Klietznick l Mit fast schon verzweifeltem Blick schaute "Storchennest"-Wirtin Ursula Lüde in die Runde, die sich auch um das Zelt gekümmert hatte. Es war einfach zu klein! Da es anfangs noch nieselte, blieben die Tische und Bänke im Freien zunächst leer, dafür war es drinnen mollig warm, denn alle waren dicht zusammengerückt. Dass das jemanden störte, war allerdings nicht zu sehen: Die Weinbergmusikanten aus Hohenwarthe machten flotte Musik, beim Wein (und auch Bier) wurde tüchtig zugelangt, so dass die Stimmung prächtig war. Als sich die Weinbergmusikanten nach zwei Stunden verabschiedeten, meinte ihr Sprecher: "Sie sind ein tolles Publikum! Wir nehmen Sie mit, denn wir haben heute noch einen Auftritt!"

Zum Schluss ihres Konzerts gab es noch eine überraschende Gesangseinlage: Fritz Lüde schnappte sich das Mikrofon und sang mit Begleitung der Kapelle unter anderem "So ein Tag, so wunderschön wie heute ..." Das hatte selbst Dorfspatzen-Chef Andreas Dertz noch nicht erlebt und staunte nicht schlecht. Er und viele andere stimmten schließlich mit ein. So hat also Ferchland nun auch seinen "Singenden Wirt" - was allerdings auch nicht so ganz verwunderlich ist, denn Fritz Lüde ist auch Mitglied der Chorgemeinschaft Hohenseeden.

Gut angenommen wurde auch das Angebot, den Klietznicker Weinkeller zu besichtigen. Hier bekamen die interessierten Besucher nicht nur einen Blick auf die vollen Fässer, sondern auch einen rechts ausführlichen Vortrag von Andreas Dertz über die Geschichte des Klietznicker Weinanbaus und ein paar "Geheimnisse" der Weinbereitung. Er erinnerte daran, dass es ein Mitglied der Jury im Europawettbewerb "Unser Dorf hat Zu-kunft ..." war, ein Österreicher, der zu den Klietznickern meinte: Wenn dieser Hügel schon Weinberg heißt, dann sollte doch ein so pfiffiges Völkchen auch auf die Idee kommen, hier mal Wein anzubauen!

Das war freilich auf dieser ehemaligen Talsanddüne, entstanden in der Eiszeit, nicht einfach. Reiner weißer Sand ist kein geeigneter Boden für den Weinbau. Erde wurde angefahren, Terrassen angelegt, Wein gepflanzt - der weiße "Phoenix", der zu Traubensaft verarbeitet wird, und der dunkle "Regent" der Wein von einer wunderbar dunkel leuchtenden Farbe, den "Klietznicker Rubin" ergibt. Dies und vieles mehr berichtete Andreas Dertz den Besuchern, und auch von den "Wein-Paten" auf dem Weingut Müller in Alzey-Heimersheim, wo der Wein schließlich abgefüllt und zuvor von einem versierten Kellermeister "geschönt" wird, damit er so köstlich schmeckt, wie sich die Gäste nun überzeugen konnten.

Der neue Jahrgang ruht nun in den Fässern, und die Hoffnung, dass es wieder ein guter Wein wird, ist berechtigt, auch wenn er nicht ganz so viele Sonnenstunden bekommen hat. Mit 83 bis 85 Grad Oechsle sind die Voraussetzungen aber sehr gut: Es ist genügend Zucker da, der zu Alkohol vergären konnte. Und das passierte zügig und kräftig, berichtete Andreas Dertz. Zu Ausgang des Winters werde der Wein fertig sein, kündigte er an.

Nach den Weinkeller-Führungen widmete er sich seiner zweiten Hauptaufgabe an diesem Tag: dem Auftritt mit den "Klietznicker Dorfspatzen". Es fiel ihnen nicht schwer, die gute Stimmung, für die die Weinbergmusikanten zuvor schon gesorgt hatten, weiter hoch zu halten.

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