Güsen l Türklingel und Telefon wechselten sich gestern ab mit dem Läuten: Zahllose gute Wünsche erhielt Lieselotte Brenner anlässlich ihres 90. Geburtstags. Ortsbürgermeister Dr. Helmut Preuß gratulierte, Pfarrer Andreas Breit und seine Frau kamen mit einem Lied auf den Lippen in die Stube, und natürlich auch Nachbarn und gute Bekannte gratulierten.

Die eigentliche Feier "steigt" aber erst am Sonnabend im Gasthof Eisenbahn. Dann werden nur wenige von der großen Familie nicht kommen können. Lieselotte Brenner hat eine Tochter und zwei Söhne, sieben Enkel und fünf Urenkel.

Sie ist gebürtige Güsenerin und hat vom 14. Lebensjahr an gearbeitet. Zunächst war sie viele Jahre im Büro vom damaligen Kieswerk in Parey, wo heute der Bade- und Angelteich "Gladows Loch" ist, erzählt sie. Der Kies sei damals nach Pennigsdorf geliefert worden, wo die Munitionsfabrik errichtet wurde.

1947 hat Lieselotte Brenner geheiratet. Danach hat sie im Lohnbüro des Schwellenwerks Arbeit bekommen und blieb dort bis zur Rente, also bis 1985. Ihren Mann verlor sie 1999 und lebt seither allein - ohne jedoch wirklich allein zu sein. Denn ihre drei Kinder mit Partnern wohnen auch in Güsen und kümmern sich um sie, ebenso einige Enkel. Und viele gute Bekannte hat sie auch, unter anderem durch die Volkssolidarität.

Mit der Volkssolidarität habe sie etliche Reisen mitgemacht, berichtet sie. Aber auch privat sei sie viel gereist. Früher lagen die Ziele meist im Land, Thüringen zum Beispiel. Nach der Wende ging es weiter weg - nach Italien und Spanien zum Beispiel. Und die weiteste Reise führte Mexiko, wo sie einen Cousin hat. "Wir waren vier Frauen auf Tour", erzählt ihre Tochter. Es sei sehr schön gewesen.

Ein Hobby, das sie schon ihr ganzes Leben begleitet, ist das Lesen. Sie habe früher schon gern gelesen und tue das heute noch, sagt Lieselotte Brenner. Inzwischen sei das "Rentner-Hobby" Kreuzworträtsellösen dazu gekommen.

Im Moment lebt die Seniorin in ziemlicher Aufregung, die nicht nur mit diesem besonderen Geburtstag zu tun hat: Im März wird sie umziehen. Sie bekommt eine altersgerechte Wohnung im "Kastanienhaus". Da gibt es dann einen Fahrstuhl und bei Bedarf auch stets Betreuung, denn nach einer Krankheit Ende vergangenen Jahres ist sie doch nicht mehr ganz so rüstig. Weit weg ist es auch nicht, so dass Familie und freunde auch weiterhin regelmäßig "auf der Matte stehen" werden.