Zwar sind die Unfallzahlen in Genthin 2010 im Vergleich zum Vorjahr von 526 auf 561 gestiegen, trotzdem sieht die Bilanz insgesamt positiv aus. Kein Mensch wurde bei einem Unfall getötet. Die Zahl der Schwerverletzten ist deutlich gesunken. Die aktuelle Statistik stellte gestern Torsten Müller, Leiter des Genthiner Polizeikommissariats, vor.

Genthin. Gleich dreimal auf das Holz der Tischplatte klopfte Polizeikommissariatsleiter Torsten Müller, als er sagte, dass es 2010 in Genthin keinen Verkehrstoten gegeben habe. "Wir sind froh, dass wir an dieser Stelle eine Null haben." Auch die Tendenz bei den Schwerverletzten sieht positiv aus. Im Vergleich zu 2009 reduzierte sich die Zahl von 23 auf zehn Personen. "Das ist zum einen den Autofahrern positiv anzulasten, zum anderen hängt es auch mit der Verkehrsüberwachungsarbeit der Polizei zusammen." Die Zahl der Leichtverletzten veränderte sich mit 50 Personen kaum.

Laut Unfallstatistik ereigneten sich im vergangenen Jahr in der Stadt Genthin mit ihren Ortsteilen 561 Verkehrsunfälle, davon 342 innerhalb der Ortschaft. Nur fünfmal ist Alkohol die Ursache gewesen. In den Vorjahren hatte es meist doppelt so viele Fälle gegeben. "Wir wissen, eine Dunkelziffer ist da", sagte Torsten Müller und wiederholte den Appell, sich nicht alkoholisiert hinter das Steuer zu setzen. Durch Drogenkonsum ist 2010 kein Unfall verursacht worden.

Viele Unfälle sind durch Flüchtigkeitsfehler oder Unachtsamkeiten beim Wenden oder Rückwärtsfahren passiert. Man merke, die Leute seien "oft gestresst", setzte der Kommissariatsleiter hinzu. Andere Fahrer ließen im Straßenverkehr ihren Aggressionen freien Lauf.

Radfahrer verursachen weniger Unfälle

Während die Autofahrer an 14 Unfällen mit Radfahrern Schuld hatten, hat sich das Fehlverhalten der Radler laut Unfallstatistik deutlich reduziert. Von 16 Fällen in 2009 hat sich die Zahl auf sechs verschuldete Unfälle gesenkt. "Wenn jeder ein klein bisschen mehr Rücksicht nimmt ... ", warb Torsten Müller.

Zu den häufigen Unfallursachen gehört nach wie vor ein zu geringer Sicherheitsabstand. 70 Zusammenstöße lassen sich darauf zurückführen. Die Zahl ist in den letzten zehn Jahren konstant geblieben. Ein leichter Anstieg auf 26 Unfälle lässt sich durch erhöhte Geschwindigkeit verzeichnen. Torsten Müller kündigte Kontrollen an. "Es geht uns nicht um Abzocke", sagte er. Ziel der Polizei sei es, dass sich die positive Tendenz bei den Verkehrstoten und Schwerverletzten fortsetze. Er würde es begrüßen, wenn die Tempo-Info-Geräte, die den Autofahrern groß ihre Geschwindigkeit aufzeigen, in der Stadt wieder aufgestellt werden könnten.

Nicht mehr ganz so gefährlich wie in den Vorjahren sind Autofahrer unterwegs, die die Wasserturmkreuzung passieren müssen. Seit der Installation der Ampel am Abzweig in Richtung Jerichow gehen die Kollisionen zurück. 2010 sind es noch 13 Unfälle gewesen, in den Vorjahren 29 und 27. "Die Kreuzung ist damit entschärft worden. Die Einfädelspuren bleiben aber problematisch", sagte Torsten Müller.

Über den Kanal hinweg ist die Kreuzung Jerichower/Brettiner Straße ein weiterer Unfallschwerpunkt in der Stadt. Achtmal hat es 2010 dort gekracht. "Ein Kreisverkehr wäre hier wünschenswert. Ein Kreisel entlastet den Verkehr", setzte der Kommissariatsleiter hinzu. Allerdings sei ihm auch bewusst, dass für einen Kreisverkehr der Platz wohl nicht ausreiche.

Ins Gehege kommen sich die Verkehrsteilnehmer zudem an der Kreuzung Geschwister-Scholl-Straße und Jahnstraße. 2008 hatte es nur fünf Unfälle gegeben, voriges Jahr waren es schon neun gewesen. "Hier gibt es Gedanken und Diskussionen." Näher ins Detail gehen wollte Torsten Müller jedoch nicht.

Keine Probleme gibt es mehr bei der Polizei direkt vor der Tür. Die Gröblerstraße/Umgehungsstraße gehört nicht mehr zu den Schwerpunkten. Keine Entwarnung ist dagegen bei den Wildunfällen zu verkünden. 141 wurden 2010 verzeichnet. 2007 sind es schon einmal 160 gewesen, 2008 nur 121.

Gegen Wildunfälle hilft Fuß vom Gas nehmen

Insbesondere in den Morgen- und Abendstunden sehr aufmerksam zu fahren und den Fuß vom Gas zu nehmen, riet Torsten Müller den Autofahrern.

Vereinen und Institutionen bietet er Präventionsveranstaltungen an. Wer Interesse hat, meldet sich im Genthiner Kommissariat.