Knapp drei Tage nach dem Unfall war der in den Elbe-Havel-Kanal gerutschte Bagger wieder an Land. Passiert war der Unfall am Mittwochnachmittag bei den Kanalausbauarbeiten unmittelbar neben der Güsener Brücke. Der Baggerfahrer konnte sich unverletzt retten. Ein Zuschauermagnet war die Bergung des Baggers.

Güsen l Ein Subunternehmer der mit dem Kanalausbau beauftragten Firma hatte landseitig Baggerarbeiten ausgeführt, und direkt nachfolgend erfolgten von einem Schwimmbagger aus die tieferen Schachtarbeiten. Sicherheitskriterien sind natürlich einzuhalten, jedoch kann der Untergrund alle paar Meter wechseln. Ein Restrisiko bleibt immer, auf weichere Schichten zu treffen, die bei der großen Belastung nachgeben. Gute 50 Tonnen wiegt allein der Unfallbagger, mit Last entsprechend mehr.

Und diese Masse sollte nun in dem schlammigen Untergrund geborgen werden. Dass das nicht leicht werden würde, war auch den nicht fachkundigen Zuschauern klar, die in großer Zahl von der Brücke aus die Bergungsarbeiten beobachteten und teilweise viele Stunden aushielten - trotz der Kälte.

Mit eigener Technik der Kanalausbau-Firmen hatte es am Freitag nicht funktioniert. Ein anderer Bagger hatte sich am Ufer "eingegraben", und der Fahrer versuchte, mit der Hydraulik den Unfallbagger herauszuziehen. Dabei riss die Öse an der Kranschaufel ab.

Um die Stahltrossen unter Wasser am Unfallbagger zu befestigen - und überhaupt erstmal dessen genaue Lage festzustellen - war bereits am Unfalltag Unterstützung von der TAI-Tech GmbH aus Parchim angefordert worden, die auch Taucherarbeiten unter nahezu allen Bedingungen anbietet.

"Wir sind Donnerstag früh mit einer kompletten Taucher-Einsatzkolonne eingetroffen", berichtete TAI-Tech-Geschäftsführer Christian Hinkerobe. Dazu gehören vier Personen - zwei Taucher, ein Signalmann und ein Taucherhelfer, erläuterte er. Ins Wasser gehe immer nur ein Taucher. "Das sind Spezialisten", betonte er. Denn gearbeitet werden muss bei null Sicht. "Sehen" können die Taucher bei solchen Einsätzen nur mit den Händen, und dazu müssen sie auch die Technik, an der sie arbeiten, gut kennen. Strahltrossen wurden an diversen Stellen festgemacht - am Fahrwerk und am Ausleger zum Beispielt.

Da das Herausziehen am Donnerstag nicht funktioniert hatte, orderte die Baufirma Hilfe von der DiBuKa GmbH, ein Dienstleistungsunternehmen für Brand- und Katas-trophenschutz sowie Bergung verschiedenster Art. Am Freitag traf ein Tieflader mit einem Bergungspanzer ein, mit der Bergung begonnen wurde Sonnabend früh.

"Wir haben uns zunächst informiert, welche Technik schon vor Ort ist. Ohne die vorhandenen Bagger hätten wir einen zweiten Panzer mitgenommen", erklärte DiBuKa-Geschäftsführer Hans-Joachim Schulz. Tatsächlich hätte es der eine Panzer allein nicht geschafft. Das befürchteten auch viele der Zuschauer, die eifrig diskutierten und denen der in Blau umlackierte und umgerüstete ehemalige T-55 Panzer der 60er und 70er Jahre doch arg klein vorkam, um diese Aufgabe zu bewältigen.

Das DiBuKa-Team ließ sich jedoch weder von den vielen Zuschauern noch vom Umfang der Aufgabe aus der Ruhe bringen. Es war tatsächlich beeindruckend, wie souverän und ohne Hektik am Sonnabend die Bergung angegangen und nach mehreren Stunden auch erfolgreich beendet wurde.

Die Lösung, um den im Schlamm regelrecht festgesaugten Bagger, dessen Ketten auch noch schräg zur Zugrichtung standen, herauszubekommen, war die gute alte Technik des Flaschenzugs. Die Stahltrossen wurden über Umlenkrollen geführt, und auf diese Weise ist der Bergungspanzer in der Lage, 90 Tonnen zu ziehen, erklärte Hans-Joachim Schulz. Ein Bagger packte Landseitig noch mit an. So gelang es gleich im ersten "Ruck", den Unfallbagger ein Stück herauszuziehen.

Dann musste unterbrochen werden, um die Stahltrossen zu verkürzen und neu anzusetzen. Um dem Panzer zusätzliches "Gegengewicht" zu geben, hielt ihn nun der andere Bagger per Stahlseil fest und stattdessen zog der Schwimmbagger mit. So gelang es bis zum frühen Nachmittag, den Unfallbagger - äußerlich intakt - an Land zu ziehen.

Da immer ein Risiko bleibt, dass Stahlseile oder Ösen reißen können - wie es bereits am Donnerstag passiert ist - haben Beamte der Wasserschutzpolizei alle Zuschauer von der Brücke auf "Aussichtsplätze" auf der gegenüberliegenden Böschung verwiesen. Und auch für den Verkehr wurde die Brücke immer wieder gesperrt, sobald die Seile "auf Zug" gingen. Kraftfahrer mussten dann den kleinen Umweg über Zerben nehmen.

   

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