Die Bummelmeile in der Genthiner Innenstadt hält nicht, was ihr Name verspricht. Die Fußgänger können den Fahrzeugverkehr nie aus den Augen lassen und müssen immer wieder Autos ausweichen, die vor Schaufenstern parken. Die Bummelmeile für den Fahrzeugverkehr zu sperren, sei nicht möglich, argumentierte Bürgermeister Wolfgang Bernicke (Volksstimme vom 14. Mai). Gegenvorschläge, die als Diskussionsgrundlage gedacht sind, unterbreitet Volksstimme-Leser Frank Rüdiger.

Genthin. Bloß Schlendern geht nicht. Auf der Bummelmeile müssen die Passanten immer auch über die Schulter sehen, ob sich kein Auto- oder Fahrradfahrer nähert. Den Argumenten, die Bürgermeister Wolfgang Bernicke in seiner Antwort auf die Frage in der Rubrik "Leser wollen\'s wissen - Was ich schon immer mal fragen wollte" nennt, weshalb die Genthiner Bummelmeile eigentlich keine ist, stimmt Volksstimme-Leser Frank Rüdiger zu. Es stören die wild geparkten Autos und die ständige Konzentration auf den Fahrzeugverkehr. Unter dem Strich sei es nicht gelungen, die Interessen des Fahrzeugverkehrs und der Fußgänger in Übereinstimmung zu bringen.

Aus den Punkten ziehe der Bürgermeister aber "völlig verkehrte Schlussfolgerungen", setzt Frank Rüdiger hinzu. Beispielsweise: Das innerstädtische Straßennetz mache die Verkehrsbeziehung zwischen Marktplatz und Bahnhofstraße unverzichtbar oder dass niemand Verständnis dafür hätte, das Parken in der Bummelmeile zu unterbinden.

"Die Sache erscheint insbesondere dann als alternativlos, wenn man nicht bereit ist, eingefahrene Denkschemata zu verlassen und ernsthaft über Lösungsmöglichkeiten nachzudenken."

Seinen drei Punkte umfassenden Vorschlag möchte der Genthiner als Diskussionsgrundlage verstanden wissen.

Zum einen regt Frank Rüdiger eine Trennung von Individualverkehr und Liefer- beziehungsweise öffentlichen Verkehr (Stadtbuslinie, Ver- und Entsorger) an.

Einfahrt nur für Busse und Anlieger

Möglich wäre die Trennung durch eine elektrisch gesteuerte Polleranlage am Eingang der Bummelmeile. Stadtbus und alle anderen Fahrzeuge von Anliegern und Händlern würden mit einem Transponder ausgestattet, der die Einfahrt in die verkehrsberuhigte Zone eröffnet. "Technische Lösungen für ein solches System sind in vielen Städten im Einsatz und auch für die Stadt Genthin bezahlbar", wirbt Frank Rüdiger.

Zum zweiten würde er den Individualverkehr über die Bahnhofstraße in das Stadtzentrum lenken. "Das Genthin ohne die Durchfahrt der Bummelmeile nicht am Verkehrsinfarkt erstickt, ist durch die Bauphase hinreichend bewiesen." Der Verkehr aus der Brandenburger Straße könnte durch Aufhebung der Einbahnstraßenregelung zwischen Brandenburger Straße und Kleiner Schulstraße am Marktplatz zu Lasten der dort vorhandenen Linksabbiegerspur abgeleitet werden.

Drittens schlägt Frank Rüdiger vor, die Bummelmeile zu einer echten Bummelmeile, also einer Fußgängerzone, zu machen. "Die würde den Händlern mehr Kundenzustrom und Entfaltungsmöglichkeiten geben, als das mit der derzeitigen, völlig unbefriedigenden Lösung der Fall ist."

Kein Verkehrsinfarkt bei Sperrung

Den Bürgermeister fordert er auf, "aktiv nach einer Lösung des Problems im Interesse der Einwohner und Händler und damit auch der Stadt Genthin zu suchen."

Welche Meinung haben Sie zur Bummelmeile? Sollte der Bereich zwischen Bahnhofstraße und Marktplatz tatsächlich als Fußgängerzone eingerichtet werden oder lohnt es sich nicht, weil es sich um einen eher kurzen Abschnitt handelt? Schreiben Sie uns eine Email an redaktion.genthin@volksstimme.de oder rufen Sie uns unter (0 39 33) 87 34 26 an. Wir freuen uns auf Ihre Anregungen.