115 E-Biker machten am Sonnabendnachmittag Station auf dem Genthiner Marktplatz. Die Frauen und Männer aus Deutschland und der Schweiz werben mit ihrer Fahrt von Berlin nach Hannover für Elektromobilität.

Genthin l Noch nicht ganz Tour de France, aber schon sehr beeindruckend: Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27 bis 28 Stundenkilometer fuhren die E-Biker in die Stadt ein. Auf dem Marktplatz wurden sie von Kartoffelkönigin Caroline und ihrem Gefolge herzlich in Empfang genommen. Die hübsche Repräsentantin der Kanalstadt ist für viele Fahrradfahrer ein begehrtes Fotomotiv gewesen.

Da die E-Biker an den Etappenorten individuell starten, kamen die Fahrradfahrer auch in kleinen Gruppen und keiner beeindruckend großen Traube an. Das Interesse der Genthiner an den Elektrofahrrädern hielt sich sehr in Grenzen. Nur wenige sahen sich um.

Trotzdem bewies sich die Stadt als guter Gastgeber. Kaffee und Kuchen stand zur Stärkung für die Radler bereit. Auf dem Marktplatz waren genügend Sitzgelegenheiten geschaffen worden, damit sich jeder Teilnehmer ausruhen konnte.

Trotz fehlender Radwege sei das Fahrrad in Genthin ein wichtiges Freizeitinstrument, sagte Bürgermeister Wolfgang Bernicke, der die E-Biker begrüßte. Er erinnerte an den Genthiner Anspruch Mitte der 80er Jahre, prozentual europaweit den zweithöchsten Fahrradbestand zu haben.

Nach einer halben Stunde Rast hieß es Aufbruch in Richtung Burg und Magdeburg. Die Touristinformation hielt zur Erinnerung an Genthin Souvenire bereit. Am Sonntag sollten die E-Biker an ihrem Etappenziel in Hannover ankommen. Marion Koch aus Jena saß an diesem Wochenende zum ersten Mal auf einem Elektrofahrrad. "Meine Erwartungen haben sich erfüllt. Die Batterie unterstützt gut." Sie beteiligte sich an der Bike-Wave, wie die Tour offiziell hieß, um sich für alternative Energieformen einzusetzen.

"115 Fahrer aus Deutschland und der Schweiz sind heute Morgen in Berlin gestartet", sagte Organisator Louis Palmer. Der Schweizer wurde unter anderem mit seinem Solartaxi bekannt, mit dem er 2007/2008 als erster Mensch die Erde mit einem solar betriebenen Fahrzeug umrundete: 54 000 Kilometer durch 38 Länder in 18 Monaten. UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon und US-Talkmaster Jay Leno gehörten unter anderem zu seinen berühmten Passagieren.

Abgesehen von einigen Teilnehmern, die sich verfahren hatten und weit hinter dem Feld zurücklagen, verlief die Bike-Wave nach Palmers Auskunft bis Genthin reibungslos.

Die Fahrt auf der B1 betrachteten die Fahrer mit einem weinenden und einem lachenden Auge. Zum einen freuten sie sich über die Geschwindigkeiten, die sie dort erreichen konnten, andererseits: "Auf der Bundesstraße zu fahren, wäre nicht meine Wahl gewesen, hätte es eine Alternative gegeben", sagte Joachim Leffler. Für den Berliner, der in der Fahrradbranche tätig ist, war die Tour auch ein Feldversuch: Wie lange halten die Batterien? Welches Zubehör eignet sich wie?

Joachim Leffler war gemeinsam mit seinem Kollegen Ulf Blume aus Braunschweig unterwegs, der für den Branchenverband VSF arbeitet, und privat bereits Elektrofahrrad fährt.

100 Fahrräder hatte ein Hersteller zur Verfügung gestellt. "Und wir haben noch viele andere Modelle, die die E-Bike-Enthusiasten selbst mitgebracht haben", sagte Louis Palmer.