Auch in diesem Jahr sucht die Volksstimme unter dem Motto "Du bist spitze" den Lokalmatadoren. Acht Kandidaten stehen zur Auswahl. Wir präsentieren die Nominierten im Porträt. Heute: Carsten Hannig, Vorsitzender des Pareyer Schalmeienorchesters.

Parey l Ein Festumzug ohne Musik - das geht nicht. Erst Musik bringt den richtigen Schwung. Ob zu Dorffesten, Jubiläen oder Laternenumzügen - in den Orten der Region ist es oft das Pareyer Schalmeienorchester, das für diesen Schwung sorgt. Und auch weit über die Region hinaus sind die Pareyer Hobby-Musiker längst bekannt und beliebt.

Dass das so ist, daran hat Carsten Hannig großen Anteil. Der 48-jährige Pareyer ist seit 39 Jahren Mitglied des Schalmeienorchesters. Er hat als Schüler angefangen und nie aufgehört. Seit Ende der 90er Jahre ist er Vereinsvorsitzender, bald danach hat er auch die Aufgabe des musikalischen Leiters übernommen. Er hat das Ensemble aus den Nachwende-Tiefs herausgeführt. Heute gehören 38 Aktive dazu - eine gute Zahl. "Ich möchte auch nicht mehr mit 80 Leuten Musik machen, wie das früher mal war", blickt Carsten Hannig auf die Zeit in der DDR zurück.

"Mittlerweile sind wir alle musikalische Leiter", relativiert Carsten Hannig seinen "Job" und erklärt: "Die, die jetzt dabei sind, haben auch ganz, ganz viel Interesse an der Musik und sind immer auf der Suche nach Ideen und danach, wo wir neue Noten herkriegen." Mit anderen Schalmeienkapellen werden zum Beispiel Titel getauscht, um den Zuhörern mehr Vielfalt bieten zu können. Denn schon lange nicht mehr begnügt sich das Schalmeienorchester mit reiner Marschmusik.

"Es ist schön so, wie es jetzt ist", schwärmt Carsten Hannig von "seinem" Orchester. Es sei einfach toll, wie alle mitziehen und sich einbringen. Aber jemand an der Spitze, der Mut hat und Zugpferd ist, muss eben auch sein. Sonst hätte das Schalmeienorchester nicht mehrere Umzüge der anderen Art überstanden: Mit "Sack und Pack" immer wieder in neue Vereinsräume, immer wieder renovieren, Möbel und anderes Inventar schleppen, neu einrichten. Und sonst würde es auch nicht funktionieren, dass das Orchester nun schon mehrere Jahre das Vereinshaus in Parey von der Gemeinde in Pacht übernommen hat, eigenverantwortlich führt und sich um die Finanzierung kümmert. Der Heimatverein hat einen Raum hier, die Mitglieder des Seniorenclubs treffen sich hier weiterhin und wurden inzwischen als passive Mitglieder ins Orchester aufgenommen. Durch Vermietung an eine Fahrschule, durch Blutspendetermine, durch private Feiern trägt sich das Haus - alles organisiert von Carsten Hannig und seinem Vorstands-Team. "Und immer in Abstimmung mit der Gemeinde", betont Hannig.

"Es hätte uns als Verein auch das Genick brechen können", räumt er ein. Aber der Mut, das so anzupacken, habe sich am Ende doch bewährt. Und so hat das Pareyer Schalmeienorchester endlich ein Zuhause - hoffentlich für lange Zeit.

Das ist wichtig, denn es fördert das Vereinsleben und den Zusammenhalt. In den vergangenen Jahren hat nicht nur die Mitgliederzahl, sondern auch die Zahl der Auftritte wieder sehr zugenommen - viel mehr geht nicht bei Hobbymusikern, die ja auch noch Job und Familie mit "unter einen Hut bringen" müssen.

Anfragen kommen nicht nur aus vielen Städten und Dörfern des Jerichower Landes, sondern auch aus den Nachbar-Landkreisen und darüber hinaus. "Es kommen ganz viele Neue dazu, die uns wollen", freut sich Hannig. So kommt auch ein bisschen Geld rein, das zur Finanzierung neuer Instrumente, neuer Noten, des Vereinshauses und so weiter gebracht wird. Nur im Heimatort Parey - da wird bei Veranstaltungen für die Vereine, für den Kindergarten, fürs Dorf traditionell unentgeltlich musiziert.

Wie ein roter Faden zieht sich die Schalmeienmusik durch das Leben von Carsten Hannig, welches ansonsten durchaus nicht ganz geradlinig verlaufen ist. Nach Abschluss der 10. Klasse in Parey hat er im hiesigen Stahlbau eine Ausbildung als Maschinen- und Anlagenmonteur absolviert. Eineinhalb Jahre Grundwehrdienst folgten, dann begann er ein Studium zum Schweißingenieur, merkte jedoch, dass das nichts für ihn ist.

Nach einem Dreivierteljahr brach er es ab und fing statt dessen als Erzieher im Lehrlingswohnheim der Energieversorgung in Genthin an. Berufsbegleitend begann er ein Studium zum Erzieher. "Das fiel gerade in die Wendezeit hinein. Keiner wusste, ob wir es auch abschließen können.

Doch es klappte: 1993 bekam er seinen Abschluss als staatlich anerkannter Erzieher.

Dann aber wurde das Lehrlingswohnheim in Genthin geschlossen, weil alles nach Burg ging. Und Carsten Hannig wechselte zum Kinder- und Jugendfreizeitzentrum in Genthin. Er löste hier Otto Schulze ab, machte Holz- und Schiffsmodellbau. Zehn Jahre war er hier. Nach dem zweiten Trägerwechsel des Zentrums fiel seine Stelle weg. Eineinhalb Jahre hat er dann in einem privaten Kinderheim in Bergzow gearbeitet, und seit acht Jahren ist er nun bei der flexiblen Familienhilfe beim Corneliuswerk Burg, Außenbereich Stendal.

"Das ist schön", sagt Carsten Hannig von seinem derzeitigen Job, räumt jedoch ein, dass er noch lieber als Lehrer arbeiten würde. Mehrere Monate hatte er das schon ausprobieren können. "Es hat Spaß gemacht!" Es liegt ihm, jedoch um nach heutigen Kriterien als Lehrer arbeiten zu dürfen, müsste er mehrere Jahre Studium nachholen, weil nichts von dem, was er bereits hat, anerkannt werde. Pädagogische Ausbildung, Fachwissen, Enthusiasmus zählen nicht.

So bleibt er bei seinem derzeitigen Job, der ihm durchaus auch Freude macht - wenn er auch nicht jedem helfen könne. "Man hat seine Erfolgserlebnisse - und man hat seine Tiefschläge", sagt er. "Aber die Erfolgserlebnisse und die schönen Seiten überwiegen." Es sei schon öfter passiert, erzählt er, dass alle gesagt haben: "Das geht nicht!" Und er: "Das geht doch!"

Man müsse kommunikativ sein und wissen, wie man an ein Problem herangehe. Man müsse immer wieder hinterfragen - dann finde sich oft ein Weg, wo zunächst keiner zu erkennen war.

Diese Hartnäckigkeit hat Carsten Hannig auch seit Jahren in den Klassen- und Schulelternräten eingebracht - in der Grundschule, in der Sekundarschule und jetzt auch im Gymnasium. Sein Großer ist jetzt in der 10. Klasse in Parey, der "Kleine" in der 6. Klasse im Bismarck-Gymnasium in Genthin.

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