Für seine Lesung im Schloss Parchen kehrt der deutschlandweit bekannte Autor und gebürtige Genthiner Gert Loschütz ins Jerichower Land zurück. Er liest aus einem noch unveröffentlichten Werk, das vom schweren Eisenbahnunglück des 22. Dezember 1939 in der Kanalstadt erzählt.

Genthin l An seine Kindheit in Altenplathow hat er viele schöne Erinnerungen. "Inwieweit man diesen trauen kann, ist die Frage", sagt der heute deutschlandweit bekannte Autor Gert Loschütz und lacht. Aufgewachsen ist er dort auf einem Bauernhof mit Eltern und Großeltern.

Seine Familie flüchtete in die damalige Bundesrepublik. Da war er 11 Jahre alt. Dieses Erlebnis hat er zum Beispiel in seinem Roman "Flucht", der kurz nach der Wende publiziert wurde, in literarischerForm aufgearbeitet.

Inzwischen ist er, nach Stationen wie Dillenburg in Hessen, wo er das Humanistische Gymnasium besuchte, seinem Studium der Geschichte, Soziologie und Publizistik an der freien Universität Berlin und einer längeren Zeit in Frankfurt am Main, wieder in der deutschen Hauptstadt zuhause, die zu seiner Heimat geworden ist. Ein bis zweimal im Jahr sei er im Jerichower Land zu Besuch, denn Genthin sei ja nicht weit weg, sagt der 67-Jährige.

Seit Beginn der 1970er Jahre ist Loschütz freier Schriftsteller. Begonnen hat seine Leidenschaft aber viel eher. "Ich habe in jungen Jahren schon wahnsinnig viel gelesen und früh angefangen zu schreiben", so der Wahl-Berliner. Seine ersten Schritte als Autor machte er mit Gedichten, dann kamen Theaterstücke, Fernseh- und Hörspiele sowie Prosawerke dazu. Letztere stehen heute im Mittelpunkt.

Vor einigen Jahren hat der Autor, unter anderem auch im Magdeburger Archiv, intensiv recherchiert, um das Eisenbahnunglück in Genthin vom 22. Dezember 1939 für das Hörspiel "Besichtigung eines Unglücks" und das nun folgende Druckwerk fassbar zu machen.

"Die Organisatoren der Landesliteraturtage haben sich gewünscht, dass ich aus diesem Werk vorlese", sagt er und kommt dem Wunsch gerne nach. Seine Lesung ist am Montagabend auf Schloss Parchen zu erleben.

In seinem Buch geht es um das Ereignis an sich. "Zuerst natürlich um die Abläufe, was und wie es genau passiert ist", verrät er einige Details der Buchpassagen, die er vorstellen wird.

Sehr viele Autoren haben ihn immer mal eine zeitlang begleitet. Darunter auch Weltliteraten wie Franz Kafka und Ernest Hemingway. Wie auch der eigene Stil sich über die Jahre ändert, hätte er aber immer mal andere Autoren beim Wickel gehabt.

Zurzeit liest er die Werke der kanadischen Autorin Alice Munro. "Ich habe sie vor ein paar Monaten entdeckt. Sie ist eine großartige Autorin." Ihre Kurzgeschichten, die ohnehin selten geworden seien, sind auf besondere Weise und sehr spannend erzählt.

"Besichtigung eines Unglücks" ist bereits als Hörspiel erschienen. "Dieses Buch ist aber anders als das Hörspiel", verrät der Autor. Man müsse es in einem Roman ganz anders erzählen, als in einem Tondokument, sagt der gebürtige Genthiner. Biographische Züge haben die Ereignisse, die Loschütz in seiner Lesung erzählen wird, nicht. "Bis auf dass ich die beschriebenen Orte alle kenne", so der Wahl-Berliner.

Lesung "Besichtigung eines Unglücks" mit Gert Loschütz am Montag, 30. September, ab 19 Uhr im Schloss Parchen