Genthin l Integration durch Sport - diese Debatte dominierte die Zusammenkunft der Sportvereine im Rathaus. "In Genthin sind derzeit rund 100 Flüchtlinge untergebracht", erläuterte Bürgermeister Thomas Barz den versammelten Vereinsvertretern. Der größte Teil davon seien syrischen Flüchtlinge. Der Bürgermeister ließ keinen Zweifel daran, dass der Integrationsarbeit ein weiterhin großes Gewicht zukomme. "Es werden noch wesentlich mehr Flüchtlinge auf die beiden größten Kommunen des Landkreises Genthin und Burg zugeteilt."

Dem müssten insbesondere die Sportvereine mit entsprechenden Angeboten begegnen. In einigen Vereinen laufen derzeit bereits Aktionen. Fördermöglichkeiten stellte Viktor Jukkert vom Landessportbund (LSB) Sachsen-Anhalt vor. Zwei Möglichkeiten gäbe es dabei. "Sie können Sportangebote in Unterkünften unterbreiten oder die Flüchtlinge in die Vereine zu Schwerpunktkursen einladen." Der Landessportbund biete dafür Förderungen für Betreuer, Aufwendungen oder kleinere Sportgeräte an. Zudem könnten die Vereine von dem Projekt "Integration durch Sport" profitieren, bei dem unter anderem eintägige Integrationsmaßnahmen gefördert würden. "Grundlage ist ein kurzer Antrag, der uns zugehen muss", so der Sportbundvertreter.

Ein weiteres Thema war das Sportstättenentwicklungskonzept der Stadt Genthin. In dessen Vorbereitung ist den Sportvereinen ein sechsseitiger Fragebogen zugegangen, der bis Mitte Mai ausgefüllt an die Stadt zurückgehen sollte. "Für die Konzeption und die Beantragung von Fördermitteln müssen wir wissen, wie die Vereine in Genthin aufgestellt sind", erläuterte der Bürgermeister.

Nicht bei allen Vereinsvertretern stieß der Bogen mit mehr als 60 Fragen auf Wohlwollen. "Mir fällt es schwer, den tieferen Sinn für die Sportstättenentwicklung zu erkennen", meinte beispielsweise Wulff Thomas vom Genthiner Volleyballverein. Unter anderem sollen die Vereine, Fragen zu Mitgliedstärke, Altersstruktur, aber auch zur Weiterbildung der Führungskräfte oder zur Öffentlichkeitsarbeit beantworten. "Ich würde als langjähriger Vereinsschaffender auch ins Rutschen kommen, wenn ich eine Stärken- und Schwächenanalyse durchführen sollte", gestand der Bürgermeister zu. Die Fragen seien für Kommunen mit 100000 Einwohner konzipiert worden. Dennoch bat der Stadtchef um die Beantwortung so vieler Fragen wie möglich.

Neben der Entwicklungskonzeption ging es auch um die Sicht der Vereine auf die aktuelle Lage der Sportstätten. Dabei ergab sich ein sehr unterschiedliches Bild. Während die Vertreter der Spielgemeinschaft Tucheim mit ihrer Sportanlage mit einigen Einschränkungen durchaus zufrieden waren, hatte beispielsweise Fritz Mund vom SV Chemie einige Kritik am Genthiner Sportplatz.

"Hier sind die Leichtathleten in den vergangenen Jahrzehnten vergessen worden." Der Vereinsvorsitzende wünschte sich, den Sportplatz wieder stärker auf diesen Bereich auszurichten, denn die Leichtathletik-Talente seien da.

Besonders eine neue Hammerwurf- und Weitsprunganlage wären dabei wünschenswert. Die Vertreter von Borussia Genthin regten an, einen Kunstrasen zu verlegen. "Oft kommen auf dem Platz die Steine unter dem Rasen durch", verwiesen sie auf ein hohes Verletzungsrisiko.

Kritisch mit dem Zustand der Judohalle gingen die Vertreter der Abteilung Kraftsport des SV Einheit um. Sie beklagten die räumliche Kapazität der Halle. "Bei 30 Mitgliedern ist es für uns zu eng, wir würden uns andere Räume in der Stadt wünschen."

Dabei seien die Sportler durchaus flexibel. Die Vertreter des Laufclub Genthin beklagten den schlechten Zustand der Uhland-Sporthalle. Die Sportler nutzen die Halle im Training unter anderem zum Erwärmen. Hier konnte der Bürgermeister auf die Bedarfsmeldung für Fördermittel aus dem Stark III-Programm verweisen. Probleme bereiten einigen Vereinen auch die Betriebskostenbeteiligungen, die die Stadt vor einigen Monaten neu geregelt hat.

Der TSG Parchen wird aus diesem Grund im Laufe des Jahres über den Sportplatz beraten. "Wir müssen fragen, ob wir uns den Platz zueigen machen", stellte der Vereinsvorsitzende Ulrich Schmidt in den Raum. Durch eine höhere Eigenleistung könnte der Verein Kosten senken.

Thomas Barz warb für das Vorgehen der Stadt. Man könne nicht mehr so weitermachen wie bisher. "Kein Verein wird in die Knie gezwungen", machte der Bürgermeister deutlich und ging davon aus, dass die nächste Rechnung für die Vereine geringer ausfallen werde.

Auch sei es eine Form der Gerechtigkeit, so habe beispielsweise der Genthiner Kegelclub schon lange Kosten in der Kegelhalle übernommen. Deren Vertreter erläuterten die umfänglichen Eigenleistungen, die bereits erbracht wurden. So seien Malerarbeiten und Sanierungen im Innenbereich vorgenommen worden.

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