Namen von Bergzowern, die vor fast hundert Jahren ihr Leben verloren, und jener, die Opfer des Zweiten Weltkriegs wurden, sind am Sonntag in Bergzow laut vorgelesen worden. Es waren viele Namen von Familien, die heute noch hier leben, dabei. Das machte diese Gedenkveranstaltung sehr bewegend.

Bergzow l Das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs steht schon sehr lange am "Bäckereck" unweit der Kirche in Bergzow. Jahrzehntelang war die Anlage kaum mehr gepflegt worden, bis nun Heidemarie Richter die Initiative ergriff. Sie ist eigentlich gar keine "echte" Bergzowerin, sondern zog 1994 aus der Börde hierher. Heimisch wurde sie aber schnell, engagierte sich in Vereinen und lernte so viele Bergzower gut kennen.

Für ihr Vorhaben, hundert Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges dieses Denkmal und mit ihm die Namen der Toten aus der Vergessenheit zu holen, fand sie schnell Unterstützung. Die Gedenkveranstaltung am Sonntag zeigte das beeindruckende Ergebnis. Es wurden nicht nur der Denkmalsockel saniert und Pflanzungen vorgenommen, sondern auch die Namen der Opfer des Zweiten Weltkriegs zusammengetragen, die bisher nirgends alle zusammen aufgeschrieben waren. Daran habe Ortschronistin Hannelore Dümecke den größten Anteil, betonte Heidemarie Richter.

"Sag mir, wo die Blumen sind ..." sang der Bergzower Frauenchor zu Beginn der Gedenkveranstaltung. Bergzower Kinder und junge Männer lasen dann die Namen aller Toten und Vermissten aus Bergzow beider Weltkriege vor. Und Isabell Mehlhase rezitierte ein gedicht von Berthold Brecht, worin es heißt "... dass die Völker nicht erbleichen..., sondern ihre Hände reichen ..."

"Es sind 149 Namen, die hier verlesen wurden", sagte Heidemarie Richter. So viel Leid verbinde sich mit diesem kurzen Wort - Krieg. Sie mahnte: "Krieg kommt ja nicht von einem höheren Wesen, sondern von Menschen. Das heißt, dass er von Menschen auch verhindert werden kann!" Diese 149 Menschen starben im Alter zwischen 17 und 44 Jahren, hatten ihr Leben noch vor sich. Allein der Gedanke daran müsse nachdenklich stimmen und auffordern, etwas für den Frieden zu tun.

"Wer vor der Vergangenheit die Augen verschließt, wird blind für die Gegenwart", zitierte sie Richard von Weizsäcker, ehemaliger Bundespräsident. Es sei sehr beunruhigend, dass heute zunehmend militärische Unterstützung Deutschlands in Krisengebieten gefordert werde, während doch zivile Unterstützung und Friedenspolitik Vorrang haben sollte. Es müsste eigentlich darum gehen, Verantwortung wahrzunehmen, um durch präventive Maßnahmen krieg und Gewalt möglichst im Vorfeld zu verhindern. "Wir alle müssen uns bemühen, ein bisschen dazu beizutragen, den Frieden sicherer zu machen!"

Zum Schluss bedankte sich Heidemarie Richter bei allen Vereinen und weiteren Bergzowern, die dazu beigetragen haben, den Gedenkstein in Ordnung zu bringen und diese Gedenkveranstaltung vorzubereiten und zu gestalten. Mehrere Blumengebinde wurden am Gedenkstein niedergelegt, unter anderem von Ortsbürgermeisterin Antje Wascher.

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