Das Stadtkulturhaus als Mehrzweckarena für Sport, Kultur und Bildung? Erstmals stellte Thomas Barz dieses Projekt im Dezember vor. Am Donnerstag präsentierte Architekt Steffen Lauterbach im Stadtrat die Machbarkeitsstudie.

Genthin l Wie reell ist der Traum vom Bildungszentrum, das Kita, Krippe, Grundschule, Sporthalle und Veranstaltungssaal vereint? Kann dieser Alleskönner tatsächlich auf dem Areal am Stadtkulturhaus entstehen? Darüber sollte die Machbarkeitsstudie Aufschluss geben, die Architekt Steffen Lauterbach am Donnerstagabend den Mitgliedern des Stadtrates vorstellte.

Warum?

In seiner Bestandsanalyse rückte Steffen Lauterbach das Stadtkulturhaus und das Haus 58 (Flachbau, ehemalige Kolping-Werkstatt) in den Mittelpunkt. "Wir haben zwei Gebäude und zahlreiche Nutzer vor allem im Saal." Das Kulturhaus sei wichtig für Genthin, da es den einzig großen Veranstaltungssaal biete. "Das Gebäude ist veraltet, darum hat die Stadt hohe Unterhaltungskosten." Eine Sanierung sei nötig, aber nicht möglich. "Es gibt weder Mittel im Haushalt noch Fördermöglichkeiten."

So entwickelte sich die Idee vom Bildungszentrum. Denn auch die Kita (Max und Moritz) und die Grundschule (Diesterweg) müssten saniert werden. Es läge nahe, die Einrichtungen zu verbinden, da für Schulen und Kindergärten Stark-III-Fördermittel möglich würden. Die Vereine könnten davon profitieren und das Kulturhaus weiterhin als Veranstaltungsort nutzen.

Finanzierung

Nur wenn es für das Projekt Stark-III-Fördermittel gibt, kann es realisiert werden. 70 Prozent würde dann das Land zahlen, 30 blieben als Eigentanteil für die Stadt. Immer noch viel Geld, wie sich jeder leicht ausrechnen kann. "Über wie viel Geld sprechen wir?", fragte Harry Czeke (Linke). Eine konkrete Summe erfuhr er nicht. Bürgermeister Thomas Barz: "Hier würden auf einen Schlag Kita, Schule, Turnhalle und Veranstaltungssaal saniert. Klar ist, dass das Geld kostet." Ohne neue Kredite sei das nicht möglich. "Wir haben keine Goldreserve", sagte Barz, verwies aber darauf, dass alle Einrichtungen ansonsten separat saniert werden müssten. "Im Moment verschlingen die veralteten Gebäude Unsummen an Betriebskosten. Wenn wir aus den vier Einrichtungen eine machen, sprechen wir von jährlichen Einsparungen, die am sechsstelligen Bereich kratzen."

Schule neben Chemiepark

Norbert Müller (CDU) und Wilmut Pflaumbaum (FDP) stellten die Frage in den Raum, ob es überhaupt möglich sei, eine Schule mitten in ein Industriegebiet, beziehungsweise neben den Eingang eines Chemieparks zu bauen. Thomas Barz sagte: "Es sind keine Einschränkungen bekannt. Am Ende ist es schlichtweg Ihre Entscheidung, ob Sie das wollen." Steffen Lauterbach ergänzte: "Bei den Vorgesprächen im Ministerium wurde nicht deutlich, dass der Chemiepark ein Hindernis wäre."

Vorgespräche

Die Worte "Vorgespräche" und "Ministerium" brachten Harry Czeke in Rage. "Warum wurde, ohne den Stadtrat damit zu beschäftigen, eine Bedarfsanmeldung gemacht?", fragte er und plädierte dafür, Lauterbachs Vortrag nun in den nichtöffentlichen Teil zu verlegen. Andreas Buchheister (CDU) unterbrach Czeke und fragte: "Können wir uns jetzt bitte den Vortrag zu Ende anhören?" Thomas Barz sagte: "Es wurden keine Anträge gestellt, sondern lediglich Bedarf angemeldet. Ansonsten wäre die Frist abgelaufen." Bedarf anmelden koste nichts, so Barz weiter. Dann erklärte der Bürgermeister den Unterschied zwischen einer Voranmeldung und einem Antrag. "Ob ein Antrag auf Fördermittel gestellt wird, entscheidet selbstverständlich der Stadtrat."

Unstrittig ist, dass in das Projekt Mehrzweckarena bereits Geld geflossen ist. Barz: "Für die Machbarkeitsstudie haben wir Mittel im Haushalt bereitgestellt."

Erdgeschoss

Im Erdgeschoss des Stadtkulturhauses sollen der Hort der Diesterweg-Grundschule, ein Speiseraum, eine Schülerküche und sanitäre Anlagen unterkommen. Im jetzigen Saal entsteht laut Plan eine Mehrzweckhalle für den Schul- und Vereinssport, die gleichzeitig als Aula und als Saal für Veranstaltungen mit Bühne sowie Licht- und Tontechnik dient. Auf Volksstimme-Nachfrage konkretisierte Thomas Barz: "Es wird eine Einfeldhalle mit einem normalen Hallenfußboden. Die Tore werden wahrscheinlich mit einem Klicksystem in der Wand verankert."

Obergeschoss

Hier sollen Unterrichts- und Fachräume sowie Toiletten und ein Lager Platz finden.

Keller

Laut Plan werden hier die Lagerräume der Vereine angesiedelt. Es gibt Garderoben und Umkleideräume für die Schüler, einen WC-Bereich und Platz für die Haustechnik.

Bildungshof

Draußen ist Platz für Pausenhöfe, Spiel- und Sportplatz.

Haus 59

In die ehemalige Kolping-Werkstatt sollen Räume für Krippe und Kita einziehen, außerdem sind ein Sanitärbereich, ein Bewegungsraum, eine Kinderküche, Räume für das Personal, eine Garderobe und ein Platz für Kinderwagen geplant.

Freifläche

Auf der freien Fläche am Kanal sollen Wohnungen entstehen. Laut Barz gäbe es bereits zwei Investoren mit Interesse. 20 bis 30 neue Wohnungen könnten entstehen.

Diskussion

Kritik am Projekt kam von Harry Czeke. "Für uns Stadträte ist das eine relativ neue Materie", sagte er und bemängelte, dass der Stadtrat noch nicht weiter damit beschäftigt worden sei. Er nannte das Projekt "faszinierend", aber ihm fehlte eine Schätzung der Kosten. "Ob das für uns zu stemmen ist, kann ich ohne Zahlen nicht einschätzen." Czeke sah außerdem "ganz viele Fragezeichen" und nannte das Projekt einen "kühnen Traum".

Thomas Barz erwiderte: "Ich bin die Quadratur des Kreises leid. Das ist ein Weg, Qualität in Genthin zu schaffen. Die Stadt ist finanziell am Boden." Nur mit Schule und Kita komme man an Fördermittel, ohne die gehe es im Stadtkulturhaus nicht weiter. Barz: "Einige sollten aufhören, Luftschlösser zu versprechen und zu ernsthafter Politik zurückkehren." Abschließend fragte er in die Runde: "Haben Sie eine bessere Idee, wie wir das Stadtkulturhaus sanieren können?"

So eine Idee trug niemand vor und man verständigte sich auf das weitere Vorgehen: Es wird nun in den Fraktionen beraten. Am 26. März tagt der Stadtrat erneut zu diesem Thema. Steffen Lauterbach wird bei dieser Gelegenheit die Fragen der Mitglieder beantworten. Die Sitzung ist öffentlich, auch Nichtmitglieder des Stadtrates können teilnehmen.