Soll die Fläche am Bahndamm in Tucheim als Bauland ausgewiesen werden oder nicht? Die Mitglieder des Genthiner Bauausschusses entschieden nach hitziger Diskussion: Dort soll wieder gebaut werden dürfen.

Tucheim/Genthin l Der Flächennutzungsplan der Stadt Genthin ist in Bearbeitung. Die Mitglieder des Bau- und Vergabeausschusses hatten am Montag über Änderungsanträge abzustimmen. Der erste Änderungswunsch kam aus Tucheim.

"Es geht um das Gelände am rückwärtigen Bahndamm", erklärte Bauamtsleiterin Dagmar Turian. Das Problem: Der Tucheimer Ortschaftsrat hatte beschlossen, dass diese Flächen nicht zur Bebauung freigegeben werden sollen. So hatte es die Stadt Genthin in den Flächennutzungsplan aufgenommen. Nun flatterte ein Antrag aus Tucheim ins Haus: "Der Ortsbürgermeister (Karl-Heinz Steinel) möchte die Flächen nun doch als Bauland nutzen."

Es geht um 30 bis 40 Bauplätze, ein kleiner Teil ist im Besitz der Stadt, der Rest in Privatbesitz. Gegen eine Ausweisung dieser Fläche als Bauland sprach sich Norbert Müller (CDU) aus: "Wegen eines Häuslebauers die ganze Fläche zu erschließen, das wird zu teuer für die Kommune. Wir müssen unsere Finanzlage bedenken."

Widerspruch kam aus Tucheims Nachbardorf, vom Paplitzer Ortsvorsteher Franz Schuster (LWG Fiener): "In Tucheim gibt es keine Flächen für junge Bauwillige. Wenn schon mal jemand auf dem Dorf bauen will, muss das möglich sein. Sonst wandert die Jugend in die Städte ab." Den Kommentar von Norbert Müller, dass es in Tucheim durchaus Bauland gäbe, wollte Schuster so nicht stehen lassen: "Neben dem Kuhstall will keiner bauen." Attraktives Bauland müsse her.

Mützels Ortsbürgermeister, Rüdiger Feuerherdt (WG Mützel), stellte die Frage in den Raum, ob man das Land nicht zur Bebauung freigeben könnte, ohne als Stadt für die Erschließung (Um dort zu bauen, muss zum Beispiel eine Zufahrtsstraße gebaut werden) verantwortlich sein. Dagmar Turian erklärte: "Wenn dort gebaut werden soll, muss das Gebiet jemand erschließen. Wenn Sie sich dafür entscheiden, die Fläche als Bauland auszuweisen, heißt das nicht automatisch, dass die Stadt die Kosten der Erschließung tragen muss."

"So bliebe also die Tür offen, dass dort gebaut werden kann, wenn sich ein Investor findet", stellte Feuerherdt klar. Das stellte Franz Schuster nicht zufrieden: "Bei 30 Bauplätzen und drei Bauwilligen findet sich kein Investor." Man müsse überlegen, was man wolle. "Wenn sich für die Bauwilligen auf dem Dorf nichts ändert, wandern sie ab und wir können in den Ortschaften die Krippen schließen." Dem widersprach Dagmar Turian: "In Tucheim sind Flächen ausgewiesen, die bebaut werden können. Ich möchte Ihnen die Bedenken nehmen, dass in Tucheim keiner bauen kann."

Norbert Müller erläuterte daraufhin erneut seinen Standpunkt: "Wenn wir das zum Bauland machen, kommen wir in Zugzwang, wenn dort jemand bauen will. Dann kommt die Erschließung irgendwann auf unseren Tisch."

Trotz dieser Bedenken stimmten die Mitglieder mit einer Gegenstimme (Norbert Müller), einer Enthaltung und fünf Ja-Stimmen für die Ausweisung der Fläche am Tucheimer Bahndamm als Bauland. Einen weiteren Änderungsantrag am Flächennutzungsplan lehnten die Ausschuss-Mitglieder ab: An der Dattelner Straße in Genthin bleibt es bei einer Bebauungstiefe von 20 Metern.

Ein Grundstückseigentümer hatte 50 Meter beantragt. Ansonsten bestätigten die Ausschussmitglieder die Vorabwägungen zum Flächennutzungsplan, der nun fertiggestellt wird, einstimmig.