Bye bye Luise. Der historische Schrauben-Schlepp-Dampfer, der in den vergangenen Monaten in der Genthiner SET-Werft flott gemacht wurde, hat die Kanalstadt in Richtung Brandenburger Heimathafen verlassen. Dort wird er zur Bundesgartenschau zu sehen sein.

Genthin l Ein wenig Wehmut kam auf, als die Abfahrt des historischen Schlepp-Dampfers am vergangenen Freitag bevorstand. Rund sechs Monate waren die Werft-Mitarbeiter immer wieder mit der Restaurierung des historischen Schiffes betraut. Sie haben unter anderem die Ruderanlage instand gesetzt und diverse Schweißarbeiten am Deck ausgeführt. In Auftrag gegeben hatte der Verein Historischer Hafen Brandenburg die Arbeiten. Seit einigen Jahren kümmert sich der Verein als Besitzer um den Erhalt des Schiffes. Zum Abschied versammelte sich das Werft-Team um Betriebsleiter Michael Hupka am Kai. "Wir bedanken uns für die gute Zusammenarbeit", meinte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Unger.

Ohne die Mitarbeit der Genthiner wäre das Schiff nicht in diesem guten Zustand. "Wir können als Verein viele Arbeiten in Eigenleistung erbringen, aber bestimmte Dinge gehören in die Hände von Fachleuten. Die Genthiner Werft war für uns ein Glücksgriff." Mit einem kleinen Souvenir zum Abschied bedanken sich die Vereinsmitglieder bei den Werftmitarbeitern und Punkt 12 Uhr hieß es Leinen los.

Die beflaggte Luise legte langsam ab und machte sich auf den Weg durch den Elbe- Havel-Kanal in Richtung Heimat. "Unser Schiffsführer Kurt Lukat hat die Luise sicher nach Hause geführt", erzählt Schatzmeister Torsten Kirchhoff. Luises Schwesternschiff, der 113 Jahre alte Fischtransporter "Lina Marie" begleitete die Fahrt. "Das war für uns eine zusätzliche Sicherheit, falls die Motoren auf der langen Strecke versagt hätten", so Kirchhoff. Aber es gab keine Probleme, sodass die Schiffe am Nachmittag um 16 Uhr in Brandenburg eintrafen.

Obwohl die Luise nunmehr wieder in ihrem Heimathafen vor Anker liegt, bleibt eine Verbindung nach Genthin bestehen, stammte doch ihr erster Eigner aus Mützel. Auf der Gebrüder-Wiemann-Werft in Brandenburg wurde das Schiff 1910 gebaut. Eigner waren Koch Schulze aus Mützel. Da die Ehefrau von August Schulze Luise hieß, wurde nach ihr das Schiff benannt.

Weitere Eigner waren Wilhelm Jeserich, Erich Jeserich, Lothar Geisendorf aus Brandenburg und Reinhard Schallock aus Geltow, welcher den Dampfer vor dem Abwracken rettete. "Zeitzeugen, die zur Geschichte der Luise etwas beitragen können, werden gebeten, sich beim Vereinsvorstand zu melden", ruft Kirchhoff auf. Auch sei der Verein dankbar über Werftunterlagen, Bilder, Logbücher oder Frachtpapiere. "Wir wollen immer auch ein wenig von der Historie der Schiffe aber auch des alten Werftstandortes vermitteln", sagt Kirchhoff. Denn ein wichtiger Teil der Vereinsarbeit sei auch die Aufarbeitung geschichtlicher Zusammenhänge und Abläufe.

"Wir machen richtige Museumsarbeit", fügt Vereinschef Unger hinzu. Mit der Überführung ist die Arbeit für den Verein noch lange nicht getan. Unter anderem geht es mit dem Innenausbau weiter. Zudem wird an den sanitären Anlagen gearbeitet und es werden Sitzgelegenheiten eingebaut.

Denn zur Bundesgartenschau wird es mit dem Schiff Rundfahrten geben und die hoffentlich zahlreichen Gäste sollen sich an Bord wohlfühlen. Im Sommer hatte der Verein unter den Sponsoren Freifahrten vergeben.

Die erste findet am Freitag 1. November um 11 Uhr ab Hafen "Am Packhof" statt. Geplant ist der Besuch der Bollmann-Statue an der Regattastrecke.

Interessenten können sich bei Torsten Kirchhoff unter der Telefonnummer (0178)3270745 für eine Reservierung melden. Spenden werden weiterhin benötigt, um Sitzgelegenheiten auf der "Luise" zu schaffen und den Motor zu überholen.

Weitere Informationen gibt es auf der Website des HHB unter: www.historischer-hafen-brandenburg.de

   

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