Hohenseeden. Noch liegen die Spargelfelder entlang der B1 bei Hohenseeden unberührt da. Doch bald werden sie aus dem Winterschlaf gerissen. "Nach so viel Niederschlag und Frost mussten wir Geduld haben mit dem Boden", sagt Martin Rümschüssel, Vorsitzender der Agrargenossenschaft Hohenseeden. Aber er ist optimistisch: "Ich denke, dass wir etwa Ende der Woche mit den ersten vorbereitenden Arbeiten beginnen können", sagt er. Dann, so hofft er, wird der Boden aufgetaut und frostlinsenfrei sein.

Was dann folgt, wird für die meisten ein schon bekanntes Bild sein. Auf den Feldern werden die Erddämme vorbereitet. Dann werden Traktoren über sie hinwegfahren und sie abgedeckt mit weißer Folie hinterlassen. Eine Notwendigkeit. Denn die Folie fördert die Bodenerwärmung. Erst bei 12 bis 14 Grad fühlt sich das Edelgemüse so wohl, dass es wächst und gedeiht. Ab da an heißt es warten.

Trotz der Felder noch Spargel im Garten

Martin Rümschüssel, der seit Kindesbeinen mit dem Spargel vertraut ist, baut bis zum heutigen Tage noch in seinem heimischen kleinen Garten auf einem kleinen Beet Spargel an. "Da probier ich mich noch aus. Außerdem kann ich bei meinen Beeten nachschauen, wie weit der Spargel ist. Wenn er bei mir noch nicht kommt, kommt er meist auf den Feldern auch noch nicht", verrät der studierte Agronom.

Seit den 1970er Jahren ist er im Spargelgeschäft. Er kennt schon die Erzählungen seiner Mutter und hat die Entwicklung des Spargelanbaus erlebt. "Damals wurde der Spargel noch morgens gestochen, in der Kleinbahn nach Burg transportiert und von da aus nach Berlin. Und das ganze ohne Kühlwagen. Da ist viel unterwegs verdorben, hat mit noch meine Mutter erzählt", erinnert er sich. Gegen die schnelle Verderblichkeit kommen aber auch die modernen Kühlwagen und -räume von heute nur bedingt an.

"Als die Wende kam, dachten wir, die Bauern im Westen hätten schon Maschinen, die den Spargelanbau erleichtern würden. Aber weit gefehlt. Grade zu dieser Zeit hatten sie ein erstes Modell auf den Markt gebracht. Davor haben sie genau wie wir alles per Hand gemacht", erinnert sich Rümschüssel. Aber auch dieses Modell hat sich nicht durchgesetzt. Bis heute ist der Spargelanbau nur mit sehr viel Arbeitseinsatz von Menschenhand möglich. "Auch wenn die Industrie fast krampfhaft versucht, auch über die verrücktesten Ideen wie den Einsatz von Lasern, Maschinen zu erfinden, ist bisher der Mensch nicht zu ersetzen", weiß der Hohenseedener.

Einziges Hilfsmittel bei der Ernte ist bisher ein Erntehelfer. Eine Art Wägelchen, was die Folie hebt und senkt und den gestochenen Spargel transportiert. "So müssen die Erntehelfer zumindest nur das Messer bei sich haben und müssen nicht noch den Spargel schleppen", erklärt Rümschüssel.

Auch dieses Jahr werden wieder viele Hände zur Erntezeit benötigt. Etwa 800 Tonnen Spargel pro Saison müssen in Hohenseeden geerntet, transportiert und verkauft werden. Aber Rümschüssel ist zuversichtlich. "Die Arbeitskräfte, die wir hier aus der Region in dieser Zeit beschäftigen, sind eine Art Stammpublikum, auf das wir jedes Jahr zählen können." Zusätzlich rechnet Rümschüssel noch mit etwa 200 Erntehelfern aus Polen. Einzig im Verkauf hat er noch offene Stellen zu besetzen.

Prognose: Spargelernte Mitte April

Wen alle Vorbereitungen auf den etwa 160 Hektar Spargelfeldern klappen und das Wetter optimal mitspielt, könnte Rümschüssel sich vorstellen, dass etwa Mitte April die Ernte beginnen kann. "Dann beginnt wieder eine sehr lebendige Zeit. Sieben Tage die Woche muss gearbeitet werden, denn der Spargel wartet nicht", weiß der Vorsitzende.

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