Die Familien von Ines V. und Claudia M. sind im vergangenen Jahr Opfer von Tageseinbrüchen geworden. Ihre Eigenheime wurden verwüstet, diverse Wertgegenstände gestohlen, viele unwiederbringlich-persönliche Sachen sind verloren gegangen. "Nie hätten wir gedacht, dass uns so etwas passieren kann", sagen die beiden Frauen und mahnen Mitbürger zu mehr Aufmerksamkeit.

Genthin l Noch vor Weihnachten wurden die beiden Familien Opfer der Einbrecher. Nur flüchtig war die öffentliche Wahrnehmung. Doch im Leben von Claudia M. und Ines V. ist seitdem nichts mehr, wie es mal war.

Das Geschehene liegt wie eine schwere Last auf den Seelen der beiden Frauen. Ein Gaststättenbesuch der Familie M. reichte den Tätern aus, um im Eigenheim abzuräumen, was abzuräumen ist.

Ein Pkw, Schmuck, Wertgegenstände. Alle Schränke und Schubladen seien durchwühlt gewesen - ein fürchterlicher Anblick habe sich der Familie geboten, als sie von dem Gaststättenbesuch nach Hause kam. Claudia M., eine attraktive junge Frau, die mitten im Leben steht, erlitt nach dem Einbruch einen Nervenzusammenbruch, musste sich einige Zeit in ärztliche Behandlung begeben. "Ich versuche stark zu sein, aber es gab Zeiten, da ging das gar nicht". Die Diebe sind immer noch allgegenwärtig. "Wenn ich ins Bett gehe, muss ich immer noch daran denken, dass die Einbrecher die Matratzen hochgekippt und auch die Betten durchwühlt hatten."

"Mir sitzt der Ekel im Nacken, wenn ich daran denke, dass die Täter alles in unserem Haus begrabscht haben", sagt auch Ines V. Die junge Frau ist aufgewühlt, wenn sie davon berichtet, welche materiellen und ideellen Schäden die Diebe ihr und ihrer Familie zugefügt haben. Sie machten um bereits eingewickelte Weihnachtsgeschenke ihrer Kinder keinen Bogen, stahlen wertvollen Schmuck und Uhren.

Ihre Ringe, allesamt Unikate, die sie auf Messen erwarb, sind ebenso zur Beute geworden wie der liebgewordene Ehering. Mitgehen ließen die Diebe sogar Fotoalben der Familie: "Unser halbes Leben an Bildern ist weg", sagt eine traurige Ines V.

Unter das Gefühl der tiefen Betroffenheit mischt sich bei den beiden Opfern aber auch ein Stück weit Verärgerung.

"Man wird im Regen stehengelassen", meint Ines V. Ihr Mann und sie haben noch andere Einbruchsspuren als die von der Polizei festgestellten entdeckt, sie fotografiert und den Ermittlern gemailt. Bis heute wüsste sie nicht, ob diese Mail die Polizei erreicht hätte, eine Antwort habe es nicht gegeben. Zugleich hätten die Ermittler Gegenstände zur Spurensuche sichergestellt - bis heute sei kein Ergebnis bekannt, noch seien die Gegenstände zurückgegeben worden.

"Keiner aus der Familie betritt seit dem Einbruch allein das Haus."

Ines V.

"Ich kann zwar diese subjektiven Befindlichkeiten der Geschädigten gut nachvollziehen, aber die Polizei kann es einfach nicht leisten, die Betroffenen über jeden einzelnen Ermittlungsschritt, den sie unternimmt, zu informieren", reagierte Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch. Die Auswertungen, die zum Teil auch Experten übernehmen, erstreckten sich nicht nur über einige wenige Tage, die Betroffenen bekämen ihre persönlichen Sachen in jedem Fall zurück.

Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch versicherte gestern gegenüber der Volksstimme, dass in beiden Fällen alles Menschenmögliche getan würde, um die Täter zu überführen. In einem Fall seien ganz aktuell die Ermittlungen abgeschlossen und das Verfahren liege mittlerweile bei der Staatsanwaltschaft Stendal.

Der Frust über das Geschehene sitzt bei den Opfern dennoch so tief, dass sich Claudia M. in einem Schreiben an den Chef der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Nord, Andreas Schomaker, wenden will. Ihr Schreiben erreicht auch eine politische Dimension.

In dem Entwurf ihres Schreibens stellt sie in Frage, ob die Polizei nach der jüngsten Strukturreform dem Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung überhaupt noch Rechnung tragen kann.

"Auch die Polizeibeamten sind frustriert, weil sie den Unmut der Menschen sehen und nicht schnell genug an Ort und Stelle sein können, weil Personal fehlt", heißt es in dem Entwurf.

Polizeisprecher Thomas Kriebitzsch teilt diese Kritik jedoch nicht und ging auf Anfrage auf die aktuelle, sogenannte Organisationsfortentwicklung näher ein. Demzufolge sind im Landkreis vier Streifenbereiche geschaffen worden, die rund um die Uhr mindestens mit einem Funkstreifenwagen besetzt sind.

Ihre Besatzungen seien ausschließlich für das Notrufmanagement zuständig und seien relativ kurzfristig vor Ort. Zusätzlich gebe es in jeder Gemeinde Regionalbereichsbeamte. Zudem machte Kriebitzsch darauf aufmerksam, dass gerade im Zuge der Hauseinbrüche die Polizei des Jerichower Landes Unterstützung von Kollegen aus Magdeburg erhalte.

Für die Opferfamilie hat sich seit den Einbrüchen im alltäglichen Leben viel verändert. Versicherungen haben zwar wie Ines V. als auch Claudia M. übereinstimmend bestätigen, unkompliziert Schadensansprüche geregelt, doch nichts sei mehr wie vor den Einbrüchen. "Keiner aus unserer Familie betritt das Haus allein oder bleibt allein zu Hause. Wir müssen einfach damit leben. Uns bleibt keine andere Wahl", sagt Ines V. verbittert.

Ähnlich ergeht es Claudia M. Die minderjährige schulpflichtige Tochter der Familie wird nach dem Unterricht nicht mehr allein nach Hause kommen.

"Wir wollen sie nicht Ängsten aussetzen. Irgendwie müssen wir sehen, dass die Betreuung am Nachmittag durch die Großeltern abgesichert werden kann", erklärt Claudia M.

"Bevor bei uns die Diebe einstiegen, waren wir immer der Meinung, dass dies allen anderen passieren würde, nur uns nicht. Das war ein großer Irrtum. Wir appellieren deshalb an alle Bürger, mehr auf Auffälligkeiten zu achten, um möglichen Einbrüchen vorzubeugen", resümieren die beiden Opfer.