In die Jungrinderstätte der Tierproduktionsgenossenschaft Derben-Ferchland-Nielebock zieht "Wohlfühl-Atmosphäre" ein. Einer von drei älteren Ställen in Nielebock ist bereits fertig umgebaut. Die anderen sind im Frühjahr dran.

Nielebock l "Eigentlich können wir uns das gar nicht leisten", sagt TPG-Chef Klaus Behrendt mit Blick auf die aktuelle Entwicklung der Milch- und Fleischpreise. "Aldi hat die Milchpreise jetzt um 8 bis 10 Cent pro Liter gedrückt. Auch die Fleischpreise sind gesunken." Die Sanktionen gegen Russland und im Gegenzug der Abnahmestopp von landwirtschaftlichen Produkten macht sich bemerkbar. Es gibt ein Überangebot, das diesen Preisdruck erst möglich macht. Und der EU-weite Markt kommt dazu. "Bisher gab es drei Anbieter in Deutschland für die `weiße Linie`, jetzt sind es 15 Anbieter aus mehreren EU-Ländern", erklärt Behrendt.

Und das nächste Problem stehe schon vor der Tür: "Am 1. April 2015 fällt die Milchquote weg!" Dann sei zu erwarten, dass das Überangebot noch größer werde. "Wir wissen nicht, ob deutsche Molkereien dann zur billigeren Milch aus den Nachbarländern greifen."

Dieser Preiskampf gehe zu Lasten der Menschen und der Tiere, kritisiert Behrendt. "Auch für Bauern gilt der Mindestlohn!" unterstreicht er. Und um die Bedingungen für die Tiere zu verbessern, sei schon viel investiert worden. "Es gelten immer höhere Standards in Deutschland. Investitionen sind dafür notwendig. Aber für die Produkte bekommen wir weniger Geld!"

Trotz der angespannten Situation zieht die TPG den Umbau der Jungrinder-Ställe durch, um die Tiere artgerecht halten zu können. "Die Quadratmeterzahl pro Tier wird erhöht, das Stallklima verbessert, es wird heller und luftiger", zählt Behrendt auf. Weiterhin werde das Trinkwasser für die Tiere im Winter geheizt, die Wasserleitungen werden mit Filtern versehen, so dass das Brunnenwasser dann Trinkwasserqualität habe. Auch die Elektrik wird saniert.

Die drei Ställe sind 1970 gebaut und schon zweimal umgebaut worden - in die 1980er Jahren und nach 1990. Pro Stall werden künftig statt 130 Tieren nur noch 80 Tiere stehen. Zuletzt waren nur noch zwei Ställe mit Jungrindern belegt, künftig sollen alle drei genutzt werden, um die gleiche Tierzahl unterzubringen.

Ein Blick in den ersten umgebauten Stall zeigt, wie gut die Bedingungen für die Tiere hier nun sind. Die Jungrinder haben viel Platz, sich zu bewegen und soziale Kontakte zu pflegen, sich gegenseitig zu lecken zum Beispiel. Die Luft ist angenehm frisch, denn eine Seite des Stalls wurde fast komplett geöffnet und ist nun mit einem stabilen, durchsichtigen "Rollo" versehen, das von unten nach oben teilweise oder komplett geschlossen werden kann - je nach Wetterlage. Dank einer Automatik wird es bei starkem Wind von allein zugehen, erklärt Behrendt.

Ein riesiger Berg mit Schrott und Betonteilen neben dem Stall lässt ahnen, was alles herausgerissen wurde. Hinter dem Stall ist das Güllebecken zu sehen, das ebenfalls erneuert wurde. Und auch die Futterplatte wurde saniert.

Dass der Umbau der beiden anderen Ställe auf das nächste Jahr verschobenen werden muss, liege daran, dass die entsprechenden Firmen zur Zeit einfach ausgebucht sind, erklärt Klaus Behrendt.

Den Tieren geht es jetzt deutlich besser. Ob es sich auch für die Bauern auszahlt, ist eher fraglich. "Bei diesen Preisen für unsere Produkte könnten wir uns eine artgerechte Haltung eigentlich gar nicht leisten. Die Niedrigpreise verlangen eine Konzentration der Produktion, eine Massentierhaltung, um effektiv produzieren zu können."

Natürlich seien kleinere Einheiten besser - für die Tiere und mit Blick auf den Verbleib der Gülle. Doch das, weiß Behrendt, interessiere kaum einen Verbraucher, sobald er im Supermarkt stehe und nach den billigsten Preisen schaue. "Nicht der Bauer ist schuld an der Konzentration der Tierhaltung", unterstreicht er.

 

Bilder