Loburg/Burg l Unseren Landkreis als "Kommune für biologische Vielfalt", wünscht sich das Kreistagsmitglied Dr. Christoph Kaatz (Grüne). Der Biologe und studierte Landwirt aus Loburg ist vielen Menschen aus der Region als Storchenvater Kaatz bekannt. In den Umweltausschuss des Kreistages hat Kaatz eine Initiative eingebracht, die den Weg des Jerichower Landes in das deutschlandweite Bündnis für biologische Vielfalt ebnen soll. "Ich sehe hier große Möglichkeiten für unseren Landkreis zwischen Elbe, Heide und der Altmark. Ich denke, profitieren würden davon auch unsere Trappen, Biber, Störche, Rotmilane und andere bedrohte Tierarten."

Im Februar 2012 haben sich 60 Gemeinden, Städte und Landkreise zwischen Nordsee und Alpen zum Projekt "Kommunen für biologische Vielfalt" zusammengeschlossen. Mit Wernigerode ist derzeit nur eine Kommune aus Sachsen-Anhalt Mitglied dieses Bündnisses.

Als wichtigstes Ziel nennt die Organisation den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt. Schon vor der Bündnisgründung haben sich Städte und Gemeinden aus ganz Deutschland über wesentliche Eckpunkte verständigt. Entstanden ist die Deklaration "Biologische Vielfalt in Kommunen", in der Projekte und Konzepte des kommunalen Naturschutzes genannt werden. Zum Beispiel:

Das Anlegen von Grün-

und Freiflächen in

Siedlungsbereichen

Arten- und Biotopschutz

Bildungsveranstaltungen

zum Thema Umwelt

Christoph Kaatz erklärt: "Diese Deklaration soll als freiwillige Selbstverpflichtung die Kommunen bundesweit dazu motivieren, den Erhalt der biologischen Vielfalt als Grundlage einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu berücksichtigen."

Mittlerweile haben bundesweit mehr als 250 Kommunen die Deklaration "Biologische Vielfalt in Kommunen" unterzeichnet. Wernigerodes Bürgermeister Peter Gaffert ist stellvertretender Vorsitzender des Bio-Bündnisses. Er sagt: "Jede Straße, jede Baumaßnahme hat direkte Auswirkungen auf Boden, Vegetation und Mikroklima. Wer dies berücksichtigt, kann negative Auswirkungen solcher Maßnahmen minimieren. So werden neue Strukturen zum Erhalt der biologischen Vielfalt geschaffen."

Kaatz zufolge ist Gaffert bereit, die Ideen des Bündnisses im Jerichower-Land-Kreistag zu erklären: "Er würde auch eine Delegation des Kreises in Wernigerode empfangen." Kaatz ist der Meinung, dass das Jerichower Land "nach dem Müllskandal in Möckern und Vehlitz dringend ein neues Image" aufbauen sollte: "Auch der Tourismus würde von dieser Initiative profitieren."

Umweltausschuss-Vorsitzender Dr. Peter Sanftenberg könne sich gut vorstellen, dass "der Landkreis dieser Initiative beitritt. Es gibt im Konzept viele Punkte, an die wir anknüpfen können." Jedoch gab es an diesem Abend nicht nur Applaus für Kaatz` Vorschlag. Kreisvorstand Bernd Girke: "Die Entscheidung über eine Mitgliedschaft sollte der Kreistag treffen."

Sören Rawolle (Ländliche Wählergemeinschaft): "Hier steht die Frage der Finanzierbarkeit. Ein solches Engagement sollte über spezielle Projekte gebündelt werden. Stichwort sind Ausgleichsmaßnahmen."

Wolfgang Bernicke (Die Linke): "Wir sollten mit den Kommunen nach Lösungen suchen. Denn es betrifft ja die Städte und Gemeinden mit ihren Bauvorhaben. Es nützt nichts, wenn der Landkreis hier auf einer Seifenblase reitet."

Bernd Girke zufolge hat der Landkreis bereits mit einigen Bündnis-Mitgliedern Kontakt aufgenommen. Jedoch sei das Ergebnis ernüchternd: "Es gibt Kommunen, die sind zwar Mitglieder, aber in der Realität gibt es dort keine entsprechenden Projekte. Sowas sollten wir uns verkneifen - eine symbolische Mitgliedschaft hilft niemanden."

Landrat Steffen Burchhardt (SPD) hat ein mögliches Engagement bereits mit den acht Bürgermeistern des Landkreises besprochen: "Niemand hat Hurra geschrien, es überwog die Skepsis. Und einen Alleingang des Landkreises halte ich nicht für geboten."

 

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