Liebe und Anerkennung ist das was Grete Minde will. Verachtung und Unrecht ist das, was sie erhält. So kommt es zu einer Katastrophe, in der die Stadt Tangermünde im Feuer untergeht. Den historischen Stoff bringt das Brandenburger Jugendtheater jetzt auf die Bühne.

Brandenburg l Es ist eine 400 Jahre alte Geschichte um Selbstbestimmung, Hass und Enttäuschung, die doch in vielen Teilen aktuell wirkt. Nicht ohne Grund hat sich das Jugendtheater des Brandenburger Theaters der 1879 veröffentlichten Novelle Theodor Fontanes angenommen und diese in ein Bühnenstück mit Sprechszenen, Videoeinspielungen und Bänkelgesängen umgesetzt.

Das jugendliche Darstellerensemble steht dabei unter der bewährten Leitung von Christiane Ziehl, die sich für Regie, Spielfassung und Liedtexte verantwortlich zeigt. "Grete Minde ist eine starke Frauenfigur, aus einer Zeit, in der sich Frauen unterzuordnen hatten, das macht es so interessant sich mit ihr zu beschäftigen", sagt die Regisseurin. Dabei seien die historische Grete, die Novelle von Fontane und das Jugendtheaterstück drei unabhängige Dinge. Besonders weil das Ensemble den Stoff auf ganz eigene Weise verarbeitet.

Als ihr Vater stirbt, ist die 14-jährige Grete der Willkür und Lieblosigkeit ihres Halbruders und seiner Frau ausgeliefert. Wegen der Feindseligkeiten überredet sie ihre Jugendliebe Valtin zur Flucht. Drei Jahre später stirbt auch Valtin und Grete bleibt mittellos zurück. Um ihrem unehelichen Kind eine Zukunft geben zu können, bittet sie ihren Halbbruder um Hilfe. Doch durch einen Meineid vor Gericht bringt er Grete um ihr Erbe und es kommt zur Katastrophe, in deren Folge die junge Frau die Stadt Tangermünde anzündet.

Auch Fontane ging von dieser Version der Geschehnisse aus, in den Jahren nach der Veröffentlichung seiner Novelle, setzte eine neue Forschung ein. Dabei zeigte sich, dass Grete Minde wahrscheinlich nur das Bauernopfer war, um für das große Feuer im Jahr 1617 eine Schuldige zu haben. Intrigen und Verleumdungen brachten die historische Grete auf den Scheiterhaufen. In Brandenburg wird aber die Zerrissenheit und Tragik einer jungen Frau im Vordergrund stehen.

Die von den Verwandten verachtete Grete, mit einem von ihr ungeliebten Kind, wird ihre Wut mehrfach herausschreien. Eine anspruchsvolle Aufgabe besonders für Hauptdarstellerin Bella Wedjelek. "Das ist schon sehr intensiv", sagt sie und weiß doch um die Dankbarkeit der Rolle: "Grete zieht ihr eigenes Ding durch, bis sie darüber verrückt wird." Das Stück lebt von der Spielfreude der Darsteller, alle sind im Alter von 15 bis 25 Jahren, die in ihren Rollen aufgehen.

Aufgrund der Belegung der Studiobühne mit dem Musical "Blumenkinder", wird das Jugendtheater in die Puppenbühne umziehen. "Das passt durchaus, flüchten Grete und ihr Geliebter Valtin doch mit Puppenspielern", erläutert Christiane Ziehl. Doch das ist eine weitere Herausforderung für die Darsteller. "Man muss ein wenig die Stimme dämpfen, auch wenn man aus sich herausgeht, das ist nicht ganz so einfach, aber das schaffen wir", verspricht Darsteller Lucas Weißbach. Dass er mit seinen 24 Jahren Texte sprechen muss, deren Satzbau zum Teil sehr altertümlich wirkt, ist auch kein Problem.

"Im Theater ist es gang und gäbe, dass man mit historischen Texten umgeht." Zur Einstimmung der Zuschauer auf die Epoche zu Beginn des 17. Jahrhunderts trägt Musiker Andreas Wolter bei. "Wir haben bei der Musik mit historischen Instrumenten wie Gamben und Schellen gearbeitet und versuchen so ein akustisches Bild zu schaffen." Optisch wird es Einspielungen auf einer Leinwand geben und vor dem eigentlichen Stück bringen die Darsteller den Schriftsteller Theodor Fontane näher. Wenig Bekanntes aus Fontanes Jugend und Zeit als Vater präsentieren die zwölf jungen Leute. Auch die Gedichte "John Maynard" und "Unterm Birnbaum" werden den Besuchern begegnen. Somit verspricht die neue Produktion des Jugendtheaters wieder eine herausragende unverwechselbare Theaterarbeit zu werden. Eine Arbeit, die sich sehen lassen kann. Die vorangegangene Produktion "Frühlings erwachen" nach Frank Wedekind, wurde in der vergangenen Woche beim Jugendtheaterpreis in Salzburg mit dem Goldenen Papageno in der Kategorie "Beste Produktion"/Musiktheater ausgezeichnet.

Die neue Produktion "Grete Minde" hat am 11. April Premiere, für diese Veranstaltung gibt es keine Karten mehr. Aber weitere Aufführungen sind für den 13., 20., 29. und 30. April, sowie am 27. und 28. Mai und am 2., 4., 6. Juni geplant.

   

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