Waschbären sehen niedlich aus, finden aber nur im Tierpark Liebhaber. Grundstücksbesitzer, Jäger und Naturschützer sehen die Tiere als Bedrohung für die heimische Flora und Fauna.

Klietznick/Redekin l Langsam trottet das junge Waschbärpaar entlang der Straße zum Klietznicker Damm. Bär Nummer eins springt ins Gebüsch, Bär Nummer zwei klettert vor Schreck auf einen Baum, als ein Traktor des Weges kommt. Solche Szenen sind rund um Jerichow keine Seltenheit geworden. Die Klietznickerin Karin Dertz sieht die Kehrseite des kleinen Besuchers. "Die wühlen hier Komposthaufen um", berichtet sie. Auch Mülltonnen ließen die Waschbären nicht unangetastet.

Harmlos noch im Vergleich zu dem was Annette Leippelt, Sprecherin des Nabu Sachsen-Anhalt, berichtet: "Die Waschbären sind eingewandert und haben hier keine natürlichen Feinde. Sie klettern auf Bäume und plündern Nester." Das schade dem Bestand der geschützten Vogelarten wie dem Seeadler oder dem Schwarzstorch. "Die Waschbären, die eigentlich aus Nordamerika stammen, überwinden sogar Manschetten, die von Jägern extra angebracht worden sind." Die Tiere seien daher das ganze Jahr, außer während sie Jungtiere haben, zum Abschuss freigegeben.

Ein Jäger aus Jerichow, der anonym bleiben möchte (Name ist der Redaktion bekannt), beziffert die erlegten Tiere allein für dieses Jahr auf 50 bis 60 Tiere. "Das werden immer mehr", sagt er. Jäger sind die einzigen Feinde, die der Waschbär in Deutschland hat. Doch die Population sei inzwischen so groß, dass der Bestand mit der Jagd nicht mehr in den Griff zu bekommen sei, ist sich der Jäger sicher. Als Jäger freue er sich einfach, wenn er ein wenig für den "Erhalt des Niederflurs" getan habe. Vom Füttern der Tiere wird dringend abgeraten.