Tucheim. Tucheimer und viele Gäste feierten am Sonnabend ausgelassen auf dem Festplatz. Anlass waren zum einen der "Tag des offenen Hofes" (Volksstimme berichtete) und zum anderen das 20-jährige Bestehen der Agrargenossenschaft Tucheim.

Mit dem Jubiläum geht auch die Ära von Geschäftsführer Helmer Rawolle zu Ende. Er geht morgen in seinen wohlverdienten Ruhestand. Die Leitung der Agrargenossenschaft übergibt er an seinen Sohn Sören. Über die erfolgreiche Weiterführung der Genossenschaft macht sich Helmer Rawolle keine Sorgen, weiß er doch, dass sein Sohn mit modernem Fachverstand und gleichem Ethos wie er wirtschaftet.

Der Ort Tucheim blickt auf eine wechselvolle Geschichte in Sachen Landwirtschaft. Gab es nach dem 2. Weltkrieg noch 204 Bauernwirtschaften, so wurden nach 1960 nur noch 13 Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften (LPG) gezählt. Bis 1990 bestimmten dann zwei große LPG das landwirtschaftliche Leben. Die LPG "Ernst Thälmann" kümmerte sich auf einer Fläche von 5400 Hektar um die Pflanzenproduktion. Die LPG "Weltfrieden" hielt 5000 Kühe und 3000 Schweine.

Nach der Wende wurden zunächst die Tier- und Pflanzenproduktion wieder zusammengeführt. Auf der Grundlage von Mitgliederbeschlüssen teilte sich der Betrieb wieder in die Orte Tucheim und Paplitz auf. 91 Prozent der Bauern wählten damals den gemeinsamen Weg in der am 19. September 1991 gegründeten Agrargenossenschaft Tucheim. Helmer Rawolle bekam aus der Mitgliedschaft das Vertrauen ausgesprochen, die Genossenschaft durch die nächsten Jahre zu führen und die anstehenden Herausforderungen anzupacken.

Mit der Modernisierung und Effektivierung der landwirtschaftlichen Produktion galt es auch, Lösungen für die Arbeitskräfte zu finden. Einige junge Leute orientierten sich auf andere Berufszweige um. Eine gute Altersübergangslösung wurde für 72 ältere Mitarbeiter geschaffen. Heute beschäftigt die Genossenschaft 46 Mitarbeiter, darunter drei Auszubildende.

Die Genossenschaft bewirtschaftet heute eine Fläche von 2268 Hektar. Angebaut wird hauptsächlich Wintergetreide, Raps und Rüben. Der Grünlandanteil beträgt gut ein Viertel der Fläche. Die Mutterkuh-Rindermast GmbH, eine Tochtergesellschaft der Genossenschaft, bewirtschaftet noch einmal 736 Hektar Grünland.

737 Milchkühe werden durch den Futterbetrieb der Genossenschaft ernährt. Sie erzeugen eine Milchleistung von 9512 Kilogramm. Die Mutterkuhherde zählt 690 Kühe und 275 Jungrinder.

Wichtig war für Helmer Rawolle stets, sich in die Gemeindepolitik und die gesellschaftlichen Aktivitäten im Ort einzubringen, um mit dem Dorf im Einklang zu wirtschaften.

Buntes Programm

Das abwechslungsreiche Programm mit Umzug durch den Ort, den Original Fienerländer Musikanten, dem Frauenchor Tucheim, dem OK-Live-Ensemble aus Wolmirstedt, der Cover-Band RadioStar und nicht zuletzt mit Schlagerstar Kristina Bach traf den Nerv des begeisterten Publikums. Auch die Vereine des Ortes brachten sich wieder mit ein.

Berufliche Möglichkeiten in der Landwirtschaft wurden dargelegt. Vielleicht findet ja doch noch der eine oder andere Jugendliche den beruflichen Weg in die Landwirtschaft. Helmer Rawolle: "Wir bilden Lehrlinge aus, würden auch gerne mehr ausbilden. Aber in diesem Jahr hat sich kein geeigneter gefunden."

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