Genthin (spö) l Unter der Überschrift "Mobilmachung angeordnet", gibt das Genthiner Wochenblatt die Stimmung vor 100 Jahren wieder.

"Diese durch Anschlag bekannt gegebene Nachricht hat gestern gegen Abend die Gemüter in lebhafte Bewegung versetzt. Immer neue Menschenmengen überzeugten sich an den Anschlagstellen von der Wahrheit der stündlich erwarteten Meldung. In Gruppen wurde über den Krieg debattiert und eine ernste Stimmung war vorherrschend.

Telegraphische Nachrichten liefen bei uns in kurzen Zwischenräumen ein, die wir durch unsere Boten und Aushang bekannt machen bemüht waren. Heute Nachmittag und besonders am Abend waren auf dem Bahnhofe viele Personenen anwesend, um den durchfahrenden Sonderzügen beizuwohnen" .

Die "Pareyer Nachrichten" veröffentlichen wenige Tage später die Name jener jungen Männer aus Burg, Genthin, Roßdorf und Wusterwitz, die ihre Kriegsprüfung am Seminar, also ihr Notabitur, bestanden haben und zum großen Teil schon zu den Regimentern abgereist waren. "Lehrer und Mitschüler gaben ihnen unter den Klängen vaterländische Lieder das Valet. Unsere herzlichsten Wünsche und Gebete geleiten sie hinaus ins Feld und mögen sie gesund zu uns zurückkehren", heißt es.

Wenn der Krieg 1918 zu Ende sein wird, werden im Altkreis Genthin etwa 1000 Gefallene zu beklagen sein, die ihre Familien in großer Not zurücklassen. Genaue Zahlen über Gefallenen liegen allerdings nicht vor.

In Genthin geht man von 251 Gefallenen aus, in Altenplathow vermutlich von 40. Kade zählt 56, Derben 63 und Jerichow 43 Gefallene.