Genthin l Jede Gemeinde muss für das Ende eines Haushaltsjahres einen Abschluss aufstellen. Den Jahresabschluss für 2014 stellte Janett Zaumseil, die für die Stadtverwaltung im Bereich Finanzen tätig ist, vor Kurzem den Mitgliedern des Stadtrates vor. Auffälligste Zahl: das stattliche Defizit von 5,1 Millionen Euro. "Das ist viel, aber nicht ganz so viel wie erwartet", sagt Zaumseil. Im Planansatz war noch von einem Minus in Höhe von 6,1 Millionen Euro die Rede gewesen.

Warum ist das Defizit kleiner als ursprünglich angenommen? "Wir haben mehr Geld von Land und Landkreis für die Kitas der Stadt bekommen. Gleichzeitig wurde weniger als geplant für Personal sowie Sach- und Dienstleistungen ausgegeben", erklärt Zaumseil. Außerdem musste weniger Geld für die Gewerbesteuerumlage ausgegeben werden als angenommen. Dies sei aber kein Grund zum Jubeln, da auch weniger Gewerbesteuern als geplant eingenommen wurden.

Festzuhalten ist also ein vorläufiges Endergebnis von 5,1 Millionen Euro auf der Minusseite. "Das wird noch leicht ansteigen, weil die Bildung der Rückstellungen noch nicht abgeschlossen ist", so Zaumseil.

Bürgermeister Thomas Barz ordnete die Zahlen ein: "Ich bin froh, dass wir nicht bei dem ursprünglich angenommenem Defizit von 6,1 Millionen Euro gelandet sind. Trotzdem bewegen wir uns auf ganz, ganz dünnem Eis."

5,1 Millionen Miese - Das ist ein Fehlbetrag, der im Jerichower Land seinesgleichen sucht. Zum Vergleich: Burg hatte 2014 ein Minus von 3,9 Millionen Euro auf dem Konto, in Parey war es eine Million, Möckern schloss das Haushaltsjahr mit einem Fehlbetrag von 798 900 Euro ab und Jerichow präsentierte einen ausgeglichenen Haushalt. Wenn alle anderen Kommunen des Landkreises ihre Defizite addieren, kommen sie noch immer nicht auf den Genthiner Minusbetrag.

"Mit den Konsolidierungsmaßnahmen der vergangenen zwei Jahre haben wir die Situation des Haushalts verbessert", sagt Barz. So wurden in Genthin zum Beispiel nach langem Stillstand der Zahlen Hundesteuern und Friedhofsgebühren erhöht.

Trotzdem sei die Situation laut Barz "weiterhin stark angespannt". Weitere Maßnahmen zur Verringerung des Defizits müssten nun konkretisiert werden. Allerdings würden auch Dinge zur schlechten Situation beitragen, die die Stadt nicht beeinflussen kann. Beispielhaft nannte Barz die steigenden Energiekosten und die erhöhte Kreisumlage. Die Zuschüsse vom Land dagegen würden sinken. Von Bund und Land seien nun Maßnahmen nötig, um die Kommunen zu unterstützen und sie zeitgemäß und nachhaltig mit Finanzen auszustatten. Wie geht es weiter? "Mit der Fortschreibung des Konsolidierungskonzeptes wollen wir Möglichkeiten zur Entschuldung aufzeigen", sagt Barz. Und: "Mein persönliches Ziel ist es, Genthins Finanzen nachhaltig zu ordnen."