Noch ist es Baustelle, das künftige Spielemagazin der HaWoGe. Das preisgekrönte Konzept hingegen sorgt bereits für Furore. Auch bei Fachleuten der Wohnungswirtschaft.

Halberstadt l Wohnungsunternehmen müssen über den eigenen Tellerrand schauen. Sagt der Präsident des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, Axel Gedaschko. Auf Einladung von Beate Grebe, der Geschäftsführerin der Halberstädter Wohnungsgesellschaft (HaWoGe), war Gedaschko am Dienstagvormittag in Halberstadt unterwegs. Nach einem Arbeitsgespräch, an dem auch die Stadtwerke-Chefetage und Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke) teilnahmen, ging es auf eine kleine Rundreise durch Halberstadt - der Abriss in der Kühlinger Straße war dabei ebenso Ziel wie ein Blick auf die großflächigen Fassadenbilder im Stadtzentrum und die Baustellen in der Minna-Bollmann-Straße und am Ebereschenhof.

Hier soll im Sommer das HaWoGe-Spielemagazin seine Tore öffnen. Die fehlen allerdings ebenso wie die neuen Türen. Dafür sorgen 189 dunkelrote Fenster in der sanierten Fassade bereits für ein ansehnliches Äußeres und bald auch für Temperaturen im Rauminneren, die zum Beispiel das Aufbringen der Brandschutzanstriche ermöglichen. "Die 14 Tore und Türen werden spätestens im Februar eingebaut", berichtete Beate Grebe beim Rundgang über die Baustelle.

Im nördlichen Gebäudeteil wird derzeit die Decke zwischen Erd- und erstem Obergeschoss ausgebaut, um Platz zu schaffen für Rutschen, Klettertürme und anderes mehr, das sich im sogenannten Funpark an Spiel- und Tobemöglichkeiten finden wird. "Einen Teil der Deckenbalken benutzen wir, um den tieferliegenden Fußboden im Trampolinraum aufzuständern", ergänzte Henning Staat. Die Trampoline brauchen ebenso wie das auch für Rollstuhlfahrer geeignete Karussell Platz nach unten. Deshalb muss der Fußboden teilweise angehoben werden. "So bekommen wir außerdem niveaugleiche Bodenhöhen, um barrierefreie Zugänge innerhalb des Gebäudes zu bieten", erklärte Beate Grebe.

Dass ein Wohnungsunternehmen ein Spielehaus betreibt, sei keine Erfindung der Halberstädter, betont sie gegenüber Axel Gedaschko. Kollegen einer Genossenschaft in Halle/Merseburg seien bereits seit Längerem mit solch einem Angebot am Start. Aber für ein städtisches Unternehmen sei dies Neuland. "Die kommunalen Wohnungsunternehmen sind eine starke Säule des Verbandes", sagte Beate Grebe weiter.

Kritik, dass sich Wohnungsunternehmen doch lieber um die Wohnungen kümmern sollten und nicht um Spielplätze, weist Gedaschko zurück. "Das wäre zu kurz gedacht. Wenn jeder nur in Beton investiert, kommt die Lebensqualität auf Dauer zu kurz. Das wäre geradezu fahrlässig für die Zukunft eines Unternehmens", sagt der 54-Jährige. "Wenn eine Immobilie im Wert Bestand haben soll, braucht es ein lebens- und liebenswürdiges Umfeld. Dazu gehört auch eine liebenswerte Stadt."

Das Konzept, ein historisches Gebäude für Kinder neu zu beleben und dabei Menschen mit Handicaps nicht auszuschließen, sei toll. "Was macht man mit solchen scheinbaren Schandflecken am Entrée einer Stadt? Diese Frage ist eine Herrausforderung für jede Stadt. Wenn man das Glück hat, jemanden zu finden, der die inneren und äußeren Werte dieser Immobilie entdeckt und dazu eine tragfähige Idee für eine Nutzung hat, ist das fantastisch", sagte Gedaschko. Viele kämen nur auf die Idee einer musealen Nutzung, aber hier schaffe man eine Verbindung in die Zukunft - über die Kinder. "Darauf kann man hier in Halberstadt wirklich stolz sein", sagte Axel Gedaschko und gab sich überzeugt, dass man mit dem Spielemagazin auch Besucher von außerhalb anlocken werde.

 

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