüler aufsteigen. Per Bildschirm erfahren sie, wo es lang geht. Zuvor wurde die Sehkraft geprüft. Reihe für Reihe werden die Zeichen kleiner. Bei einigen Dürer-Schülern steht bald ein Besuch beim Optiker an. Über die Ergebnisse werden die betreffenden Eltern informiert.

Nach der großen Pause wird ein ernstes Thema angegangen. Die Sechst- und Siebtklässler nehmen im Georaum Platz. Zur Wahl stehen "Verkehrssicheres Fahrrad" oder "Alkohol und Drogen im Straßenverkehr". Zweiteres scheint interessant. Beim Blick in die Gesichter der Schüler, die ein Video über die Droge Crystal Meth gucken, kann man sehen, dass einige der Informationen ihnen neu sind.

Wer ein bisschen Ahnung von Chemie hat, kann Crystal Meth leicht selbst herstellen. "Aber das Schlimmste an der Verbreitung der Droge ist die dadurch entstehende Beschaffungskriminalität der Jugendlichen", erklärte der Zuständige von der Deutschen Verkehrswacht. Eindringliche Bilder erst kurzzeitig Abhängiger machen den Schülern deutlich, dass man von Crystal Meth die Finger lassen sollte. Erfunden von den Japanern wurde die Droge im Ersten Weltkrieg eingesetzt, um die Soldaten lange wach zu halten und emotional abzustumpfen. Seit den 1990er Jahren breitet sich der Stoff als Modedroge stetig weiter aus.

"Beim Rechts- oder Linksabbiegen sind einige Schüler noch unsicher."

Während die Sechst- und Siebtklässler mehr über Herstellung und Wirkung von Crystal Meth erfahren, fällt Maik Hans von der deutschen Verkehrswacht im Raum mit den Simulatoren auf: "Wenn es um rechts oder links abbiegen geht, sind einige Schüler noch unsicher." Auf den Bildschirmen wird streng nach Straßenverkehrsordnung geübt. Fünf Minuten verbringt jeder Dürer-Schüler auf Fahr- oder Motorrad. Plötzlich rot leuchtende Ampeln sind in die Animation eingebaut, um die Reaktionszeit zu testen.

Bevor es auf den Parcours im Schulhof geht, müssen alle eine Einführung in die allgemeinen Verkehrsregeln mitmachen. "Wir machen den Projekttag einmal im Jahr", sagt Lehrer Norbert Zander. Es sei ein wichtiger Teil für die in Schulen vorgeschriebene Verkehrserziehung.

Mit dem Gelernten können die Parchener Schüler in Zukunft sicherer, aber dennoch genauso vorsichtig, auf den Straßen unterwegs sein.