Genthin l Mit leerem Magen redet es sich nur halb so schön und darum macht ein ausgiebiges Frühstück den Anfang. "Das hier soll aber mehr sein als ein Frühstück", sagt Mitorganisatorin Juliane Wendel. "Nämlich ein Forum für Glaubens- und Lebensfragen." Das Konzept kommt an, die Veranstaltung "Frühstückstreffen für Frauen" hat sich in Genthin etabliert. Und so sind auch am Sonnabend alle Plätze im Hotel Müller belegt, als die Mägen gefüllt sind und Carmen Seehafer ans Rednerpult tritt und ihren Vortrag "Das Schweigen der Männer" beginnt.

"Drei bis vier Stunden Stille sind gar nichts", sagt eine Frau aus dem Publikum. Und: "Ein Hoch auf das Radio." Beifall im Saal zeigt, die Mehrzahl der Anwesenden hat einen schweigenden Mann zu Hause.

Auch die Referentin hat einen Mann. Klaus. Seit zehn Jahren sind sie verheiratet. "Den Vortrag haben wir gemeinsam erarbeitet", sagt sie, um klarzustellen, dass der Titel keinesfalls männerfeindlich gemeint ist. "Das Ziel ist, einander besser zu verstehen."

Dazu müsse man die zwei Ebenen der Kommunikation kennen: Inhalts- und Beziehungsebene. Carmen Seehafer erklärt das an einem Beispiel. SIE sagt: "Frühling in Paris. Das ist bestimmt schön." ER sagt: "Keine Ahnung." Auf der inhaltlichen Ebene hat SIE nur vermutet, dass es im Frühling in Paris sehr nett sei. Gemeint hat SIE aber viel mehr. Liebst du mich eigentlich noch? Die Stadt der Liebe, das wäre doch was für uns beide. Würdest du mit mir im Frühling dort hinfahren, ja das wäre ein Liebesbeweis. Seine Antwort heißt also in ihrer Welt: Ich will nicht mit dir nach Paris. Ich liebe dich nicht mehr. Carmen Seehafer fasst zusammen: "Das hat die Frau verstanden, aber woher soll der arme Kerl das wissen? In seiner Welt hat er nur gesagt, dass er nicht beurteilen kann, wie ihm Paris im Frühling gefällt, weil er noch nie dort war."

Frauen reden also um der Beziehung willen, vergewissern sich durch das Gespräch ihrer Gefühle. Sie wiederholen den selben Sachverhalt mit immer anderen Worten. "Das kann schwer sein für einen Mann, denn meistens hat er beim ersten Mal verstanden, worum es geht", sagt Seehafer. Für die Frau sei Schweigen Redeverweigerung und somit Beziehungsboykott. "Aber das weiß der arme Kerl gar nicht." Beispiel: Wenn ein Mann etwas sagt, kann das für die nächsten 20 Jahre gelten. Wenn er also einmal gesagt hat "Ich liebe dich" und sich am Sachverhalt nichts ändert, ist eine Wiederholung aus seiner Sicht oft überflüssig.

Was also tun? "Wir können nicht unser Gegenüber ändern, sondern nur uns selbst", sagt Seehafer und empfiehlt öfter die Perspektive des anderen einzunehmen. "Zieh dir eine Jacke an." "Du hast da was." Das seien Sätze, die man von Frauen oft hört, wenn sie mit ihren Männern sprechen. Das liege an ihren mütterlichen Genen und sei liebevoll gemeint. Beim Mann kommt es aber als Bevormundung an. "Wenn Männer Ratschläge wollen, fragen sie danach."

Weiterhin wichtig: Frauen reden viel, auch über andere Menschen. "Das erzeugt bei vielen Männern Unsicherheit", sagt Seehafer. ER frage sich dann, werde auch ich mit anderen besprochen? "Hier liegt es an der Frau, dem Mann zu versichern, ich bin dir gegenüber loyal." Es könne verlockend sein, den Mann mit den Freundinnen durch den Kakao zu ziehen, man müsse sich aber fragen, wie würde mir das gefallen? "Gegenseitige Achtung ist wichtig", sagt Seehafer. Und hat gleich noch einen Tipp parat: "Sprechen Sie nicht in der Gegenwart ihres Mannes über ihn, als wäre er nicht da." Auch das belegt sie am Beispiel: ER kommt aus der Umkleidekabine, das Hemd ist zu klein. Die Verkäuferin beäugt ihn, seine Frau zupft an ihm herum und sagt "Er hat da so eine Stelle". Seehafer sagt: "Stellen Sie sich das andersrum vor. Es würde ihnen nicht gefallen."

Sie trifft den Nerv der Gäste. Lautes Lachen dringt durch den Raum, immer wieder nicken Frauen mit dem Kopf, rufen leise "ja" oder "genau". Neben all den weiblichen Gästen hat auch ein Mann Platz gefunden. Arnold Habermann aus Schönhausen. Er schweigt am Ende keineswegs: "Sehr interessant und zutreffend. An vielen Stellen habe ich mich wieder erkannt." Erfolg auf ganzer Linie also für die Referentin. Aber auch für die Besucherinnen. Die nehmen als Kernaussage mit: Das Schweigen der Männer lässt sich oft mit dem Hören der Frauen beheben. Wer sich gelegentlich fragt, was den anderen bewegt, plagt, quält, woraus er Kraft in schweren Zeiten schöpft und wann er Unterstützung braucht, sei auf einem guten Weg, die Stille zu durchbrechen.

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