Ein besonderes Schmuckstück ist zur Zeit im Vorraum der Zerbener Kirche zu bewundern: die dritte Glocke, die am 10. Mai in Brockscheid/Eifel gegossen und Ende vergangener Woche hierher geholt worden war. "Mein ist die Zeit" lautet ihre Inschrift. Und viel Zeit war auch nötig, um dieses Ziel zu erreichen.

Zerben l "Wir haben 14 Jahre damit verbracht, Geld für die Glocken zu sammeln", zieht Anna Dorothea Nitzsche bei einem Blick auf den "Spendenstrahl", der neben dem Eingang zum Kirchenraum steht, Bilanz. Im Jahr 2000 wurde angefangen, und 2010 konnte die zweite Glocke in den Turm gehängt werden. Dann wurde weitergesammelt für die dritte, die nun rechtzeitig zum Adventläuten bei ihren beiden "Schwestern" hängen soll - dann, wenn hier der gesellige Nachmittag und Abend am Vorabend des 1. Advents stattfindet.

Viel verkaufter Glühwein und Kuchen, viele Spenden

Die Erlöse aus so manchem Liter Glühwein, der im Laufe der Jahre an diesen Abenden getrunken wurde, flossen ebenso wie Erlöse vom Grillwurst- oder Kuchenverkauf in die Spendenkasse für die Glocken. Erst jetzt wieder hat Anna Dorothea Nitzsche den Überschuss von den Einnahmen beim jüngsten Osterfeuer übergeben: 150 Euro. Dazu kamen unzählige private Spenden, kleine und größere. Viele Zerbener haben für ihre Glocken gespendet. Größere Summen für die dritte Glocke kamen unter anderem von der Agrargenossenschaft Zerben, von der Jagdgenossenschaft, von Ekkehard Miethe aus Lahnstein an der Lahn, von der Familie von Plotho, von Herbert Schröder.

"Es gibt kein öffentliches Geld für Glocken", erklärt Friedrich Schwarz, Vorsitzender des Kirchspielrats Parey/Elbe. "Deshalb haben wir auch über Leader nichts beantragen können. Auch die Kirche gibt dafür nichts. Das müssen die Kirchengemeinden selbst machen."

Erste Kirche der Region mit wieder drei Glocken

Und dass das auch für einen kleinen Ort wie Zerben zu schaffen ist, wurde damit bewiesen. "Die Kirche Zerben ist damit die erste in der Region, die wieder alle drei Glocken hat", betont Schwarz. Zwei der drei Glocken waren im ersten Weltkrieg zur Metallgewinnung weggeholt worden, wie das auch in vielen anderen Kirchen der Fall war.

Die dritte ist nun die kleinste, aber immer noch 75 Kilogramm schwer. Die Inschrift "Mein ist die Zeit" sei in der Glockengießerei in Brockscheid zum ersten Mal verwendet worden, berichtet Friedrich Schwarz. "Sie wollen den Spruch nun in ihre Liste aufnehmen."

Beim Glockenguss in Brockscheid waren etliche Zerbener dabei (Volksstimme berichtete). In der Grube musste die Glocke dann langsam auskühlen, bevor sie herausgeholt und geputzt werden konnte.

Mit dem Abholen hatten die Zerbener Glück: Der Glockengutachter Christoph Schulze, der in Brockscheid zu tun hatte, brachte sie mit bis Neinstedt bei Thale. Von dort haben die Zerbener sie dann am vergangenen Donnerstag, 30. Juli, geholt.

Aufgehängt werden soll sie von der Glockentechnik Schmidt/Berlin, der Firma, die auch schon die zweite Glocke aufgehängt und die Elektrifizierung vorgenommen hat.

Damit hat es aber noch ein bisschen Zeit. Einige Wochen lang wird die neue Glocke hier im Vorraum stehen bleiben, so dass jeder, der möchte, sie anschauen und anfassen kann - und vielleicht auch noch ein bisschen Geld in die Spendenbox stecken.

Insgesamt sind für die zweite Glocke etwa 6 500 Euro Spenden zusammen gekommen. Fast reicht es, um neben dem Guss auch das Aufhängen zu bezahlen - ein toller Erfolg.

Ferchland soll auch zwei neue Glocken bekommen

Nächstes Ziel werde die Anschaffung von zwei neuen Glocken für die Ferchländer Kirche sein, gab Friedrich Schwarz schon mal eine Vorschau auf die nächsten Jahre. Wenn es klappt, soll das bis 2016 geschafft werden. Der Vorteil hier: Das Geld vom Verkauf des Pfarrhauses kann mit verwendet werden. Durch den Verkauf spare die Kirchengemeinde zudem erhebliche Betriebskosten, die trotz des Leerstands anfielen. "In Ferchland müssen gleich zwei neue Glocken dazu kommen, weil die vorhandene sehr groß ist und es mit nur einer weiteren nicht klingen würde", begründet Schwarz.