Die Empörung war enorm: Mehr als 100 Volksstimme-Leser haben ihre Meinung zum Verbrennverbot geäußert. Die überwiegende Mehrheit kritisiert die Entscheidung der Landkreisverwaltung und den Zeitpunkt der Verkündung. Landrat Lothar Finzelberg bezog im Volksstimme-Interview Stellung und holte sich Verstärkung aus dem Fachbereich. Neben Umweltvorstand Bernd Girke nahmen Fachbereichsleiter für Umwelt, Landwirtschaft und Forsten, Jürgen Bruelheide, sowie der Sachgebietsleiter für Immissionsschutz, Eberhard Neumann, teil. Das Gespräch führte Anja Keßler.

Volksstimme: Herr Finzelberg, am Mittwoch haben Sie das Brennverbot im Kreisausschuss ausgesprochen. Waren Sie überrascht über die Vehemenz des Echos?

Bernd Girke: Nein!

Lothar Finzelberg: Zu diesem Thema wird es immer ein Pro und Kontra geben. Ich selbst war am Wochenende auf verschiedenen Veranstaltungen. Da wurde mir gegenüber keine Kritik geäußert. Die Bürgermeister im Landkreis waren im Vorfeld informiert. Da hat es auch keine negative Äußerung gegeben.

Volksstimme: Die Verwaltung des Landkreises beruft sich auf die gestiegene Feinstaubbelastung. Wo und wie wird die gemessen?

Eberhard Neumann: Das Landesumweltamt hat verschiedene Messstellen in ganz Sachsen-Anhalt. Eine davon steht im Flickschupark in Burg, die täglich die Belastung registriert. Seit mehreren Jahren steigt die Feinstaubbelastung an, aber in den Monaten, in denen das Verbrennen bisher erlaubt war, gab es noch einmal einen Anstieg. Vom Landesumweltamt gibt es seit zwei Jahren die Forderung an die Landkreise, die Ausnahmeregelungen des Verbrennens aufzugeben.

Bruelheide: Wir verstoßen gegen Bundesgesetze, wenn wir die Luftverschmutzung zulassen. Und auch die Beschwerden aus der Bevölkerung sind massiv. Die Zahl liegt deutlich über hundert. Wir diskutieren seit Jahren in der Verwaltung und den Entscheidungsgremien. Und alles, was wir versucht haben, hat nicht zum Erfolg geführt, etwa die Verschiebung der Brennmonate.

Volksstimme: Wenn seit Jahren die Forderung vom Land besteht, das Verbrennen zu verbieten, die Feinstaubbelastung ebenfalls seit Jahren zu hoch ist und die Menschen sich seit Langem beschweren, warum kommt die Entscheidung dann so überraschend?

Girke: Die Entscheidung ist nicht überraschend. In der Novembersitzung des Umweltausschusses haben wir bereits angekündigt, dass wir in diese Richtung prüfen.

Volksstimme: Trotzdem brauchte die Verwaltung fünf Monate, um zur Entscheidung zu kommen? Bei dieser Grundlage?

Girke: Wir wollten der Bevölkerung Alternativen bieten, bevor wir das Verbot durchsetzen. Einen richtigen Zeitpunkt gibt es nie.

Volksstimme: Was sind das denn für Alternativen?

Girke: Wir haben die Biotonne, die Sammelstellen in fast allen Orten und die Grünschnitt-Deponien in Burg, Genthin, Ziepel und Bergzow.

Volksstimme: Aber diese Alternativen gibt es schon lange. Warum diese kurzfristige Entscheidung?

Girke: Wir wollten abwarten, dass auch in Gommern eine Sammelstelle für Grünschnitt eingerichtet ist. Von diesem Platz weiß der Landkreis jetzt seit knapp zwei Wochen. Damit konnten wir das Verbot jetzt aussprechen.

Volksstimme: Viele unserer älteren Leser geben an, dass die Sammelstellen oftmals für sie nicht erreichbar sind.

Girke: Die Kompostierung ist der bequemste Weg. Es gibt Schredder, die grobes Schnittgut zerkleinern. Zudem ist auch die Biotonne geeignet. Wir können nicht so viele Sammelstellen einrichten, dass jeder nur noch fünf Meter zu laufen hat.

Volksstimme: A propos Biotonne: Nach dem Brennverbot fürchten jetzt viele, dass die Müllgebühren steigen werden, weil mehr Grünschnitt bei der Entsorgung anfällt.

Girke: Wir können jetzt nicht sagen, was das Jahr bringt. Grundsätzlich zahlen alle die Kosten der gesamten Müllentsorgung. Das bedeutet zum Beispiel, dass die Bürger auch die Entsorgung des Schwemmgutes vom Hochwasser bezahlen.

Finzelberg: Ich persönlich nutze die Biotonne nicht für meinen Grünschnitt. Ich habe am Wochenende alles mit der Schere kleingeschnitten und auf den Komposthaufen geworfen. Dann freue ich mich, wenn ich den umsetze, über die frische Erde.

Volksstimme: Aber nicht alles gehört auf den Kompost. Was ist mit dem von Schädlingen befallenen Schnitt?

Girke: In den drei großen Kompostanlagen der AJL und anderer Entsorger im Landkreis werden 70 bis 80 Grad Celsius erreicht. Da sind die Schädlinge weg. Für befallenen Grünschnitt ist die Biotonne der richtige Weg.

Volksstimme: Mit dem Grünschnitt der Bürger verdient die AJL doch Geld, wenn sie die Muttererde verkauft (Anmerkung der Redaktion: Eine Tonne kostet zehn Euro plus Mehrwertsteuer bei Selbstabholung).

Girke: Alles, was wir einnehmen, wird verwertet. Alle Entsorger machen Gewinn, sonst würden sie nicht überleben. So auch die AJL. Die Gewinne bekommen die Gesellschafter, also auch der Landkreis.

 

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