Für die Sanierung des Wasserturms unternimmt die Stadt Genthin einen erneuten Anlauf, um in den Genuss einer Förderung zu kommen. Seit Jahren liegen für das technische Denkmal Sanierungskonzepte in der Schublade, die allerdings wegen der schlechten Finanzlage der Kommune nicht umgesetzt werden konnten.

Genthin l Genthin ist nicht mit Denkmalen begnadet, doch ausgerechnet sein prägnantestes, der Wasserturm, muss bis auf Weiteres vor sich hin dümpeln. Zwar wurden recht aufwendig die Kellerräume und das Erdgeschoss umgebaut, doch danach passierte nicht mehr viel.

Der ganz große Wurf blieb der Stadt Genthin versagt, als sie in den Jahren 2010, 2011, 2012 und auch noch 2013 mit dem Projekt Wasserturmsanierung nicht in das Förderprogramm Stadtsanierung aufgenommen wurde, weil die Kommune den erforderlichen Eigenanteil nicht aufbringen konnte.

Zwischenzeitlich stellte sich Politprominenz aus der Landes- und auch Bundespolitik aller Couleur ein, um sich von der Dringlichkeit der Sanierung zu überzeugen. Einen Ausweg aus der finanziellen Zwangsjacke für Genthin konnten sie allerdings nicht aufzeigen.

Trotzdem wagt Genthin jetzt einen neuen Anlauf, um andere Fördertöpfe für die Sanierung des Wasserturms aufzumachen.

So sind mittlerweile die Unterlagen für den anspruchsvoll klingenden Topf "Förderung von Investitionen in nationale Projekte des Städtebaus", ein Programm des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit, abgearbeitet und zusammengetragen worden. Das Förderprogramm wurde vom Bundestag Ende Juni verabschiedet und darin das Gesamtprogrammvolumen für die Förderung des Städtebaus auf 700 Millionen Euro aufgestockt. Bürgermeister Thomas Barz informierte den Stadtrat am Donnerstag darüber, dass auch die Kommunalaufsicht der Stadt Genthin mittlerweile grünes Licht erteilt habe, sich an dem Projektaufruf 2014 trotz ihrer miserablen Finanzlage beteiligen zu können.

Damit würde die Kommunalaufsicht die Sparbemühungen der Stadt anerkennen, interpretierte Thomas Barz das wohlwollende Verhalten der Kommunalaufsicht.

Bei einer 90prozentigen Förderung, die bei dem Förderprogramm ausgereicht wird, käme auf die Stadt Genthin ein Eigenanteil in Höhe von 122 000 Euro zu.

"Ich denke, wir haben eine Chance, in den Genuss dieser Fördermittel zu kommen", sagte gestern Bürgermeister Thomas Barz. Im Verhältnis zu anderen, bundesweiten Vorhaben falle der Genthiner Antrag mit "nur einer Million Euro" gering aus, vielleicht käme die Kanalstadt deshalb in den Genuss von "Resten", mutmaßte er. Mit der Förderung soll für den Wasserturm der Weg für eine sogenannte Grundsanierung geebnet werden. Ein konkretes Nutzungskonzept für das technische Denkmal war mit dem Einreichen des Fördermittelantrages nicht verbunden. Es ginge hier nicht um einen Ideenwettbewerb, sondern darum, Kommunen zu helfen, Sanierungen in erheblichem Umfang zu ermöglichen, erklärte Bürgermeister Thomas Barz gegenüber der Volksstimme.

Schon vor 50 Jahren, im Jahr 1964, wurden markante Baumängel am Fachwerk des Turmes festgestellt, die inzwischen gut sichtbar werden durch das Abspringen von Betonteilchen.

Ursache für das Abspringen des Betons sind die Defizite am Stahlbetonskelett. Durch eindringendes Wasser verrostet der Bewährungsstahl, dehnt sich dadurch aus und sprengt letztlich den ihn umgebenden Beton. Die Stadt ist dem im August 2006 vorerst mit dem Aufspannen von Netzen begegnet, die seitdem scherzhaft als "Kragen" benannt werden. Das Auffanggut muss regelmäßig durch Spezialfirmen entfernt werden.

Der Wasserturm wurde vor fast 80 Jahren, 1935, nach einjähriger Bauzeit als Wasserspeicher in Betrieb genommen und kostete seinerzeit 52 000 Reichsmark.

Die Standsicherheit des technischen Denkmals ist laut einem Gutachten allerdings nicht in Gefahr.