Kinder werden sexuell missbraucht, ältere Frauen überfallen und bestohlen, Männer streiten und prügeln sich, bis Blut fließt - in all diesen Fällen steht der Weiße Ring den Opfer helfend zur Seite. Im Jerichower Land schon seit zehn Jahren. Gestern wurde dieses Jubiläum in feierlichem Rahmen begangen.

Burg/Genthin. "Wir haben Menschen kennengelernt, die es wirklich nicht leicht hatten, die Hilfe und Unterstützung brauchten, die mit ihren Sorgen und Nöten zu uns kamen", berichtete gestern Hadmuth Mielke, aktives Mitglied im Verein Weißer Ring im Jerichower Land, stellvertretend für den erkrankten Leiter Roland Hansel über ihre Arbeit. Genau 140 Opfern haben sie und ihre Vereinskollegen in den vergangenen zehn Jahren geholfen. Sie unterstützten sie beim Ausfüllen von Anträgen, begleiteten sie zu Verhandlungen ins Gericht oder für eine Aussage zur Polizei, halfen unbürokratisch mit Geld aus oder hörten einfach nur zu. Letzteres sei manchmal das Wichtigste, erklärte Johann Lottmann. Der ehemalige Polizeipräsident der Polizeidirektion Nord ist ebenfalls Mitglied im Weißen Ring.

Manchmal betreuen die Vereinsmitglieder Opfer von "kleineren" Straftaten. Doch auch sie bräuchten intensive Unterstützung. "Ein Einbruch in die Wohnung kann durchaus tiefe Spuren hinterlassen. Selbst wenn keine Gewalt gegen Menschen angewendet wurde, benötigen die Opfer manchmal lange Zeit, um das Geschehene zu verarbeiten", berichtete Lottmann.

Die Arbeit der Hilfsorganisation sei sehr wichtig, erklärte Landrat Lothar Finzelberg. Zu oft würde der Täter im Mittelpunkt stehen, der Geschädigte dagegen vergessen. Doch Opfer, so Finzelberg seien oft auch die Eltern, "die feststellen mussten, dass ihr Kind ein Mörder ist." Auch sie würden Hilfe benötigen.

Ein Problem in der Arbeit des Vereins sei das Zeugnisverweigerungsrecht, das nicht für die Mitarbeiter des Weißen Rings gelte, erklärte Lottmann. "Wenn das Opfer vor Gericht plötzlich die Aussage verweigert, muss der Betreuer berichten, was ihm das Opfer vorher erzählte." Das sei in manchen Fällen eine nicht akzeptable Situation.

Der Weiße Ring ist ein Verein, der Kriminalitätsopfer unterstützt. Er wurde 1976 unter anderem von dem Fernsehjournalisten Eduard Zimmermann gegründet und ist europaweit aktiv. Seit Anfang des Jahres engagiert sich auch der Niegripper Karl Heinz Summa aktiv. "Drei Fälle habe ich während der Ausbildung mit Herrn Hansel bearbeitet. Dabei ging es um Mobbing und Schlägereien", berichtet er. Bereits als Schöffe am Landgericht begleitete Summa Straftaten. Jetzt wolle er eine andere Seite kennenlernen, sagte er zur Begründung für seine Arbeit.

 

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