Besonderer Besuch hatte sich für den vergangenen Sonnabend in der Kirche Kade angemeldet: der Enkel des Pfarrers Ernst Heinrich Rein- hold Maladinsky, der von 1903 bis 1916 hier wirkte, mit seiner Familie - seiner aus Kamerun stammenden Frau, zwei Töch- tern und einem Sohn.

Kade. "Wir hatten schon aus verschiedenen Erdteilen Gäste hier: aus Australien und Neuseeland, Amerika und Japan und nun auch aus Afrika", ist Siegfried Koch, stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Kader Kirchen, stolz auf die Attraktivität der kleinen, aber schönen Dorfkirche. Freilich kamen die Gäste nun aus dem ehemaligen Westteil Berlins. Dort wohnt Eckehard Mewes, Enkel von Pfarrer Maladinsky, und war deshalb früher auch nie hierher gekommen. Nur einmal sei er in der damaligen DDR gewesen, berichtete er. In Kamerun war er längere Zeit als Entwicklungshelfer tätig und brachte von dort seine Frau mit.

Seinen Großvater habe er nicht mehr kennengelernt. Er sei ein Jahr vor seiner Geburt gestorben. Seine Mutter sei hier in Kade geboren, am 5. Mai 1908. Den Namen Maladinsky gebe es auch noch: Sein Cousin heiße so, erklärte Eckehard Mewes.

Es hatte einige Zeit gedauert, bis nach Öffnung der Grenze in ihm der Wunsch reifte, nun endlich die Heimat seiner Mutter und Wirkungsstätte seines Großvaters kennen zu lernen.

Es war Zufall, dass die Besucher am Sonnabend direkt nach einer Taufe zur Kirche nach Kade kamen. Ein Ereignis, das zufällig mit einer Taufe zusammenfiel, hatte auch im Wirken seines Großvaters hier in Kade eine wichtige Rolle gespielt. Das war vor fast genau hundert Jahren, am 5. November 1911. In einer alten Aufzeichnung über Kade steht über den damaligen Pfarrer geschrieben:

"Als Pastor Maladinsky nach Kade kam und die Kirche in ihrem unwürdigen Zustand sah, reifte in ihm der Entschluss, Mittel und Wege zu finden, um die Kirche einer gründlichen Erneuerung zu unterziehen. Er legte zunächst ein Sparkassenbuch an und zahlte darauf die kleinen Überschüsse ein, die sich jährlich aus dem Vertrieb der Sonntagsblätter und christlichen Kalender ergaben. Dazu kamen die Opfer, die aus Anlass eines freudigen Ereignisses in den Familien der Gemeinde gespendet wurden. Das kleine Kapital wuchs langsam aber stetig und war bis zum Umbau der Kirche auf etwa 400 Mark angewachsen. Zwar ließ sich damit noch nicht viel anfangen, aber es hat doch später geholfen, die Kirche im Innern schön auszustatten.

Da trat ein Ereignis ein, das den Geistlichen zu einem entscheidenden Schritt drängte. Am 5. November 1911 löste sich während der Taufe von dem Bogen des Apsis ein großes Stück Kalk und fiel dicht neben dem Täufling nieder. Welch\' Unheil hätte entstehen können! Der Pastor wandte sich nun an den Fabrikbesitzer Lehmann in Gera, der schon früher einmal die Absicht ausgesprochen hatte, für seine Heimatkirche etwas zu tun. In dankbarer Erinnerung an seine Eltern fand er sich sofort bereit, für die Erneuerung der Kirche zunächst 20 000 Mark bereitzustellen, eine Summe, die er später auf fast 40 000 Mark erhöht hat..."

Hieraus wird deutlich, dass es gerade für die Mitglieder des Fördervereins Kader Kirchen eine besondere Freude war, Nachfahren jenes Pfarrers Maladinsky hier begrüßen zu dürfen. Auch der Förderverein hat schon viel zur erneuten Sanierung der Kirche beigetragen, und noch dieses Jahr wird es im Kirchenschiff weitergehen.