Ein Ärgernis für den städtischen Bauhof sind die zahlreichen Bepflanzungen auf den Urnengräbern des Friedhofes. Stehen Mäharbeiten an, muss dieser Grabschmuck mühevoll entfernt werden. Stehen darf auf den Grabplatten eigentlich nichts.

Genthin l Der städtische Friedhof ist in den vergangenen Wochen in die Kritik geraten. Der Vorwurf, dass das Gelände teilweise in einem schlechten Zustand sei, kann durchaus diskutiert werden. Allerdings ist ein Teil des Problems auch die Tatsache, dass sich Hinterbliebene nicht an das Verbot der Stadt halten, keine Bepflanzungen auf den Urnengräbern vorzunehmen.

"Erst vor zwei Tagen ist hier beräumt worden, aber die Grabplatten stehen schon wieder voller Blumen", stellt Rita Wagner von der Friedhofsverwaltung der Stadt Genthin während einer Begehung im Bereich des Feldes 9 der Urnengrabanlage fest. Bei der Anlage handele es sich um eine Grabstelle mit besonderen Gestaltungsvorschriften. "Es ist eine klare Regelung, dass hier kein Schmuck abgelegt werden darf", so Wagner. Dabei beruft sich die Stadt auf die Paragrafen 19 und 25b der Friedhofssatzung, in denen diese Regelung fixiert ist. Dennoch halten sich nur wenige daran. "Die Blumen sind nicht nur lose abgelegt, sondern werden in Schalen und Kübeln abgestellt." Zum Teil seien Halterungen auch einbetoniert worden.

Um die Pflege dieses Bereiches zu gewährleisten, müssen die Bauhofmitarbeiter den Grabschmuck einzeln von den Grabplatten nehmen, um mit dem Aufsitzmäher den Bereich bearbeiten zu können. Viel Zeitaufwand. Zeit, die unter anderem für die übrige Pflege des Friedhofes fehlt. Die Bauhof-Mitarbeiter sammeln sogar von Hinterbliebenen angelegte Steineinfassungen zusammen. "Wenn die Steinchen in das Schneidwerk geraten, kann der Rasenmäher kaputt gehen", so die Erklärung des Bauhofes.

Der Aufwand für diese Arbeit umfasse oft eine Stunde und mehr. "Das Mähen selbst dauert nur zehn Minuten". Die Anlage war Ende der 90er Jahre angelegt worden. Dort wurden 155 Urnen beigesetzt. Mittlerweile werden die Verstorbenen auf dem vor sechs Jahren eingerichteten Feld 10 der Urnengrabanlage bestattet, wo Platz für 200 Urnen ist.

Dort weisen Schilder klar darauf hin, dass keine Schalen, Gebinde, Blumen oder Figuren auf den Grabplatten abgestellt werden dürfen. Nicht nur deshalb sind die Platten auf dem rund 235 Quadratmeter großen Areal weitestgehend frei. Neben den Grabstellen befinden sich Blumenablagestellen, die reichlich genutzt werden. Nicht jeder hat Verständnis für die Regelungen der Stadt. "Das ist schon ein sehr starres Denken", meint eine Hinterbliebene auf dem Friedhof. "Die Grabreihen sehen ohne Schmuck nicht schön aus." Allerdings lege sie mittlerweile keine Blumen mehr auf der Grabplatte ab. Ein anderer Friedhofsbesucher sieht die Stadt im Recht. "Die Verwaltung ist zur Rasenpflege verpflichtet, wie soll das gehen, wenn alles zugestellt wird?" Solange der Rasen gemäht werden muss, könne man keine Ausnahmen machen. Allerhöchstens im Winter, wenn der Rasen unter Eis und Schnee liegt.

"Wir haben durchaus Verständnis für den Wunsch der Trauernden, eine schöne Grabstätte vorzufinden, aber das ist bei den Urnengräbern nicht möglich", macht Rita Wagner deutlich. Die Verwaltung schreibe die Hinterbliebenen auch immer wieder an und fordere diese auf, den Grabschmuck zu entfernen. Eine Änderung der Regularien werde es in absehbarer Zeit nicht geben.

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