Genthin. Zeichnungen liegen vor den Frauen und einem Mann auf einem Tisch. Sie schauen drauf, dann nennen sie die deutschen Begriffe: "Badezimmer", "Küche", "Baum", "Terrasse". Ihre Aussprache ist sehr unterschiedlich, immer wieder verbessert sie Hannelore Gerbet in der Übungsstunde zum Erlernen der deutschen Sprache. Ihre Schüler sind allerdings keine Kinder, sondern Erwachsene, oft schon Rentner. Sie kamen vor Jahren aus allen ehemaligen Sowjetrepubliken. "Ich bin aus Donezk", sagt Danula Berechna in gutem Deutsch. "Das war im Jahre 2005. Wir haben unsere Heimat verlassen, weil wir uns für unsere Tochter eine bessere Zukunft in Deutschland erträumten."

Kein Wort Deutsch habe Berechna damals gesprochen, erinnert sie sich, sie weiß also, wie schwer es ist, sich nicht verständigen zu können. "Auch deshalb gibt es unseren Gesprächskreis", so Hannelore Gerbet. "Wir begleiten die Spätaussiedler, für die Genthin zu einer neuen Heimat geworden ist oder werden soll. Wir gehen mit ihnen zu den Ämtern, helfen beim Ausfüllen von Anträgen, sprechen mit ihnen beim Arbeits- oder Jugendamt vor." Der Alltag in Deutschland soll den Frauen und Männern einfach näher gebracht werden. "Wir leisten damit ein Stück Lebenshilfe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger", so Hannelore Gerbet, die über die Qualifizierungs- und Strukturgesellschaft im Integrationstreff angestellt ist.

Starker Zuspruch

Ein Stück Lebenshilfe - damit umreißt die engagierte Frau einen wichtigen Teil der vielen Aufgaben des Integrationstreffs in der Einsteinstraße 25. In diesem Plattenbau hat der Treff kürzlich sein neues Domizil bezogen. Die Wohnung gehört der SWG, der Treff muss keine Miete zahlen, die GWG übernimmt die Nebenkosten. "Wir waren vorher in einer Wohnung in derselben Straße untergebracht, doch der Block wird demnächst abgerissen. Jetzt haben wir aber dieselbe Wohnfläche zur Verfügung."

Und die braucht der Integrationstreff auch, denn der Publikumsverkehr ist stark. Allein um Rat und Hilfe zu finden, kommen jeden Monat rund 50 Frauen und Männer hierher, dazu gibt es eine ganze Reihe von Veranstaltungen. "Wir haben oft Referenten, die beispielsweise darüber sprechen, was man beim Kauf eines gebrauchten Autos beachten muss oder wie man sich als Pächter eines Kleingartens verhalten sollte", so Hannelore Gerbert. "Zu medizinischen Themen geben Referenten den Neu-Genthinern ebenfalls Auskunft."

Für Kinder ist der Integrationstreff ein guten und beliebter Anlaufpunkt. Hier können sie beispielsweise malen, basteln und spielen. "Jede Menge Puppen, Autos und Spiele bekommen wir geschenkt", freut sie sich.

Neben diesen Handreichungen konkreter Lebenshilfe geht es im Intergrationstreff auch darum, dass die Russen, Ukrainer, Balten und Esten beispielsweise nicht nur unter sich bleiben, sondern auch Anschluss an deutsche Familien und Freunde finden. "Beispielsweise ist der Genthiner Frauenchor durch uns verstärkt worden. Außerdem kochen wir zusammen mit deutschen Familien. Selbst der Bürgermeister war dazu schon hier", freut sich Hannelore Gerbet.

Singen im Chor

Haben sich denn die Wünsche für eine bessere Zukunft für ihre Tochter erfüllt? Danula Berechna: "Auf jeden Fall. Unsere Tochter geht aufs Bismarck-Gymnasium, sie spricht besser Deutsch als Russisch und wird ihren Weg machen. Wir sind dankbar."

Der Intergrationstreff in Genthin ist umgezogen. Die Adresse ist neu, aber das Anliegen ist das alte: Spätaussiedern helfen, damit die sich in der Kanalstadt zu Hause zu fühlen.