Genthin l Das ist die Meldung des Tages: Durch den Verkauf an die Gemini Holding AG konnte die sofortige Schließung der von einer Insolvenz bedrohten Produktionsstandorte der Hansa Group AG sowie deren Tochtergesellschaften Luhns GmbH, Waschmittelwerk Genthin GmbH und der Chemische Fabrik Wibarco GmbH abgewendet werden.

Das tagelange Tauziehen bei den Verhandlungen zwischen der Gemini Holding AG und den Gewerkschaften über tarifliche Anpassungsvereinbarungen hat nun doch zu einer Einigung geführt. Die war Voraussetzung für das endgültige Wirksamwerden des Kaufvertrages.

Der Gläubigerausschuss und der Sachwalter hätten den neuen Kaufverträgen zugestimmt, hieß es seitens des Vorstandes.

Während das Duisburger Unternehmen meldete, dass die Kaufverträge über Vermögenswerte der Hansa Group AG sowie deren Tochtergesellschaften erneut und unter veränderten Bedingungen abgeschlossen worden seien, wurde die Gewerkschaft, die IG BCE (Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie), Tarifregion Hannover, deutlicher. Sie äußerte sich detailliert zu den Konsequenzen für die Belegschaft, darunter auch für die des Waschmittelwerks Genthin GmbH.

"Für die Beschäftigten bedeutet das harte Einschnitte, doch 400 Arbeitsplätze haben wir gerettet - und dies sprichwörtlich in letzter Sekunde", sagte Marc Welters, Verhandlungsführer der IG BCE. "Wir konnten die Zukunft der Standorte sichern und sind überzeugt, dass die Produktpalette verbunden mit den qualifizierten Mitarbeitern eine gute Basis bildet, um erfolgreich am hart umkämpften Markt zu bestehen." Wie Marc Welters informierte, sehen die Umstrukturierungen vor, dass rund 100 Arbeitsplätze bis März 2015 wegfallen. Dabei würden die Belegschaften vor Ort reduziert und eine zentrale Verwaltung in Duisburg aufgebaut. Für die betroffenen Beschäftigten werde eine Transfergesellschaft gegründet. Weitere betriebsbedingte Kündigungen sind bis zum 31. Dezember 2016 ausgeschlossen. Die Produktionsstandorte sind bis dahin gesichert.

Für die verbleibende Belegschaft von rund 400 Arbeitnehmern werden die Grundvergütungen für fünf Jahre um zehn Prozent gekürzt und auf dieser Höhe eingefroren. Danach erfolgt eine Heranführung an das Niveau der dann gültigen Flächentarifverträge innerhalb von drei Jahren. Somit gilt ab dem 1. Dezember 2022 der jeweils gültige Tarifvertrag der chemischen Industrie. Welters verweist auf einen weiteren Erfolg der Gewerkschaft: Mitglieder der IG BCE erhalten von 2015 bis 2022 jeweils mit dem Novembergehalt eine Einmalzahlung von 300 Euro.

Weiteren Forderungen wie die Streichung der Jahresleistungsprämie und des Urlaubsgeldes seien abgewehrt worden. Marc Welters zeigte sich im Gespräch mit der Volksstimme zufrieden mit den Ergebnissen der Verhandlungen, die mehrfach zu scheitern drohten. "Mehr war nicht drin", sagte er. Der Investor sei von seinem ursprünglichen Ansatz, 30 Prozent bei den Personalkosten einzusparen, weit weit weg geblieben." Erleichterung gab es auch beim Genthiner Betriebsratsvorsitzenden Olaf Thiele. "Wir sind zufrieden, dass uns die Rettung des Standortes gelungen ist." Offiziell tauchte gestern in einer Meldung der dpa im Zusammenhang mit dem Verkauf an die Gemini Holding AG auch wieder der Name Khodayar Alambeigi, einstiger Aufsichtsrat, Vorstandssitzender und Mitglied des Vorstandes der Hansa Group, auf. Er werde künftig die Verantwortung für die Unternehmensgruppe tragen, hieß es. "Wir glauben an das Potenzial der Gruppe und deren Belegschaft", wird er zitiert.

Die Agentur zitiert des Weiteren den vom Amtsgericht Duisburg bestellten Sachwalter Rechtsanwalt Horst Piepenburg. Er dankte allen Sanierungsbeteiligten "für den immensen Kraftakt, den Einigungswillen und den langen Atem, um so viele Arbeitsplätze wie möglich und die Gruppe zu erhalten."

Gestern Nachmittag informierte der Betriebsrat die mitarbeiter ausführlich und detailliert über die Ergebnisse der Verhandlungen in Duisburg. "Im Genthiner Waschmittelwerk sind gegenwärtig 130 Mitarbeiter tätig. Die Ängste, dass sich die Werkstore endgültig schließen, waren unter der Belegschaft besonders groß, nachdem sich die Firma Henkel im Jahr 2009 aus Genthin zurückzog. Damals stand vorübergehend auch die Schließung des Werkes in Genthin im Raum. Der Standort hat eine mehr als 90-jährige Geschichte. In schweres Fahrwasser ist er durch die Probleme der Hansa Group gekommen, die nach einem gescheiterten Schuldenabbau im Sommer Insolvenz angemeldet hatte.

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